Sparprogramm Bundesagentur für Arbeit streicht 17.000 Jobs

Die Bundesagentur für Arbeit steht vor einem Radikalumbau: Die Behörde will in den kommenden drei Jahren 17.000 Stellen in der Verwaltung abbauen. Grund ist die sinkende Erwerbslosigkeit in Deutschland.

BA-Chef Frank-Jürgen Weise: Hat sich einen Namen als harter Reformer gemacht
dapd

BA-Chef Frank-Jürgen Weise: Hat sich einen Namen als harter Reformer gemacht


Hamburg - Immer weniger Menschen in Deutschland sind erwerbslos - und mit der Zahl der Fälle sinkt auch der Verwaltungsbedarf der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dort will die Behörde nun kräftig sparen: Bis zum Jahr 2015 sollen 17.000 Stellen in der Administration abgebaut werden, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise der "Financial Times Deutschland" ("FTD"). "Das Einsparpotential wollten wir benennen, bevor jemand kommt und sagt: Ihr macht euren Job nicht", sagte Weise.

Damit konkretisieren sich die Pläne der BA, über die der SPIEGEL bereits vor Monaten berichtet hatte. Insgesamt will die Behörde laut "FTD" von 2015 an pro Jahr eine Milliarde Euro einsparen. Betriebsbedingte Kündigungen solle es aber nicht geben, hieß es.

Die Bundesagentur ist mit mehr als 100.000 Beschäftigten eine der größten Behörden Deutschlands, viele Stellen sind befristet. Allein für die Verwaltung gab die BA laut Geschäftsbericht 2010 rund 7,44 Milliarden Euro aus. Weise hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als harter Reformer gemacht - und will nun den Schwung auf dem Arbeitsmarkt nutzen, um die Behörde erneut umzubauen. Zudem scheiden aufgrund des demografischen Wandels jährlich mehr als 100.000 Personen aus dem Berufsleben aus.

Dem Behördenchef zufolge sollen einige Standorte zusammengefasst werden: "Wir werden von 176 Geschäftsstellen auf 154 gehen." Dennoch soll an allen Orten ein Standort erhalten bleiben - dazu seien jedoch flexible Lösungen notwendig. So könne sich die Geschäftsstelle beispielsweise in ländlichen Gebieten an drei Tagen in der Woche bei der Sparkasse einmieten, sagte er.

"Die persönliche Betreuung erhalten"

Ein stärkerer Personalabbau ist Weise zufolge nicht möglich. "Man hätte noch mehr rationalisieren können, aber mir ist es sehr wichtig, die persönliche Betreuung zu erhalten." Zwar gibt es mit derzeit rund 2,7 Millionen Arbeitslosen weit weniger als noch vor fünf Jahren. Wer aber in der derzeitig guten Konjunktur keinen Arbeitsplatz finde, "der hat wirklich ein Problem - wie einen fehlenden Schulabschluss oder geringe deutsche Sprachkenntnisse. Diesen Menschen zu helfen, wird für uns schwieriger und teurer", sagte Weise. Zudem wechselten Beschäftigte häufiger als früher in Arbeitslosigkeit und wieder in Jobs.

Zum Sparkurs beitragen soll außerdem die Umstellung auf elektronische Akten - allein beim Arbeitslosengeld führt die Behörde 22,2 Millionen Kundenakten. "Das wird die Sachbearbeitung wesentlich vereinfachen, weil kein Papier bewegt wird", sagte Weise. Das Projekt E-Akte wird derzeit in der Regionaldirektion Thüringen und Sachsen-Anhalt getestet. Da es um sensible Daten geht, hat die BA auch den Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar eingeschaltet.

