Haushalt Bürger spenden Staat Rekordsumme zum Schuldenabbau

Für manche Bürger endet die Liebe zum Staat nicht beim eigenen Konto: Noch nie hat der deutsche Staat so viel Spenden zur Schuldentilgung wie im laufenden Jahr registriert.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD)
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Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD)


Bürger haben dem deutschen Staat in diesem Jahr eine Rekordsumme für den Schuldenabbau geschenkt. Auf dem Schuldentilgungskonto des Bundes gingen bis Anfang Dezember mehr als 600.000 Euro ein, wie aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht, die der Nachrichtenagentur AFP am Samstag vorlag. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.

Vom 1. Januar bis zum 6. Dezember gingen knapp 610.000 Euro in 150 Überweisungen auf dem Konto ein. Fast die gesamte Summe floss im Mai, als 600.218 Euro überwiesen wurden. Die bis dato höchste Jahressumme seit Einrichtung des Kontos 2006 war 2017 mit gut 144.000 Euro erreicht worden. Die Summe für 2018 übersteigt sämtliche von 2006 bis 2017 gezahlten Beträge, die sich auf insgesamt knapp 555.000 Euro beliefen.

Das eingezahlte Geld ist allerdings nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung schuldeten ihren Geldgebern Ende September 1,93 Billionen Euro. Davon entfielen auf den Bund 1,23 Billionen.

FDP zeigt sich erfreut

Das Schuldentilgungskonto war im Jahr 2006 "auf vielfachen Wunsch von engagierten Bürgerinnen und Bürgern" eingerichtet worden, wie es in dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums heißt. Werbung für das Konto gibt es demnach nicht. Wer einzahlt, bekommt weder ein Dankesschreiben noch eine Spendenquittung. Die Überweisungen können nicht von der Steuer abgesetzt werden, denn sie dienen laut dem Ministerium "nicht gemeinnützigen Zwecken im steuerlichen Sinne".

Der Finanzexperte der FDP-Fraktion, Markus Herbrand, lobte das finanzielle Engagement der Bürger. Hier zeige sich, "wie wichtig vielen Menschen im Gegensatz zur Großen Koalition die Generationengerechtigkeit ist", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Die Regierung will trotz komfortabler Haushaltslage ohne Neuverschuldung weiterhin Bürgergeld zur Schuldentilgung sammeln: Aktuell gebe es keine Überlegungen, das Konto aufzulösen, heißt es im Schreiben des Bundesfinanzministeriums.

nis/afp



insgesamt 67 Beiträge
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derjuergie 22.12.2018
1. Dann müsste
ich ja den Schuss nicht gehört haben dem Finanzminister Geld zur Schuldentilgung zu überweisen. Wie auch beschrieben ist es Tropfen auf den heißen Stein der dort eingegangen ist. Der Scholz grinst sich trotzdem ins Fäustchen über die naiven Spender. Statt eines Spendenkontos sollte lieber eine "Vorschlagliste" veröffentlicht werden in die besorgte Bürger Vorschläge zur Reduzierung unnützer und durch inkompetenz verursachte Staatsausgaben (Steuerverschwendung) eintragen können. Wieviele Milliarden Jahr für Jahr in diesem Land verbrannt werden und niemand dafür gerade stehen muss, Stichwort Steuerschlupflöcher, läßt sich nur erahnen. Frohe Weihnachten
Chrisp 22.12.2018
2. wie oekonomisch ahnungslos muss man sein...
wie oekonomisch ahnungslos muss man sein wenn man so was tut? leute, spendet euer geld fuer was sinnvolles, kinder in afrika, tierwaise, fluechtlinge, oder gebt es fuer irgendetwas aus, aber fuer die schulditilgung, seriously?
tim.uhl1977 22.12.2018
3. Warum?
Warum spenden Bürger Geld zum Schuldenabbau? Das ist Aufgabe des Staates und nicht seiner Bürger. Oder gibt es dafür eine große Spendenquittung? Dann relativiert es sich ja nochmal. Armseliges Deutschland, das angeblich so reich ist
Msc 22.12.2018
4.
Keine Neuverschuldung bedeutet Schuldenabbau. Kredite haben eine Laufzeit und Tilgungsraten. Diese werden bedient. Jedes Jahr ohne NEUverschuldung werden Schulden abgebaut.
Ralf U. 22.12.2018
5. 0,00005 %
sind das. Jeder Bürger sollte 25.000,- Euro spenden. Dann wären die Schulden weg. Man kann von seinem Geld aber auch einfach einkaufen gehen. Davon landet im Schnitt auch über die Hälfte in der Staatskasse.
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