Staatspleite Argentiniens US-Richter Griesa kritisiert "Halbwahrheiten"

Er urteilte gegen Argentinien und für die Hedgefonds - nun legt US-Bundesrichter Griesa nach: Die Regierung um Präsidentin Fernández Kirchner verbreite Falschmeldungen über seine Zahlungsbereitschaft.

Zeichnung von Griesa im Gerichtssaal: "Irreführende Informationen stoppen"
REUTERS

Zeichnung von Griesa im Gerichtssaal: "Irreführende Informationen stoppen"


New York - Einen Tag nach der Staatspleite Argentiniens hat der US-Richter Thomas Griesa die argentinische Regierung in einer Anhörung scharf kritisiert und ihr vorgeworfen, "Halbwahrheiten" zu verbreiten.

Der New Yorker Bundesrichter hatte Argentiniens Staatsbankrott mitverursacht: In einem Urteil hatte er den südamerikanischen Staat dazu verurteilt, zwei US-Hedgefonds Schulden mit dem Nennwert von 1,33 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro) zurückzuzahlen, und dem Staat untersagt, seine restlichen Gläubiger auszuzahlen, bevor die Forderungen der Hedgefonds nicht bedient wurden.

Griesa forderte nun von den Anwälten Argentiniens, "Schritte zu unternehmen, um irreführende Informationen von Seiten der Republik (Argentinien - d. Red.) zu stoppen". Er spielte auf Aussagen argentinischer Regierungsvertreter an, die wiederholt behauptet hatten, ihr Land komme allen Verpflichtungen als Schuldner nach.

Argentinien argumentiert, dass es die 539 Millionen Dollar, die aktuell fällig wurden, fristgerecht bei der Bank of New York Mellon hinterlegt habe. Tatsächlich hat Argentinien aber nur das Geld aufgebracht, dass es den Gläubigern schuldet, die 2005 und 2010 einen Schuldenschnitt akzeptiert hatten.

Griesa hatte die Anhörung angeordnet, um "klarzustellen, wie wir jetzt weitermachen". Der Bankrott Argentiniens "radiert die Schulden Argentiniens nicht aus und reduziert sie auch nicht".

ade/Reuters

insgesamt 139 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hemtech 01.08.2014
1. Eines ist auf jeden Fall klar
Der Hedgefonds war weder an einer Kreditvergabe beteiligt noch hatte die ursprüngliche Kreditvergabe (Staatsanleihe) etwas mit dem Hedgefonds zu tun. Das Geschäftsmodell des Herrn Singer ist das einer gefräßigen Heuschrecke: marode Staatsanleihen billigst aufkaufen und auf dem Klageweg den Nennwert einklagen. Somit also ein Mehrtausendfaches einfahren, ohne jede eigene Leistung. Ich halte solche Handlungen für in höchstem Maße unseriös und unlauter. Man kann damit ganze Staaten ruinieren und es zeigt tatsächlich, wie amerikanische Richter im Sinne des ungebremsten Raubtierkapitalismus richten. Einfach beschämend! Wenn der Finanzmarkt über Staaten gebieten und sie sogar in die Pleite stürzen kann, ist etwas faul im Geldsystem. Soweit darf die Macht des Geldes nie reichen.
franko_potente 01.08.2014
2.
Zitat von sysopREUTERSEr urteilte gegen Argentinien und für die Hedgefonds - nun legt US-Bundesrichter Griesa nach: Die Regierung um Präsidentin Fernández Kirchner verbreite Falschmeldungen über seine Zahlungsbereitschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/staatspleite-argentiniens-us-richter-griesa-kritisiert-halbwahrheiten-a-984118.html
ARG behauptet die Schulden bezahlt zu haben, die NACH dem Schuldenschnitt noch fällig sind. Das stimmt auch. Bundesrichter GIRESA sieht das aber anders und negiert die Flgen eines Schuldenschnittes? Eigenartige Auffassung
AxelSchudak 01.08.2014
3. Anders ausgedrückt....
die Schuldtitel eines amerikanischen Hedgefonds, die nur zweiter Hand sind, haben Priorität vor der Rückzahlung der Schulden an andere Gläubiger, die Argentinien tatsächlich Geld geliehen haben und auf Teile dieses Geldes verzichtet haben. Er hat Argentinien untersagt, diese Gläubiger zu bedienen. Die amerikanische Justiz ist völlig moralbefreit, und im zweifelsfall streng nationalistisch. Ein "Freihandelsabkommen" mit Klagemöglichkeiten von "Investoren" gegen "investitionsfeindliche" Politik ist ist also genau das, was wir jetzt brauchen.... oder?
rkinfo 01.08.2014
4. Detroit durfte Insolvenz nach Chapter 9 machen
In den USA aber auch bei uns bedeutete Insolvenz dass ein geordneter Neuanfang machbar wird. Sicherlich hat sich Argentinien in juristische Fallen verstrickt aber nun ist eben Schluß per technischer Insolvenz. Die dortige Regierung würde sogar Insolvenzverschleppung betreiben wenn sie einfach zahlen würde.
adubil 01.08.2014
5. Staatspleite I
Zitat von sysopREUTERSEr urteilte gegen Argentinien und für die Hedgefonds - nun legt US-Bundesrichter Griesa nach: Die Regierung um Präsidentin Fernández Kirchner verbreite Falschmeldungen über seine Zahlungsbereitschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/staatspleite-argentiniens-us-richter-griesa-kritisiert-halbwahrheiten-a-984118.html
Die argentinische Regierung verbreitet Falschmeldungen über die Zahlungsbereitschaft von Richter Griesa ?? Das geht nun wirklich nicht. Wieviel muss der Richter denn blechen ??
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.