yes/usp/dpa/AFP

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Nachteuie 20.12.2011
1. Arbeitslosigkeit war gestern?
Hallo! Also meine zuständige Agentur für Arbeit und das Jobcenter haben schon "reagiert" - die sind nur noch Montags- und Dienstagsmorgen und am Donnerstag geöffnet - total 16 h Publikumsverkehr. Wer da mal zeitnah eine Bescheinigung oder gar Beratung braucht - Pech gehabt... .Aber von Arbeitslosigkeit redet man ja heute nicht mehr - Heute ist "Fachkräftemangel" das Schlagwort! Und wer jetzt im "Superboom" noch immer als Arbeitsloser oder Hartz-IV-Empfänger auf Kosten unserer reichen "Leistungsträger" im "sozialen Netz" herumhängt der verdient auch keine Betreuung und keine Hilfe beim Suchen eines neuen Lebenserwerbs mehr - Scheinen zumindest unsere Staatslenker zu denken! Dass es in weiten Teilen unseres Landes und für viele Gruppen (Ungelernte, Behinderte, chronisch Kranke, Ältere, Alleinerziehende etc.) noch immer "dunkelschwarz" auf dem Arbeitsmarkt aussieht kümmert doch heute niemand mehr - weder in den Medien noch in der Politik. Man hat aktuell andere, viel schickere Themen. Da "haut" doch mal locker ein paar Milliarden für diesen oder jenen "Rettungsplan" raus - und bei Hartz-IV, Arbeitslosengeld und bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern wird gespart. Könnte nur sein, daß in ein paar Monaten, wenn unser angeblicher "Superboom" einer schicken netten Rezession Platz gemacht hat gerade die Kapazitäten, die man jetzt bei der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern abbauen will, dringend gebraucht werden, um dann vielleicht wieder steigende Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeiterzahlen zu bearbeiten. Aber wer denkt denn in unserer Politik schon vorrausschauend? Macht ja nichts, wenn so ein "Assi" dann halt statt wie jetzt 6 -7 Wochen dann halt mal 10 -12 Wochen auf eine Bewilligung warten muss - und wer arbeitslos ist hat ja sowieso nichts Besseres zu tun und kann sich ruhig schon mal über nacht vorm Jobcenter anstellen um am nächsten Tag kurz vor Dienstschluss noch einen Gesprächstermin zu kriegen.... Hauptsache unsere Banken werden gerettet und der Euro bleibt schön stabil damit die Milliarden auf den schweizer Schwarzgeldkonten, die Fondsbeteiligungen und die Aktienportfolios nicht zuviel von ihrem Wert verlieren.......
wika 20.12.2011
2. Noch bessere Lösungen …
… letztlich wechseln ja die 17.000 Stellen auch nur die Seite am Tresen, bisher dahinter, dafür dann die gleiche Anzahl wieder als Kunden mehr. Viel beachtlicher finde ich da einen Ansatz der die Zahl der Bedürftigen deutlich reduzieren würde, dem Staat Unmengen an Geld in die Kassen bringt und dazu noch die Finanzkrise löst. Nur dieser Ansatz wird scheinbar nicht ernsthaft verfolgt: *BfA will Banken-Gründungswelle in Deutschland* (http://qpress.de/2011/09/17/bfa-will-banken-grundungswelle-in-deutschland/) … schade eigentlich, denn wenn man den Vorschlag mal ernsthaft durch kalkuliert, dann macht der in jeder Hinsicht Sinn. Offenbar gibt es nur eine kleine Gruppe die sich gegen diese Banken-Gründungswelle durch Hartz IV Bezieher und Arbeitslose wehrt, aber die Gruppe scheint irgendwie übermächtig zu sein. Schade, sonst hätten wir gleich alle Probleme auf einen Schlag gelöst … (°!°)
grishend 20.12.2011
3. ...
und immer schön das system am laufen halten, hm? ^^
antilobby 20.12.2011
4.
Hoffentlich werden die Stellen wirklich in der Verwaltung abgebaut und nicht an dem Kundenfront.
autocrator 20.12.2011
5. sumpf
wenn man einen sumpf trockenlegen will,darf man bekanntlich nicht die frösche fragen. In diesem fall wäre es aber wohl angebracht: Man frage einmal die einfachen sachbearbeiter, was die vom "rückgang der erwerbslosenzahlen" halten. Fakt ist: sie sind nicht wirklich zurückgegangen. Entweder sind die zahlen massiv schöngerechnet, oder, wie im artikel beschrieben, die menschen pendeln zwischen arbeit-haben und erwerbslossein hin und her. - Und jedesmal gibt es einen gigantischen verwaltungsaufwand,der von vorne betrieben wird. Und von einer "individuellen betreuung" ... träumt herr Weise wohl nachts. Fakt ist: die findet schlicht nicht statt. Im gegenteil, daswird alles ausgelagert, und zu aberwitzigen preisen extern wieder eingekauft - hauptsache man hat eine angeblich schlanke behörde! Weise bastelt hektisch seine behörde den jeweils unsinnigen vorgaben aus politik und verwaltungsgerichtsrechtsprechung mehr schlecht als recht nach, - von einer zielführenden, sachgerechten, sinnvollen, den eigentlichen erfordernissen entsprechenden, durchorchestrierten reform ist das amt und seine komplette führungsriege lichtjahre entfernt. Wie diese i.m.h.o. auszusehen hätten ... ich hätte da einige ideen, so ist es nicht, aber im gegensatz zu herrn Weise werde ich nicht dafür bezahlt, mir da gedanken zu machen oder etwas auszuarbeiten ... und anderer leute job mache ich nicht.
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