Sorge vor AfD Sparkassen planen Kampagne gegen europäische Einlagensicherung

Mit der europäischen Einlagensicherung müssten deutsche Sparer auch für Banken in Griechenland, Italien und anderen Euroländern geradestehen. Die Sparkassen wollen nach SPIEGEL-Informationen dagegen ankämpfen - auch aus Sorge vor der AfD.

Kunden vor einer griechischen Bank
REUTERS

Kunden vor einer griechischen Bank


Die deutschen Sparkassen und die Genossenschaftsbanken wollen nach SPIEGEL-Informationen ab Juni mit einer groß angelegten Kampagne gegen die geplante europäische Einlagensicherung Stimmung machen. Das geht aus einem Strategiepapier der beiden Bankengruppen hervor. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 19/2016
37671 Höxter, Saatweg 6: Das Grauen von nebenan

Unter anderem ist geplant, als "Initiative der deutschen Wirtschaft für eine wirksame Einlagensicherung" großflächig Anzeigen zu schalten. Die EU-Kommission strebt an, dass die Banken der Eurozone in einen gemeinsamen Sicherungstopf einzahlen; deutsche Sparer würden letztlich auch für Kreditinstitute aus Griechenland oder Italien geradestehen.

Durch die europäische Einlagensicherung soll Geld, das Sparer bei Banken angelegt haben, in der gesamten Eurozone auf gleichem Niveau garantiert werden. Dazu sollen die Banken in einen gemeinsamen Notfallfonds einzahlen, aus dem die Kunden ausgezahlt werden, wenn das Geldinstitut Pleite ginge.

Die Bundesregierung befürchtet, dass das bislang weitgehend solide arbeitende deutsche Bankensicherungssystem spürbar geschwächt würde. Die Sparer würden dann für die Risiken ausländischer Staaten indirekt bürgen, so das Argument.

Sorge vor Erstarken der AfD

Deutsche Banken kritisieren, so werde die Haftung vergemeinschaftet, während die Risiken weiterhin national gesteuert würden. Die Bundesregierung lehnt bisher den gemeinsamen Sicherungstopf ab. Die Sparkassen fürchten jedoch, Berlin könne diese Haltung aufweichen.

Man wolle mit der Kampagne, in die vor allem mittelständische Firmen eingebunden werden sollen, verhindern, dass die AfD das Thema für sich ausschlachte und die Angst der Sparer schüre.

Die Sorge vor einem Erstarken der AfD hatte zuletzt die CDU/CSU dazu getrieben, die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank anzugreifen. Auf einen ähnlichen Effekt hoffen nun offenbar die Sparkassen, um die Regierung gegen die europäische Einlagensicherung auf ihrer Linie zu halten.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

insgesamt 174 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zeisig 06.05.2016
1. Na also.
Geht doch. Die AfD scheint so allmählich das politische Gewicht zu bekommen, das ihr gebürt.
Subco1979 06.05.2016
2. Die Protestwahl...
...scheint tatsächlich mal Erfolge zu erzielen. Auch wenn die Wähler der AfD von Lobbyisten aller Colour gerne als grundsätzlich Rechtsradikal diffamiert werden, sind die Wähler und die Leute, die in der Partei drin stecken, zu großen Teilen anderen Geistes. Oder waren X% der CDU-, Y% der SPD-, Z% der Grünen - Wähler alle samt kleine Nazis? Klingt nicht überzeugend, wer das behauptet. Ich behaupte, es handelt sich mehrheitlich um in ihren Idealen von den Parteien enttäuschte Menschen, die jetzt eben auf andere Weise versuchen, die Sache wieder ins Lot zu bringen.
RioTokio 06.05.2016
3.
Tolle Argumentation - die Banken haben Angst, dass Merkel wieder einknickt und deutsche Interessen hinter europäischen zurück stellt und die vorbildliche deutsche Einlagensicherung durch ausländische Banken plündern läßt. Weil nun die AFD die Sorgen der Banken ernst nehmen könnte und teilt, ist das schlecht und man will präventiv gegen den Zugriff Brüssels auf unser Sicherungsvermögen werben. Hauptsache die AFD bleibt politisch isoliert .... Der öffentliche Druck die AFD als "polemisch" oder "rechtsradikal" hinzustellen, ist es offenbar, was Banker zu dieser verschwurbelten Unterstützung/Nichtunterstützung der AFD Position bringt...
richandpoor 06.05.2016
4. Geht doch.
Na bitte, jetzt wachen sie endlich auf und handeln, wie sie eigentlich von sich aus handeln müssten. Die AfD hat nichts damit zu tun, die Sachlage ergibt sich von Europa her, nicht wegen der AfD. Aber gut, dass es die AfD gibt, das zeigt dieser Fall deutlich.
matimax 06.05.2016
5.
Der Euro war eine Missgeburt, weil ohne gemeinsame und BINDENDE Fiskalpolitik. Wenn deutsche Sparer demnächst endlich auch offiziell für die Ausgaben aller Anderen Euromitglieder haften, dann ist das der direkte Weg in den DEXIT, den die AFD dann gleich mit dem Euroaustritt auch noch durchsetzen wird - als Regierungspartei?! Was hat der griechische Ex-Finanzminister noch mal gesagt? Genau! - ich fürchte, er hatte vollkommen Recht... .
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.