Wirtschaftskrise Spanische Gewerkschafter plündern Supermärkte

Eine spanische Gewerkschaft sorgt mit einer Robin-Hood-Aktion für Aufsehen. Die Aktivisten räumten in Andalusien zwei Supermärkte aus und verteilten die Lebensmittel unter Bedürftigen. Der Innenminister ordnete die Festnahme der Beteiligten an.
Demo in Madrid: Protest gegen Sparkurs der Regierung

Demo in Madrid: Protest gegen Sparkurs der Regierung

Foto: SUSANA VERA/ REUTERS

Madrid - In Andalusien haben Gewerkschafter zwei Supermärkte geplündert. Hinter der Aktion steckt die Arbeitnehmervertretung der andalusischen Arbeiter (SAT). Nach eigenen Angaben wollen die Aktivisten auf die Notlage der Bevölkerung in der Wirtschaftskrise aufmerksam machen. Bei einem Supermarkt beteiligte sich auch der Dorfbürgermeister von Marinaleda, ein Politiker der Vereinigten Linken (IU).

Laut einem Online-Bericht der Zeitung "Diario de Sevilla"  plünderten die Demonstranten zwei Supermärkte der Ketten Mercadona und Carrefour in den Städten Ecija und Arcos de la Frontera. Die entwendeten Waren seien dann in Gegenden mit besonders hoher Arbeitslosigkeit verteilt worden. Der SAT-Chef Juan Manuel Sánchez Gordillo sagte, die Supermärkte seien mitverantwortlich für die Krise.

Diego Cañamero, ein anderer Gewerkschaftsführer, sagte der Zeitung, die Aktivisten müssten eigentlich "ausgezeichnet werden, weil wir alles auf friedlichem Wege organisieren". Zu anderen Zeiten habe es in Andalusien Gewaltausbrüche gegeben, welche die SAT mit ihren Aktionen verhindere. Der andalusische Regierungschef und Vorsitzende der sozialistischen PSOE, José Antonio Griñán, bezeichnete die Aktion dagegen als Barbarei.

Spaniens konservativer Innenminister Jorge Fernández Díaz will nun scharf gegen die Aktivisten vorgehen. Er ordnete die Festnahme der Gewerkschafter und Demonstranten an, die bei der Protestaktion mitgemacht haben. "Eine zivilisierte und demokratische Gesellschaft darf es nicht zulassen, dass die Leute das Recht in die eigene Hand nehmen", sagte der Minister am Mittwoch der staatlichen Nachrichtenagentur Efe.

Spanien durchlebt derzeit die zweite Rezession binnen vier Jahren. Nach dem Platzen einer Immobilienblase im Jahr 2008 rutschte das Land in eine schwere Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy versucht mit drastischen Sparprogrammen, die Finanzen des Landes zu stabilisieren. Dagegen gibt es immer wieder heftige Proteste. Landesweit gingen wiederholt Hunderttausende auf die Straße, um gegen die Kürzungen der Regierung zu protestieren.

In Girona werden Müllcontainer abgeschlossen

Angesichts der Wirtschaftskrise greifen auch die Verantwortlichen in Girona im Nordosten Spaniens zu drastischen Mitteln. Weil immer mehr Menschen in Müllcontainern von Supermärkten nach Lebensmitteln suchten, sollten diese nun verschlossen werden, teilte die Stadtverwaltung mit. Die Maßnahme werde "wegen des Gesundheitsrisikos, das durch das Essen der entsorgten Lebensmittel entsteht, und wegen der sozialen Beunruhigung, die davon ausgeht", ergriffen. Bedürftige sollten sich künftig bei sozialen Einrichtungen melden, in der sie mit dem Nötigsten versorgt würden.

"Derzeit gibt es nur vor einem Supermarkt einen verschließbaren Container für Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist", sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Mit drei großen Supermarktketten sei nun vereinbart worden, alle Müllbehälter zu verschließen. Ziel sei, dass sich alle Märkte dem Vorhaben anschließen.

cte/dab/dpa/AFP
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