US-chinesische Strafzölle Experten fürchten "dritte Phase" im Handelsstreit

Erst hat US-Präsident Trump neue Zölle auf chinesische Produkte verhängt, prompt folgte China. Nun sorgen sich Experten vor weiteren Maßnahmen - mit verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft.

Hamburger Hafen
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Die Ankündigungen aus den USA, weitere Zölle auf chinesische Einfuhren erheben zu wollen, gefolgt von der prompten Retourkutsche aus China hat Verunsicherung ausgelöst. Zwar blieb es an den Aktienmärkten zunächst ruhig, Experten aus Deutschland und den USA äußerten jedoch Sorge vor Langzeitfolgen.

"Bisher war ich vorsichtig optimistisch, dass Handelsgespräche zu einem positiven Ergebnis führen könnten. Dass Trump nun tatsächlich noch diesen Zoll-Hammer rausholt, versetzt mich in tiefe Unruhe", sagte Außenhandelspräsident Holger Bingmann der "Rheinischen Post".

US-Präsident Donald Trump hatte am Montag den Handelskonflikt durch neue Sonderzölle auf China-Importe im Wert von weiteren 200 Milliarden Dollar befeuert. Das chinesische Handelsministerium reagierte umgehend und kündigte Vergeltung an. So sollen US-Importe im Wert von 60 Milliarden Dollar mit Extrazöllen belegt werden.

Bingmann: Härtere Maßnahmen aus China könnten Weltwirtschaftskrise auslösen

Die Regierung in Peking habe bislang vergleichsweise besonnen agiert, gab Bingmann zu bedenken. "Ich will mir aber gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn die Chinesen zu anderen, härteren Mitteln greifen würden. Sie könnten zum Beispiel im großen Umfang Kapital aus den USA abziehen", warnte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Dienstleistungen, Außenhandel (BGA). "Dann müssten die USA auf einmal Hunderte Milliarden zurückzahlen. Das würde eine weltwirtschaftliche Krise auslösen."

Trump hatte bereits im Vorfeld erklärt, er werde im Falle einer chinesischen Vergeltung "die dritte Phase" einleiten und weitere Waren im Wert von 267 Milliarden Dollar mit Sonderzöllen überziehen. Das wäre dann praktisch das gesamte Einfuhrvolumen der USA aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der US-Präsident verfolgt das Ziel, das immense Handelsdefizit der USA mit China einzudämmen.

Ein ausführliches Experteninterview lesen Sie hier.

US-Flüssiggasgeschäft gefährdet

In den USA würden durch die zusätzlichen Zölle Auslandsprojekte im Flüssiggas-Geschäft (LNG) gefährdet, sagte Noel Tomnay, Vizepräsident von Wood Mackenzie, eine weltweit tätige Forschungs- und Beratungsgruppe unter anderem für die Bereiche Energie und Chemie. Besonders US-Unternehmen, die LNG-Exportterminals bauen, seien davon betroffen. Dazu zählen etwa: Cheniere Energy, Sempra und Kinder Morgan.

LNG könnte sogar in China wettbewerbsunfähig werden. "Aber das größte Problem besteht bei allen US-LNG-Projekten, die eine endgültige Investitionsentscheidung anstreben. China wäre der größte Markt für sie. Während die Zölle andauern, ist es unwahrscheinlich, dass die Vorhaben an den Start gehen. Das ist eine Gelegenheit für Projekte, die nicht aus den USA stammen", warnte Tomnay.

China war im vergangenen Jahr der weltweit zweitgrößte Importeur von Flüssiggas hinter Japan. Die USA haben die Produktion von Schiefergas in den vergangenen Jahren massiv hochgefahren und suchen weltweit Absatzmärkte. Die USA hatten zuletzt in Europa Druck in Sachen LNG gemacht.

Chinas Premierminister plädiert für Freihandel

Indes plädierte Chinas Premierminister Li Keqiang erneut für die Verteidigung des globalen Freihandels. "Es ist wichtig, dass wir die Grundprinzipien des Multilateralismus und des Freihandels aufrechterhalten", sagte Li auf dem "Sommer-Davos" genannten Weltwirtschaftsforum in der chinesischen Stadt Tianjin.

Ohne den sich zuspitzenden Handelskonflikt seines Landes mit den USA direkt anzusprechen, sagte er, dass Streitigkeiten durch Gespräche gelöst werden müssten. Die Abschottung einzelner Staaten sei keine Lösung.

ans/dpa/Reuters

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