Nahles über Pflegeversicherung  "Wir müssen das System umdrehen"

Die SPD pocht auf eine Reform der Finanzierung der Pflegeversicherung: Parteichefin Nahles warnt, dass vielen Menschen sonst das Ersparte eines ganzen Lebens innerhalb weniger Jahre auf Null schrumpfe.

SPD-Chefin Andrea Nahles
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SPD-Chefin Andrea Nahles


Die SPD dringt weiter auf eine Finanzreform bei der Pflegeversicherung. "Wir müssen das System umdrehen. Der Eigenanteil muss gedeckelt werden, alle künftigen Kostensteigerungen müssen dann von der Pflegeversicherung bezahlt werden", sagte Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles der "Bild am Sonntag".

Der Eigenanteil schwanke erheblich von Region zu Region. Die Pflege in Hamburg sei teurer als in Sachsen-Anhalt. "Wir wollen deshalb keinen bundesweiten Festbetrag, sondern den Status quo festschreiben. Damit jeder Pflegebedürftige sicher sein kann, dass es für ihn nicht teurer wird."

  • Pflegebedürftige oder Angehörige müssen einen Eigenanteil leisten, weil die Pflegeversicherung - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil der Kosten trägt.
  • Selbst bezahlt werden müssen neben einem Eigenanteil für die Pflege an sich zum Beispiel auch Unterkunft und Verpflegung im Pflegeheim.
  • Längerfristig sind unter anderem steigende Beiträge und höhere Eigenanteile möglich, denn mehr Menschen müssen gepflegt werden.
  • Die SPD hatte zuletzt eine Diskussion über Steuermittel für die Pflege gefordert.

Nahles sagte, es gehe darum, "die Kosten fair zu verteilen". Sie warnte, dass das aktuelle System so nicht mehr lange funktioniere.

"Viele Menschen haben Angst, dass ihnen die Pflegekosten über den Kopf wachsen oder dass das gesamte Ersparte eines ganzen Lebens innerhalb von zwei Jahren auf Null schrumpft, weil es für den Eigenanteil der Pflege draufgeht."



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dop/dpa



insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
new#head 07.04.2019
1.
Schön Frau Nahles, gute Idee. Jetzt fehlt eine gute Lösung. Ich schlage vor, die Pflege noch weiter zu privatisieren und zum einträglichen Geschäft für profitorientierte Uternehmen zu machen. Oder der Staat wird seiner Aufgabe gerecht, übernimmt die Verantwortung für seine alternden und Pflegebedürftigen Bürger. D.h. solche sozialen Aufgaben gehören als Non Profit Gesellschaften in die öffentliche Hand. Dazu müsste man dort aber lernen, leistungsorientiert und kostenorientiert zu arbeiten.
Harry1 07.04.2019
2. Ich finde es Klasse
dass dei SPD nach so vielenJahren zu ihren Wurzeln zurückkehrt und sich um Sozialpolitik kümmert. Leider zu spät!
der_sinnlose 07.04.2019
3. wie immer dreht Nahles am falschen Rad
das betrifft im Grunde nur Mitmenschen die in die Vollpflege im Heim leben. Schwerstpflegebedürftige. Den kann herzlich egal sein was mit dem Angesparten passiert. Sie werden von dem Geld wohl kaum Immo0bilien kaufen, Weltreisen machen oder es verkonsumieren. Die vererben das Geld allerhöchstens. Oft fliesst auch das an den Staat weil gar keine Erben vorhanden sind. Wen man wirklich schützen muss sind die Angehörigen die oft einen nicht unerheblichen Teil der Pflegekosten über ihre Arbeit und ihr Vermögen zwangsfinanzieren müssen. Und zwar unabhängig davon ob man sich die vergangenen 50 Jahre gegenseitig auf Fell schauen konnte. Hier hat man zwar erkannt das es nicht sinnvoll ist die Angehörigen bis aufs Existensminimum auszubeuten und hat die Zahlungen angepasst. Allerdings bewegen sie sich immer noch für den einzelnen an der individuellen Schmerzgrenze. Die Abgaben sind gerade so hoch das es sich nicht lohnt den eigenen Job an den Nagel zu hängen im Gegensatz zum Kindesunterhalt. Hier hat der Gesetztgeber das noch immer nicht kapiert. Wenn Nahles was bewegen will soll sie für die zahlenden Angehörigen etwas machen. Die müssen uU. über 10-15 Jahre fast alles überschüssige Geld abgeben. Man zerstört in weiten Teilen deren Lebensplanung. Der dementen Oma im Pflegemheim ist absolut egal was mit ihrer Kohle passiert. Aufwachen Frau Nahles! Es gibt auch ein Leben ausserhalb des SPD-Universums.
telarien 07.04.2019
4. Liebe SPD
Ihr seid doch schon gefühlte Jahrzehnte in der Groko Regierung. Was hat Euch denn bisher aufgehalten?
erwinjava 07.04.2019
5. Richtig, es wird Zeit
Hier kann man Frau Nahles nur Recht geben. Wenn jemandunverschuldet von einem Schicksalsschlag getroffen und zum Pflegefall werden, hat er genau so den "Respekt" verdient wie ein 65jähriger, der bei Renteneintritt plötzlich feststellt, dass etwas in seinem Leben schief gelaufen ist und seine Rente nicht reicht. Derjenige, der unverschuldet vom Schicksal getroffen und gepflegt werden muss, kann heute in den Ruin getrieben werden. Falls er solide vorgesorgt hat für das Alter, wird das Sozialamt seine finanziellen Verhältnisse erbarmungslos durchleuchten - alle Finanzvorgänge der letzten 10 Jahre, auch innerhalb der Familie, müssen nachgewiesen und begründet werden. Als Vermögen bleiben lediglich 5000 Euro auf dem Sparbuch, für die Beerdigung. Sollten auch die Kinder solide leben und etwas Geld haben, so werden auch sie durchgecheckt und herangezogen. Hier sollte dringend der Selbstbehalt angehoben werden, damit diesen Familien nicht die Lebensleistung und die Würde zerstört wird. Bei der "Respektrente" will die SPD auf eine Bedürftigkeitsprüfung verzichten, im Pflegefall müssen die Betroffenen neben den psychischen Belastungen durch die Krankheit unter Umständen auch noch Behördenwillkür durchleiden.
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