Spanien Arbeitslosigkeit steigt auf mehr als 20 Prozent

Die Jobkrise in Spanien verschärft sich: Nach vorläufigen Angaben eines nationalen Statistik-Instituts ist die Arbeitslosenquote auf mehr als 20 Prozent emporgeschnellt. Es wäre der höchste Wert seit 13 Jahren.
Spanisches Arbeitsamt: Rund 4,6 Millionen Menschen ohne Job

Spanisches Arbeitsamt: Rund 4,6 Millionen Menschen ohne Job

Foto: JUAN MEDINA/ REUTERS

Madrid/Lissabon - Europa schaut gebannt auf Griechenland, Angst vor einer Staatspleite im Süden Europas geht um - doch die Regierung in Athen ist nicht die einzige, die mit massiven Problemen zu kämpfen hat. Auch in Portugal und Spanien verschlechtert sich die Lage dramatisch.

So ist die Arbeitslosenquote in Spanien nach inoffiziellen Angaben erstmals seit 13 Jahren auf mehr als 20 Prozent gestiegen. Nach vorläufigen Daten des Nationalen Statistik-Instituts (INE) waren im ersten Quartal 2010 in Spanien rund 4,6 Millionen Menschen ohne Arbeit, 285.000 mehr als im vierten Quartal 2009. Damit stieg die Arbeitslosenquote um 1,22 Punkte auf 20,05 Prozent.

Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen nach dem derzeitigen System im Jahr 1997. Das INE wies am Dienstag in Madrid darauf hin, dass die Zahlen "noch nicht definitiv" seien. Die Behörde hatte ihre Arbeitslosenzahlen eigentlich erst am kommenden Freitag veröffentlichen wollen. Durch ein technisches Versehen erschienen die Daten jedoch für kurze Zeit auf der Internetseite des INE und wurden von den Medien verbreitet.

Streik gegen portugiesisches Sparprogramm

Auch Portugals Regierung hat zu kämpfen. Um das Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wieder unter Kontrolle zu bringen, muss die Regierung in Lissabon eisern sparen. Doch die Bevölkerung macht da nicht mit. Sie streikt.

Am Dienstag traten unter anderem die portugiesischen Eisenbahner in den Ausstand. Auch die Fährverbindungen und zahlreiche Buslinien wurden bestreikt. Im Großraum Lissabon kam es am Morgen zu zahlreichen Staus, weil Pendler aus dem Umland mit dem Auto zur Arbeit fahren mussten. Der U-Bahn-Betrieb in der Hauptstadt selbst war von dem Ausstand allerdings nicht betroffen, auch einige Busse fuhren. Die Zugverbindungen ins Ausland wurden aufrechterhalten, wie die Bahngesellschaft Caminhos de Ferro Portugueses mitteilte.

Die sozialistische Regierung hatte im März ein Programm vorgelegt. Dazu sollen Sozialausgaben gekürzt, Steuererleichterungen für bestimmte Gruppen abgeschafft und die jährlichen Gehaltserhöhungen im Öffentlichen Dienst unter der Inflationsrate gehalten werden. Zudem will das Finanzministerium durch Privatisierung von Staatseigentum sechs Milliarden Euro Schulden abbauen. Das Sparprogramm ist auf vier Jahre angelegt.

ssu/apn/dpa-AFX/Reuters

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