Staatliche Unternehmensbeteiligungen Was vom Tafelsilber übrig ist

In den Jamaika-Verhandlungen will FDP-Chef Lindner den Verkauf von Staatsbeteiligungen zum Thema machen: Post, Telekom oder Commerzbank. Welche Anteile könnte der Bund zu Geld machen? Der grafische Überblick.

Gelbe Telefonzellen der Deutschen Bundespost im Jahr 1985
DPA

Gelbe Telefonzellen der Deutschen Bundespost im Jahr 1985


Noch war das deutsche Tafelsilber in den Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition kein großes Thema, doch das dürfte sich ändern: FDP-Chef Christian Lindner hatte schließlich schon im Wahlkampf gefordert, Bundesbeteiligungen an großen Unternehmen wie der Post, der Deutschen Telekom oder der Commerzbank zu verkaufen - und will dies auch in den Jamaika-Gesprächen auf die Agenda setzen.

Doch wie viel hat der Staat überhaupt noch? Die Grafik von SPIEGEL ONLINE und Statista zeigt die wichtigsten Beteiligungen des Bundes.

Grafik Bundesbeteiligung
Statista/SPIEGEL ONLINE

Grafik Bundesbeteiligung

Ganz vorne stehen dabei die Deutsche Bahn und die Bundesdruckerei, die als einzige große Blöcke noch komplett im Bundesbesitz sind. Bei beiden Unternehmen sind Privatisierungsversuche in der Vergangenheit kläglich gescheitert.

Andere Unternehmen haben zumindest einen Teilverkauf schon hinter sich. So wurden in den Neunzigerjahren aus der Bundespost die Deutsche Telekom Chart zeigen und die Deutsche Post Chart zeigen AG. Trotzdem hält der Bund noch immer große Unternehmensteile an diesen Konzernen. Bei der Telekom etwa sind es knapp 32 Prozent, die aktuell an der Börse rund 23 Milliarden Euro wert sind. Die 21 Prozent, die der Bund an der Post besitzt, würden rein rechnerisch etwa zehn Milliarden Euro bringen.

Doch ganz so einfach ist es mit der Privatisierung nicht. Denn die Frage ist auch immer: Wer kauft solch große Aktienpakete und wird damit zum beherrschenden Anteilseigner? Bei der Telekom zum Beispiel geht es immerhin auch um die Kontrolle über das größte Telefon- und Datennetz Europas (eine Analyse dazu lesen Sie hier bei SPIEGEL Plus).

Noch schwieriger ist es im Fall der Commerzbank Chart zeigen. Hier hält der Bund über den Bankenrettungsfonds noch gut 15 Prozent, die aktuell 2,3 Milliarden Euro wert wären. Das Problem: Der Staat hat seinerzeit viel mehr dafür bezahlt. Der Verkauf wäre also ein Verlustgeschäft - weshalb es auch ein möglicher FDP-Finanzminister damit sicher nicht allzu eilig haben dürfte.

stk/apr



insgesamt 66 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
UnitedEurope 11.11.2017
1.
Man muss die Anteile nicht erhöhen, aber auch nicht verringern. Ich fühle mich unwohl bei den Gedanken das solche wichtige Branchen wie Fernmelde, Logistik, Verteidigung oder Energie in nicht-europäischer Hand sind.
Markus Frei 11.11.2017
2. Super
Also besonders die 26% am Flughafen Berlin-Brandenburg könnte man doch verkaufen. Mit viel Glück findet sich jemand der da 1 € für bezahlt.
isi723 11.11.2017
3. die FDP hat nichts dazu gelernt
es war scheinbar gut, dass die FDP die letzten Jahre nicht im Bundestag vertreten war. Es ist unverständlich, wenn der Bund weitere Teile des "Tafelsilbers" für kurzfristige Effekte z.B. Entfall Soli verkaufen würde. Der Staat braucht Zugriffsmöglichkeiten um seine Lenkungsfunktion ausüber zu können insbesondere bei Verkehr etc. Und der Kurs der Commerzbank müsste - glaube ich - auf das Doppelte steigen, damit der Bund keine Verluste machen würde, dann allerding könnte der Bund hier aussteigen.
vitalik 11.11.2017
4.
Warum soll der Bund die Beteiligungen verkaufen? Der Bund hat so viele Löcher zu stopfen, dass die einmaligen Einnahmen von 20-30 Milliarden so schnell weg sind, dass man im nächsten Jahr sich nicht mehr erinnern kann, wo die Kohle hingeflossen ist.
luny 11.11.2017
5. Toll
Good Evening, der F.D.P.-Chef wird seinem Ruf gerecht und will alles verhökern, was nicht niet- und nagelfest ist. In der letzten Legislaturperiode vermißte niemand die F.D.P. Dabei hätte es bleiben sollen. Die F.D.P.-Doktrin, alles zu privatisieren, was möglich ist, führt direkt ins Desaster. Krankenhäuser, der öffentliche Verkehr, Schulen, Unis etc. sind alles Bereiche, die KEINEN Profit machen müssen. Sie dienen der gesundheitlichen Grundversorgung, den Pendlern, dem Bildungsauftrag. Der F.D.P. und den GRÜNEN wünsche ich NEUWAHLEN, auf daß sie unter die 5%-Hürde fallen. Es ist nicht zu fassen, was sich diese MINI-Parteien herausnehmen. LUNY
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.