Studie Sozialer Status hängt von Urgroßeltern ab

Einmal unten, immer unten? Einer neuen Studie zufolge ist der soziale Aufstieg in Deutschland noch schwieriger als gedacht. Demnach hat sogar der Berufsstand der Urgroßeltern Auswirkungen auf den ihrer Nachfahren.
Schulklasse in Baden-Württemberg

Schulklasse in Baden-Württemberg

Foto: Wolfram Kastl/ picture alliance / Wolfram Kastl

Der soziale Aufstieg in Deutschland hängt maßgeblich vom Status der Vorfahren ab. Das ist das Ergebnis einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und der Universität Madrid. Demnach lassen etwa Bildungsgrad oder Berufsstand der Urgroßeltern noch heute auf den sozialen Status ihrer Nachfahren in der vierten Generation schließen.

"Dies bedeutet, dass sich die soziale Ungleichheit in Deutschland nur sehr langsam abbaut", sagte IfW-Experte Sebastian Braun. "Je geringer der soziale Status der Urgroßeltern, desto geringer der Status der Urenkel heute." Ein niedriger Status der Vorfahren wirke wie eine Last, die den Aufstieg auch vier Generationen später noch bremse. Umgekehrt gelte: Je höher der soziale Status der Urgroßeltern, desto höher der Status ihrer Nachfahren heute.

Die Forscher kommen zum Ergebnis, dass durchschnittlich 60 Prozent der für den sozialen Status einer Person maßgeblichen Faktoren von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Dazu könnten Lebensumstände wie das gesellschaftliche Netzwerk zählen, aber auch vererbte Begabungen.

Die Wissenschaftler untersuchten Daten, die über vier Generationen hinweg den sozialen Status von Familien in Deutschland im 20. Jahrhundert beschreiben. Die Studie widerspricht laut IfW früheren Untersuchungen, nach denen in den meisten Industrieländern der soziale Status einer Person nur zu etwa 30 bis 40 Prozent von den Eltern geprägt ist und soziale Ungleichheiten daher relativ schnell verschwinden.

Die Forscher betonten, bei Studien zur sozialen Mobilität gebe es eine hohe Datenunsicherheit. Frühere Studien hatten wiederholt gezeigt, dass der soziale Aufstieg in Deutschland schwieriger ist als in vielen anderen Industrieländern.

hej/Reuters