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31. Juli 2014, 15:57 Uhr

Staatspleite

Hedgefonds verteidigt Vermittler gegen Argentiniens Kritik

Argentinien hat den Vermittler nach den gescheiterten Gläubiger-Verhandlungen scharf angegriffen. Ein Hedgefonds kontert auf SPIEGEL ONLINE: Daniel Pollack habe "kreative Lösungsvorschläge" unterbreitet.

Buenos Aires/New York - 18 Stunden lang haben sie verhandelt, Argentinien und seine Gläubiger - genutzt hat es nichts. Seit Mitternacht Ortszeit ist Argentinien zahlungsunfähig. Verhandlungsort war ein Büro in einem New Yorker Wolkenkratzer, dort residiert Daniel Pollack. Der Wall-Street-Anwalt fungierte in dem Streit als gerichtlich bestellter Vermittler.

Am Tag nach dem Scheitern der Verhandlungen ist nun Streit ausgebrochen über die Rolle des Vermittlers. Der argentinische Kabinettschef Jorge Capitanich bezeichnete Pollack vor der Presse in Buenos Aires als "inkompetent".

Unterstützung erhält der Anwalt hingegen von Argentiniens Gläubigern. "Der Vermittler hat während der Verhandlungen eine ganze Reihe kreativer Lösungsvorschläge unterbreitet, von denen viele für uns akzeptabel gewesen wären", sagte ein Sprecher des US-Hedgefonds NML Capital zu SPIEGEL ONLINE. NML gehört Elliott Associates, dem Fonds des bekannten Investoren Paul Singer. "Argentinien hat sich geweigert, irgendeinen davon in Betracht zu ziehen und sich stattdessen entschieden, in die Zahlungsunfähigkeit zu gehen."

Kabinettschef: Geld von Richter in New York fordern

Die Elliott-Tochter NML gehört zu einer Gruppe von Gläubigern, die auf eine fristgerechte Auszahlung von 1,33 Milliarden Dollar samt Zinsen pochten. Das verweigerte Argentinien mit Verweis auf die große Mehrheit der Gläubiger, die im Zuge der Staatspleite von 2002 auf einen beträchtlichen Teil ihrer Forderungen verzichtet hatten.

Obwohl es in dem Streit mit den Hedgefonds nur um eine relativ geringe Summe ging, hat die gescheiterte Schlichtung weitreichende Folgen: Durch Anordnung des Richters Thomas Griesa dürfen vorerst alle übrigen Gläubiger nicht ausbezahlt werden. Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicillof verwies vor Reportern darauf, dass die fällige Zinszahlung für die Anleihenbesitzer geleistet worden sei, die den Schuldenschnitt akzeptiert hatten. Diese haben jedoch kein Geld gesehen. Die entsprechende Summe in Höhe von 539 Millionen Dollar wurde auf Anordnung des New Yorker Richters auf dem Konto eines Treuhänders eingefroren.

Kabinettschef Capitanich bezog sich am Donnerstag auf diese Anordnung, als er die Gläubiger dazu aufrief, ihr Geld bei Richter Griesa einzufordern. Argentinien sei nicht zahlungsunfähig, beharrte Capitanich. Zudem werde das Land seine Politik fortführen, die derzeitige Rezession mit Stimulationsprogrammen für die Wirtschaft zu bekämpfen.

fdi/Reuters

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