Hohe Zinsen Investoren machen Druck auf Spanien

Investoren hoffen auf Hilfe für Spanien durch die EZB. Noch aber steigen die Zinsen für das Krisenland. Bei einer Auktion zehnjähriger Anleihen musste die spanische Regierung deutlich höhere Renditen bieten. Schlechte Nachrichten gibt es auch für Zypern.

Händler an der Madrider Börse: Sorge über steigende Zinsen
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Händler an der Madrider Börse: Sorge über steigende Zinsen


Madrid/Frankfurt - Spanien kommt nur zu hohen Zinsen an frisches Geld. Trotz der erhofften Unterstützung durch die Europäische Zentralbank (EZB) musste das Land bei einer Auktion am Donnerstag deutlich höhere Zinsen zahlen. Die Regierung in Madrid nahm Kredite in Höhe von 3,13 Milliarden Euro auf und musste bei den richtungsweisenden Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit Zinsen in Höhe von 6,6 Prozent bieten.

Bei einer vergleichbaren Auktion im Juli waren es noch 6,4 Prozent. Auch die Nachfrage nach diesen Papieren ging deutlich zurück. Bei einer Anleihe mit Fälligkeit in vier Jahren legten die Zinsen von 5,5 auf fast sechs Prozent zu.

Anleger erwarten mit Spannung die Ergebnisse einer Sitzung der EZB. Laut "Süddeutscher Zeitung" will EZB-Chef Mario Draghi gemeinsam mit dem Euro-Rettungsschirm ESM im großen Stil Staatsanleihen kaufen, um die Krisenländer zu entlasten.

Neben Spanien gerät mit Zypern ein weiteres Euro-Problemland stärker unter Druck. Die US-Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des finanziell schwer angeschlagenen Landes erneut gesenkt. Die langfristige Kreditbewertung werde von zuvor "BB+" um eine Stufe auf "BB" reduziert, teilte S&P am Donnerstag mit.

Damit liegt Zypern bereits zwei Stufen unterhalb der Grenze, die als Ramschniveau bezeichnet wird. Die Anleihen des Landes werden damit als hochspekulativ bewertet.

S&P erklärte, man halte es für unwahrscheinlich, dass die Verhandlungen mit der EU, der EZB und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über Finanzhilfen für Zypern bis zum September erfolgreich abgeschlossen werden. Dabei geht es um ein Hilfspaket in einem Volumen von elf Milliarden Euro. Zypern verhandelt derzeit auch mit Russland über Hilfskredite.

Griechenland verhandelt mit der Troika

Auch in Griechenland laufen die Verhandlungen zwischen der dortigen Regierung und den internationalen Geldgebern. Unmittelbar nach der Einigung über das neue Sparpaket wurden Gespräche aufgenommen. Finanzminister Ioannis Stournaras traf am Donnerstag die Experten der Troika von EU, EZB und IWF in Athen, um sich über die Details des Sparprogramms in Höhe von 11,5 Milliarden Euro zu verständigen.

Der erfolgreiche Abschluss dieser Verhandlungen ist Voraussetzung für weitere internationale Hilfen an Griechenland. Von dem nun beschlossenen Sparprogramm und weiteren Reformen hängt ab, wie der Bericht der Troika ausfällt. Die Koalitionsregierung in Athen hatte seit Wochen über die von den Geldgebern Griechenlands geforderten zusätzlichen Einsparungen gestritten.

Experten der Troika prüfen derzeit in Athen die Bücher. Ihr Bericht soll im September vorliegen. Bisher liegen Teilzahlungen zugesagter Hilfsgelder auf Eis, weil das Land mit seinen Sparverpflichtungen und Reformschritten in Rückstand ist.

mmq/Reuters/dpa

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adam68161 02.08.2012
1. Ach ja, die Troika....
die prüft und reist ab, dann prüft sie wieder und reist wieder ab, dann beschliesst die Regierung GR ein neues Sparprogramm (das niemals umgesetzt wird), und dann wird ausgezahlt... Das Spiel kennt man doch schon.
tropicalconsulting 02.08.2012
2. Durchregieren in Athen
Die Griechen-Politiker haben und bringen nichts zustande. Wann maschiert die NATO in Griechenland ein, um die Sparbeschlüsse durchzusetzen? Wann regierten Berlin und Brüssel in Athen durch?
sting111 02.08.2012
3. Es ist noch schlimmer,
die 3 griech. Koalitionsparteien haben sich nur auf die Hoehe der geforderten Einsparungen von EURO 11,5 Mrd. geeinigt. Inhalte sind nicht bekannt, sollen aber (lol) auf die Normalbevoelkerung nur geringe neg. Auswirkungen haben. Und man haelt ja eh am Glauben fest, dass das Programm um 2 Jahre bis 2016 gestreckt werden kann. Junker haelt das auch nur fuer Geschwaetz. Man wird sehen, Ende 2012 gibt es mehr Staatsbedienstete als Ende 2011.
2wwk 02.08.2012
4. man kann ja alles spaeter
erst einmal muessen wir versprechen was noetig ist um an die Kohle aus Bruessel zu kommen. nicht einhalten was wir gesagt haben kommt dann halt dananch.
edmond_d._berggraf-christ 02.08.2012
5. Am Ende werden die Staaten stets den Weg Argentiniens gehen
Dieser Zirkus ist nichts als albern, da der Staatsbankrott seit jeher zum staatlichen Alltag gehört und beispielsweise Herrscher wie Philipp II. von Spanien drei mal in ihrer Regentschaft den Staatsbankrott erklärt haben. Daran hat sich auch in der Papier- und Buchgeldzeit nichts geändert, wie man am Fall Argentiniens sehen kann; auch Argentinien verordnete der IWF eine ähnliche Schröpf- und Rosskur, wie sie nun Ländern wie Griechenland, Italien oder Spanien verordnet wird, doch nach einiger Zeit hatte Argentinien genug und verkündete, daß der IWF das Land gern haben könne und erklärte den Staatsbankrott; und das Land gibt es noch heute. Die wirtschaftlichen Folgen des Staatsbankrottes dauerten einige Jahre und das Land darf nun sogar bei der Staatsschauspielergruppe der 20 auftreten, um über das Schicksal des Erdenrundes mit zu bestimmen. Daher sollte man den Staatsbankrott nicht scheuen, wenn die Zinslasten zu groß geworden sind, wohl aber fortan vernünftig haushalten lernen.
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