Coronapandemie Sparquote der Deutschen steigt im Shutdown auf Rekordhoch

In der Coronapandemie haben die Menschen in Deutschland rund 100 Milliarden Euro mehr gespart als in normalen Jahren. Einen Teil davon dürften sie nun bald ausgeben.
Fußgängerzone in Düsseldorf: Langsam kehrt Leben zurück

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Foto: Michael Gstettenbauer / imago images

Durch die Coronapandemie waren Restaurants und Geschäfte geschlossen, viele Urlaubsreisen entfielen oder fanden zumindest deutlich kleiner statt. Wie sehr sich das auswirkt, zeigen nun aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts .

Wegen fehlender Konsummöglichkeiten haben demnach die Menschen in Deutschland so viel Geld beiseitegelegt wie noch nie, die Sparquote der privaten Haushalte schnellte im ersten Quartal auf den Rekordwert von 23,2 Prozent. Zum Vergleich: Im Schnitt der vergangenen zwei Jahrzehnte lag die Quote – also der gesparte Anteil am verfügbaren Einkommen – zwischen neun und elf Prozent.

Konsum bricht um 5,4 Prozent ein

Die Statistiker teilten mit: »Das relativ stabile Einkommen einerseits und die Konsumzurückhaltung andererseits führten wie schon in den drei vorangegangenen Quartalen dazu, dass die privaten Haushalte während der Coronakrise erheblich mehr sparten.«

Dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zufolge haben die deutschen Privathaushalte so allein im vergangenen Jahr rund 100 Milliarden Euro mehr gespart, als das ohne Pandemie der Fall gewesen wäre. Besonders in der bevorstehenden zweiten Jahreshälfte dürften viele Haushalte diese aufgestaute Nachfrage nachholen, erwartet IMK-Direktor Sebastian Dullien. »Ein Teil davon dürfte dann in zusätzlichen Konsum fließen.«

Die von staatlichen Hilfen gestützte gute Einkommensentwicklung zeigt laut DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle, dass der Konsumeinbruch im ersten Quartal – minus 5,4 Prozent im Vergleich um Vorquartal – vor allem auf mangelnde Möglichkeiten zum Geldausgeben zurückzuführen ist. Durch Lockerungen könnten einige Ausgaben nachgeholt werden. Er warnt aber auch: »Allerdings könnte ein Teil davon infolge des ferienbedingten Reiseverkehrs ins Ausland getragen werden.« Experten sehen insgesamt Konsum und Wirtschaft aber wieder im Aufwind. »Für das laufende Quartal ist bereits wieder mit einem Plus beim Privatkonsum und einem spürbaren Zuwachs im Bruttoinlandsprodukt zu rechnen«, sagt Dullien.

Allerdings droht das Polster, das sich manche nun angelegt haben, in Zeiten von Niedrig- oder Negativzinsen künftig schneller an Wert zu verlieren. Denn nicht nur in den USA, auch in Deutschland hatte die Inflation zuletzt bereits kräftig zugelegt. Im April erreichte sie erstmals seit zwei Jahren die von der Europäischen Zentralbank angestrebte Marke von zwei Prozent – Experten rechnen damit, dass sie bis Jahresende auf vier Prozent steigen könnte.

apr/Reuters
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