Sparprogramm Griechen sollen Krisen-Soli zahlen

Sparen bis zum Umfallen: Unter dem Druck aus Berlin und Brüssel schnürt das klamme Griechenland sein nächstes Paket aus Steuererhöhungen und Sozialkürzungen - inklusive Krisen-Soli. Die Statistik zeigt, dass wohl auch die deutsche Wirtschaft darunter leiden wird.

Proteste in Athen: Es wird noch schlimmer kommen
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Proteste in Athen: Es wird noch schlimmer kommen


Athen/Wiesbaden - Schon jetzt ächzen die Griechen unter der Rezession und den Kürzungsprogrammen ihrer Regierung. Doch die kommenden Jahre dürften noch deutlich härter werden. Das zeigen die ersten Eckpunkte des neuen Sparpakets, das die griechische Regierung zusammen mit der EU, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank(EZB) ausgearbeitet hat:

  • Demnach sollen die meisten Griechen für die nächsten vier Jahre eine Solidaritätssteuer zahlen, wie das staatliche Fernsehen berichtet.
  • Zudem soll die Kfz-Steuer um zehn Prozent erhöht werden.
  • Freiberufler wie Rechtsanwälte sollen zusätzlich zu den bislang berechneten Steuern je nach Einkommen zwischen 100 und 300 Euro jährlich zahlen.
  • Die Heizölsteuern sollen um fünf Cent erhöht werden.
  • Auch bei den Sozialleistungen schlägt die Regierung zu. So soll der Teil der Renten, der 1700 Euro übertrifft um zehn Prozent gekürzt werden; Zuschüsse für viele Staatsbedienstete sollen völlig abgeschafft werden. Die Regierung plant zudem, die Zahl der Beamten drastisch zu reduzieren.

Das neue Sparprogramm wurde am Mittwoch vom griechischen Kabinett beschlossen und soll kommende Woche vom Parlament gebilligt werden. Die Annahme der rigorosen Maßnahmen ist Voraussetzung für weitere Hilfen aus der EU. Vor allem Deutschland pocht darauf. Ohne Sparprogramm werde es keine neuen Hilfen für Griechenland geben.

Dabei zeigen die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, dass auch Deutschland unter der Rezession und den Sparprogrammen in Griechenland leidet. Demnach sind die deutschen Exporte nach Griechenland bereits im vergangen Jahr drastisch eingebrochen. So kauften die Griechen 2010 nur noch deutsche Waren im Wert von rund 5,9 Milliarden Euro - ein Minus von 10,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Einbruch ist umso bemerkenswerter, da der deutsche Export in die EU insgesamt um 15,5 Prozent angezogen hat. Mit einem Anteil von 0,6 Prozent an den Gesamtexporten spielt Griechenland allerdings nur eine untergeordnete Rolle für den deutschen Außenhandel.

stk/dpa-AFX/AFP/Reuters

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webersi 22.06.2011
1. Petitessen
Deutsche Unternehmen liefern in mehr als 200 Länder weltweit. Der Exportüberschuss betrug 2009 138 Mrd Euro. Der Export zum grössten Handelspartner Frankreich 81 Mrd Euro. Griechenland ist mit den Exporten an 23. Stelle. Also wirklich untergeordnet. Natürlich wird sich das auf den Export dorthin auswirken. Aber immerhin hat Griechenland bei 6,6 Mrd Euro Exporten ein Aussenhandelsdefizit mit Deutschland von 4,8 Mrd. Das heisst, es wird überwiegend auch nur auf Pump geliefert. Jede Ware, die auf Pump ins Ausland geht, trägt nichts zum Wohlstand hier bei, weil kein entsprechender realer Gegenwert reinkommt. Im Endeeffekt werden Exportüberschüsse aus der Sparquote finanziert und gehen zu Lasten der Investitionen im Inland. Es ist unter diesen Umständen begrüssenswert, dass die Energiewende wohl ein Feld für die Tätigung von Investitionen hierzulande geschaffen hat. Das Einsparen von Energie macht sich langfristig wohl mehr bezahlt, als in andere Länder zu liefern, ohne gegenwärtige Aussicht auf entsprechende Gegenlieferungen. Unter diesen Umständen macht es auch Sinn, den Griechen etwas Sonnenenergie abzuzapfen, wenn es technisch und wirtschaftlich realisierbar wäre.
weltbetrachter 22.06.2011
2. SOLI - warum nicht
Uns hat vor 20 Jahren auch niemand gefragt, ob wir den SOLI-Aufbau-OST haben wollen oder nicht. Der sollte ja auch wohl nur 3 Jahre befristet sein. Daraus sind nun 20 Jahre geworden und es werden noch ein paar Jahre mehr. . Die Griechen sollen also ruhing auch über einen Zeitraum zwischen 20 und 30 Jahren einen SOLI bekommen und genauso brav einzahlen wie wir das heute auch noch tun.
Europa! 22.06.2011
3. Klingt doch alles sehr vernünftig
Und wenn die griechische Handelsbilanz etwas ausgeglichener wird, ist das nur zu begrüßen. Export ist schließlich kein Selbstzweck.
Frau Dr. Tzatziki 22.06.2011
4. Griechische Geduld hat Grenzen
Zitat von sysopSparen bis zum Umfallen: Unter dem Druck aus Berlin und Brüssel schnürt das klamme Griechenland sein nächstes Paket aus Steuererhöhungen und Sozialkürzungen - inklusive Krisen-Soli. Die Statistik zeigt, dass wohl auch die deutsche Wirtschaft darunter leiden wird. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769935,00.html
Die Sparpakete werden die griechische Wirtschaft strangulieren. Eine Begleichung der Schulden wird dadurch immer unwahrscheinlicher. Was Griechenland braucht, ist ein Marshallplan. Als Deutschland am Boden lag, haben die Amerikaner großzügig geholfen. Jetzt wären die Deutschen einmal an der Reihe, Solidarität zu zeigen. Wir Griechen warten. Aber unsere Geduld hat auch Grenzen.
märzwiedermonat 22.06.2011
5. für was
die medien berichten: D: 2 Billionen Schulden... bald soweit wie Griechenland, nein noch schlimmer verschuldet, wie Griechenland. Okay Jetzt wird es geschmeidig: Sparer, Gewinnler usw.... über 5 Billionen sind in meinem, diesem, unserem Ländle. Na und! Gebt den Griechen das Geld und fertig. Medien! Politiker usw.: Ihr geht mir nur noch auf den Geist. Bin mal gespannt, ob mein Posting freigeschaltet wird.
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