Spanische Immobilienkrise Sieben Sparkassen besiegeln Fusion

Neue Banken-Fusion in Spanien: Sieben Sparkassen haben ihren Zusammenschluss besiegelt. Nach dem Platzen der Immobilienblase sitzen die Institute massenhaft auf faulen Krediten - jetzt wollen sie sich gegenseitig stützen.

Spanische El Quinon: Faule Kredite bringen Banken ins Wanken
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Spanische El Quinon: Faule Kredite bringen Banken ins Wanken


Madrid - Spaniens Sparkassen leiden massiv unter faulen Immobilienkrediten - jetzt wollen sich immer mehr Institute gegenseitig stützen: Am Montag haben sieben weitere Sparkassen ihren Zusammenschluss besiegelt. Die Finanzinstitute teilten mit, sie gruppierten sich um die zweitgrößte spanische Sparkasse, die Caja Madrid. Sie wählten dabei eine Rechtsform, bei der die einzelnen Kassen relativ autonom bleiben. Zugleich verwalten sie ihre Ergebnisse genossenschaftlich und garantieren so gegenseitig ihre Zahlungsfähigkeit und Liquidität.

In den vergangenen Wochen hatten sich bereits mehrere Sparkassen zusammengeschlossen. Experten erwarten noch weitere Konsolidierungschritte.

Spaniens Bankensystem befindet sich in einem großen Umbau. Nach dem Platzen der Immobilienblase sitzen die Institute massenhaft auf faulen Krediten. Die spanische Notenbank schätzt den Abschreibungsbedarf der Geldhäuser auf bis zu 123 Milliarden Euro.

Zahlreiche Institute wollen nun fusionieren, um sich gegen Ausfälle besser abzusichern - als Gegenleistung sollen sie Milliarden aus dem nationalen Hilfsfonds für notleidende Banken bekommen. Dieser kann auf bis zu 99 Milliarden Euro ausgeweitet werden.

Spanien entwickelt sich zu Europas größtem Sorgenkind. Kaum jemand weiß genau, bei welchen Banken die größten Bilanzbomben liegen, da die Institute ihren jeweiligen Abschreibungsbedarf kaum transparent machen. Das Vertrauen ist massiv gestört. Spaniens Banken leihen sich untereinander kaum noch Geld. Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" hängen die Institute massiv am Tropf der Europäischen Zentralbank (EZB). Daten der Bank of Spain zufolge hätten die spanischen Institute im Mai bei der Notenbank im Mai Kredite in Höhe von 85,6 Milliarden Euro aufgenommen, 11 Milliarden Euro mehr als im April.

Mehrere Zeitungen hatten in den vergangenen Tagen berichtet, die EU könnte der Regierung in Madrid bald Hilfsgelder aus dem 750-Milliarden-Euro-Paket gewähren. Die Regierung in Madrid wies dies am Montag allerdings genauso zurück wie die Europäische Kommission in Brüssel und das Bundesfinanzministerium in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht angesichts der Spekulationen um mögliche Hilfen an Spanien aus dem Euro-Rettungsschirm keinen Grund zur Sorge. Vor einem Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Montag in Berlin warnte Merkel davor, "Dinge herbeizureden". Es gebe ein Rettungspaket für den Euro-Raum. Sollte es Probleme geben, könne dieser Rettungsschirm jederzeit aktiviert werden - für Spanien oder für welches Land auch immer.

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Spaniens Regierung unter Druck: Die Krise in Zahlen
Unter den Finanzministern der sieben wichtigsten Industrienationen (G-7) gibt es aber offensichtlich dringenden Gesprächsbedarf. Nach Angaben aus dem Umfeld von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker konferierten Vertreter der Länder am Montagnachmittag. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa könnte über Spanien gesprochen werden. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte der "Financial Times Deutschland" dagegen, Spanien sei kein Thema gewesen.

Die spanische Regierung würde massiv Probleme bekommen, müsste sie den maroden Bankensektor mit Milliarden stützen. Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero hat aber schon jetzt alle Hände voll zu tun, Spaniens Schuldenproblem in den Griff zu bekommen. Er muss signalisieren, dass sein Land ein verlässlicher Schuldner ist. Laut einer Prognose der Bank Unicredit muss die Regierung in Madrid bis Ende 2010 neue Staatsanleihen in Höhe von 100 Milliarden Euro aufnehmen.

Um die Märkte zu beruhigen, drückte Zapatero Ende Mai ein Sparpaket durch das Parlament, das Kürzungen in Höhe von 15 Milliarden Euro vorsieht. Eine Bankenkrise würde dieses Programm gehörig durcheinanderwirbeln: Sie würde die Schuldenkrise befeuern, Risikoaufschläge für Spanien-Anleihen würden steigen, schlimmstenfalls droht eine ähnliche Abwärtsspirale wie in Griechenland.

Das aber hätte für die EU weit dramatischere Folgen als die jüngsten Turbulenzen in Griechenland: Die Regierung in Athen trägt 2,5 Prozent zum europäischen Bruttoinlandsprodukt bei, Spanien rund zwölf Prozent.

ssu/AFP



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