Sozialbetrug in Griechenland Die Insel der Scheinblinden

Plötzlich konnten hundert angeblich Blinde wieder sehen: Erneut wurde in Griechenland ein krasser Fall von Sozialbetrug aufgedeckt. Auf der Insel Kalymnos bezogen viele Menschen Blindenhilfe, obwohl ihre Augen völlig gesund waren.
Griechische Insel Kalymnos: Hundert Menschen täuschten Blindheit vor

Griechische Insel Kalymnos: Hundert Menschen täuschten Blindheit vor

Foto: Corbis

Athen - Sozialprüfer brachten einer Reihe von Griechen das Augenlicht zurück - und nahmen ihnen dafür ihre zu Unrecht bezogene Blindenhilfe weg. Die größte Sozialkasse Griechenlands, die IKA, deckte viele Fälle auf, in denen sich Menschen mit völlig gesunden Augen als blind ausgegeben hatten. Besonders hoch sei der Anteil von "Scheinblinden" auf der traditionellen Schwammtaucher-Insel Kalymnos.

Anfang Juni seien 152 "Patienten" untersucht worden. Hundert von ihnen seien entgegen ihren eigenen Angaben weder blind noch anderweitig in ihrem Sehvermögen eingeschränkt gewesen, teilte die IKA am Samstag mit. Auf der hundert Kilometer südlich von Kalymnos gelegenen und deutlich größeren Insel Rhodos fiel die Quote unrechtmäßiger Bezieher von Blindenhilfen mit neun von 125 kontrollierten Fällen weit niedriger aus.

Sozialbetrug bleibt ein ernstes Problem in dem hochverschuldeten Griechenland. Seit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise und den damit verbundenen Sparprogrammen geht Griechenlands Regierung verstärkt gegen Sozialbetrüger vor, die den Staat schätzungsweise 500 Millionen Euro pro Jahr kosten. In den vergangenen Jahren wurden Hunderte Fälle aufgedeckt, in denen sich "falsche" Blinde, Behinderte und Rentner Hilfsleistungen erschlichen haben. Arbeitsminister Giannis Vroutsis versicherte, dass alle unrechtmäßig geflossenen Gelder zurückgefordert würden.

Sozialbetrug ist allerdings bei weitem kein rein griechisches Phänomen: So wurden in Deutschland 2011 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit mehr als 177.000 Straf- und Bußgeldverfahren wegen Leistungsmissbrauchs eingeleitet.

Neue Sparpläne hatten in dem EU-Krisenland jüngst für heftige Proteste gesorgt. Das Sparpaket der Regierung sieht ein Gesetz vor, das die Entlassung von 15.000 der insgesamt rund 700.000 Staatsbediensteten ermöglicht.

lgr/dpa/AFP
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