Steigende Zinsen Spanien rutscht tiefer in die Krise

Für Spanien wird es an den Finanzmärkten immer enger. Die Zinsen, die das Land seinen Gläubigern bieten muss, sind erstmals in diesem Jahr wieder über sechs Prozent gestiegen. Die Regierung in Madrid meldet, die Wirtschaft sei wieder in die Rezession gerutscht.
Demonstranten am Wochenende in Madrid: Zurück in die Rezession

Demonstranten am Wochenende in Madrid: Zurück in die Rezession

Foto: Alberto Di Lolli/ AP

Madrid - Spanien gerät immer stärker unter den Druck der Finanzmärkte. Weil die Wirtschaft abrutscht und die spanischen Banken sich nicht mehr alleine finanzieren können, wachsen bei Investoren die Zweifel daran, dass das Land ohne Hilfe von außen seine Schulden stemmen kann. Einige spekulieren deshalb bereits darauf, dass Spanien Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds in Anspruch nehmen muss.

Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen stiegen am Montag zum ersten Mal in diesem Jahr über die kritische Marke von sechs Prozent. Sie legten um 0,13 Punkte auf 6,12 Prozent zu. Die Investoren verlangen also immer höhere Prämien, dass sie spanische Staatspapiere kaufen.

Auch die Kosten von Kreditausfallversicherungen für spanische Staatsanleihen stiegen auf ein Rekordhoch: Um Papiere mit fünfjähriger Laufzeit im Wert von zehn Millionen Dollar vor einem Verlust zu schützen, wird eine jährliche Versicherungssumme von 520.000 Dollar verlangt.

"Wir sind voll zurück im Krisenmodus", sagte Ly Graham-Taylor, Analyst bei der niederländischen Rabobank. "Es sieht immer mehr danach aus, als ob Spanien irgendeine Art von Rettung braucht." An den Finanzmärkten wird bereits seit Wochen darüber spekuliert das Spanien sich Geld vom europäischen Rettungsfonds EFSF leihen muss, um seine strauchelnden Banken zu stützen. Im Gespräch sind Summen zwischen 50 und 100 Milliarden Euro.

Die spanischen Institute sitzen auf einem riesigen Berg fauler Immobilienkredite und bekommen von anderen europäischen Banken praktisch kein Geld mehr. Sie sind deshalb auf die Versorgung durch die Europäische Zentralbank (EZB) angewiesen. Im März haben sich die Institute bei ihr die Rekordsumme von 316 Milliarden Euro geliehen - rund doppelt so viel wie im Februar.

Die Wirtschaft schrumpft zum zweiten Mal in Folge

Ob Spanien vom Rettungsschirm bald auch Geld brauchen könnte, um seine Staatsschulden zu finanzieren, ist umstritten. Viele Experten halten ein Zinsniveau von mehr als sechs Prozent bei zehnjährigen Staatsanleihen für langfristig nicht tragbar. Andere verweisen jedoch darauf, dass das Land vor Einführung des Euro teilweise deutlich höhere Zinsen zahlen musste.

Die sechs Prozent gelten zumindest als psychologisch wichtige Marke, weil sich bei anderen Krisenländern der Zinsanstieg von da an stark beschleunigt hat. Griechenland, Irland und Portugal mussten bei einem Niveau von mehr als sieben Prozent unter den Rettungsschirm flüchten, weil sie nicht mehr genügend private Geldgeber fanden.

Spanien leidet neben den Problemen der Banken auch unter einer schrumpfenden Wirtschaft. Nach Einschätzung der Regierung ist das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn erneut gesunken - das Land steckt damit zum zweiten Mal seit 2009 in einer Rezession.

"Das erste Quartal dürfte genauso ausgefallen sein wie das letzte Quartal des vergangenen Jahres", sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos der Zeitung "El Mundo". Vor wenigen Wochen habe er aber mit einem noch viel deutlicheren Rückgang gerechnet. Im Schlussvierteljahr 2011 war die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent geschrumpft. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von einer Rezession.

Um die Konjunktur anzukurbeln, will die Regierung mittelständischen Unternehmen einen besseren Zugang zu Krediten verschaffen. "Wir werden einen Markt für Unternehmensanleihen vorantreiben, der für mittelständische Firmen sehr attraktiv sein könnte", sagte de Guindos. Die Unternehmen leiden unter einem schlechten Zugang zu frischem Geld. Die Kreditvergabe sei zuletzt um vier Prozent geschrumpft.

stk/Reuters
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