Industrieländervergleich Deutsche Sozialabgaben liegen weit über dem Durchschnitt

Deutschland ist weniger ein Hochsteuerland als ein Hochabgabenland - das zeigen neue Zahlen. Ein hoher Teil der Einnahmen stammt aus Sozialabgaben, Unternehmen kommen hingegen vergleichsweise gut weg.
Angestellte in Frankfurt (Archivbild)

Angestellte in Frankfurt (Archivbild)

Foto: Roland Holschneider/ picture alliance / dpa

Die deutsche Steuer- und Abgabenlast liegt nur leicht über dem Durchschnitt der Industrieländer, aber ungewöhnlich stark auf Arbeitseinkommen: Das zeigen neue Statistiken, welche die Industrieländerorganisation OECD am Mittwoch veröffentlicht hat.

Demnach entsprachen die Steuern und Abgaben im vergangenen Jahr 37,5 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Im Durchschnitt der OECD-Länder lag diese Steuerquote bei 34,2 Prozent. Spitzenreiter der Belastung ist mit 46,2 Prozent Frankreich - wo die Regierung von Emmanuel Macron gerade auf Druck der "Gelbwesten"-Bewegung eine Erhöhung der Ökosteuer verschieben musste.

Weit weniger durchschnittlich als bei der Steuerlast insgesamt ist Deutschland allerdings bei der Frage, wie sich diese verteilt. Der OECD zufolge gibt es folgende Besonderheiten:

  • Einen "substanziell" höheren Anteil von Sozialabgaben am gesamten Steueraufkommen sowie höhere Einnahmen aus persönlichen Einkommen und Gewinnen. Die Sozialabgaben machen in Deutschland stolze zwölf Prozentpunkte mehr aus als im Durchschnitt der Industrieländer.
  • Einen proportional niedrigerer Anteil von Steuern auf die Einkommen und Gewinne von Unternehmen, Vermögensteuern sowie Steuern auf Waren und Dienstleistungen. Der Anteil der Vermögensteuern am deutschen Steueraufkommen ist nur halb so hoch wie im Durchschnitt, auch der Anteil der Unternehmensteuern liegt in den Industrieländern im Schnitt fast doppelt so hoch.

Hinter der vergleichsweise hohen Abgabenlast in Deutschland stehen auch Sozialsysteme, die deutlich besser ausgebaut sind als in Ländern wie Mexiko oder auch den USA (27,1 Prozent). Geringere Sozialabgaben zahlen die Bürger aber beispielsweise auch in den skandinavischen Wohlfahrtsstaaten.

Im Schnitt ist die Steuerquote der OECD-Staaten so hoch wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1965. Auf einem Höchststand liegen auch die Mehrwertsteuern, welche viele Länder seit der letzten Wirtschaftskrise erhöht haben. Mit einem Anteil von 6,9 Prozent an der Wirtschaftsleistung (OECD: 6,8 Prozent) und einem Standard-Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent (OECD: 19,3 Prozent) liegt Deutschland sehr nah am Durchschnitt.

Angesichts ohnehin schon hoher Mehrwertsteuerraten schaffen dem Bericht zufolge viele OECD-Länder Ermäßigungen auf bestimmte Waren ab. Eine systematische Angleichung der oftmals skurrilen Unterscheidungen (zum Beispiel von Eseln versus Maultieren oder Hunde- versus Kinderkeksen) wird in Deutschland zwar regelmäßig diskutiert, ist bislang aber stets gescheitert.

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