Internationale Arbeitsorganisation Hälfte der Weltbevölkerung ohne soziale Sicherung

Die Arbeitsorganisation ILO bemängelt fehlende soziale Gerechtigkeit in großen Teilen der Welt. Nur jeder dritte Mensch mit Behinderung bekomme eine materielle Zuwendung. Corona droht, die Lage weiter zu verschärfen.
Corona hat die Lage von Menschen ohne sozialen Schutz noch einmal verschärft (Symbolbild)

Corona hat die Lage von Menschen ohne sozialen Schutz noch einmal verschärft (Symbolbild)

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Chris Huby / imago images / Le Pictorium

Die Hälfte der Weltbevölkerung hat nach Einschätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) keinen sozialen Schutz. Gerade nach den Erfahrungen mit der Coronakrise mit oft überraschender Arbeitslosigkeit oder langen Krankheitsphasen sei es an der Zeit, dass die Staaten sich besser kümmerten, teilte die ILO mit. »Die Länder stehen an einem Scheideweg«, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder. Ein wirksamer und umfassender Sozialschutz sei nicht nur für soziale Gerechtigkeit und menschenwürdige Arbeit unerlässlich, sondern auch für die Schaffung einer nachhaltigen und widerstandsfähigen Zukunft.

Regional sei das Bild sehr unterschiedlich, heißt es in dem Bericht. Die Bevölkerung in Europa und Zentralasien sowie in Nord- und Südamerika sei noch relativ gut abgesichert. Hier könnten viele Menschen mit irgendeiner Art von Unterstützung rechnen – zum Beispiel mit Arbeitslosengeld, mit Renten, mit Unterstützung bei Arbeitsunfällen oder Zugang zum Gesundheitssystem. Dagegen bestünden in Asien und dem Pazifik, in den arabischen Staaten und vor allem in Afrika weit größere Sicherungslücken.

Weltweit bekomme nur jeder dritte Mensch mit Behinderung eine materielle Zuwendung. Nur jeder fünfte Arbeitslose sei wirksam geschützt. »Dieser Zweig der sozialen Sicherung ist nach wie vor der am wenigsten entwickelte«, teilte die ILO mit.

Ausgaben für Sozialschutz variieren

Auch die staatlichen Ausgaben für den Sozialschutz variierten erheblich. Im Durchschnitt geben Länder laut ILO 12,8 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Sozialschutz (ohne Gesundheit) aus. Staaten mit hohem Einkommen wendeten 16,4 Prozent und Länder mit niedrigem Einkommen nur 1,1 Prozent ihres BIP für Sozialschutz auf.

Die Coronapandemie drohe, die bisherigen Erfolge bei der Armutsverringerung zunichtezumachen. Zwar hätten sich viele Staaten bemüht, die Sozialleistungen anzupassen, aber durch den erhöhten Bedarf habe sich die Lage eher verschärft. »Der Versuchung, zu einer Haushaltskonsolidierung zurückzukehren, um die durch Covid-19 bedingten massiven öffentlichen Ausgaben zu decken, muss widerstanden werden«, heißt es in dem Bericht.

hba/dpa
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