SPON-Umfragen Mehrheit hält wirtschaftliche Erfolge für unfair verteilt

Wie gerecht geht es in Deutschland zu? Wer profitiert von den wirtschaftlichen Erfolgen? Die Ergebnisse unserer Umfragen zeigen ein großes Unbehagen - und klare Unterschiede zwischen Wählergruppen. Ein Beitrag zur Themenwoche "Soziale Gerechtigkeit"
Fest bei Cartier in München (Archivbild)

Fest bei Cartier in München (Archivbild)

Foto: imago

Deutschland steht insgesamt blendend da - dafür spricht vieles: Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordtief, so viele Menschen wie nie haben einen Job, der Bundesfinanzminister frohlockt über seine schwarze Null und die Steuereinnahmen sollen auch in der nächsten Zeit weiter sprudeln.

Doch wo kommt dieser Boom an? Haben die Bürger in Deutschland den Eindruck, dass sie Teil dieses Daueraufschwungs oder nur Zuschauer sind?

Wir wollten es genauer wissen und haben Sie um Ihre Meinung gebeten. Die repräsentativen Ergebnisse sind auf den ersten Blick eindeutig: Mehr als 70 Prozent der Befragten zweifeln daran, dass die wirtschaftlichen Erfolge gerecht verteilt werden. Weitere neun Prozent sind unentschieden.

Das Ergebnis offenbart: Viele Menschen fühlen sich nicht als Profiteure der guten Lage oder glauben zumindest, dass es andere nicht sind. Wie das trotz Aufschwungs zusammenpasst und wie man das Problem löst, beschäftigt im Jahr der Bundestagswahl auch die Parteien, die das Thema Soziale Gerechtigkeit zu einem zentralen gemacht haben. (Was die Spitzen der Parteien für mehr Gerechtigkeit angehen wollen, haben Sie uns hier gesagt.)

Ein Erklärungsansatz für den Widerspruch sind die großen Reformen nach der Jahrtausendwende unter der Regierung von Gerhard Schröder (SPD), die beispielweise den Aufbau eines großen Niedriglohnsektors erst möglich gemacht haben. Jeder fünfte Arbeitnehmer zählt heute zu den Geringverdienern - und damit kaum zum Profiteur des wirtschaftlichen Aufwinds.

Der Eindruck von einem ungerechten Aufschwung zieht sich keinesfalls gleichmäßig durch die Gesellschaft, wie die SPIEGEL-ONLINE-Umfrage weiter zeigt. Besonders deutlich wird das im Vergleich der Wählergruppen: Unter den Anhängern der Union und der FDP hält mehr als jeder vierte Befragte die Erfolge für gerecht verteilt, unter den Wählern der Linken sind es gerade einmal zwei Prozent.

Auch zu arbeitsmarktpolitischen Reformen und Instrumenten wollten wir Ihre Meinung wissen. Wie bewerten Sie die Agenda 2010 insgesamt, die Einführung von Hartz IV und Zeit- und Leiharbeit als Form der Beschäftigung? Die repräsentativen Ergebnisse fallen überwiegend kritisch aus, insbesondere zur Zeitarbeit. Mehr als 70 Prozent der Befragten beurteilen diese als "negativ". Etwas größer ist die Zustimmung zu Hartz IV und zur Agenda 2010 insgesamt.

Die Ergebnisse der Umfragen sind auch in die ZDF-Dokumentation "Neues Wirtschaftswunder - Wer gewinnt beim Aufschwung?" eingeflossen. Die Dokumentation entstand in Kooperation mit SPIEGEL TV und läuft am 1. August 2017 ab 21 Uhr auf dem Sendeplatz des ZDF-Politmagazins "Frontal 21".

SPIEGEL TV

Im Wahljahr befragen SPIEGEL ONLINE und Civey regelmäßig Leserinnen und Leser zu aktuellen politischen und wirtschaftspolitischen Themen. Wie das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet, erfahren Sie hier.

che/yes
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