Neue Studie Deutschlands Schuldenquote droht gefährlich zu schrumpfen

Deutschlands Staatschulden könnte laut einer neuen Studie langfristig drastisch sinken - von derzeit 60 auf dann 10 Prozent der Wirtschaftsleistung. Was erst mal gut klingt, birgt auch große Risiken.
Bundesfinanzministerium in Berlin:

Bundesfinanzministerium in Berlin:

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

Wegen schwarzer Null und Schuldenbremse steht Deutschland vor einem dramatischen Abbau seiner Staatsverschuldung. Die Schuldenquote, also der Anteil der Staatsverschuldung am Bruttoinlandsprodukt (BIP), könnte auf lange Sicht von derzeit rund 60 Prozent auf 10 Prozent sinken und sich dort einpendeln, heißt es in einer noch unveröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung, die dem SPIEGEL in Auszügen vorliegt.

Voraussetzung für diesen dramatischen Rückgang sei, dass die Wirtschaft etwa so schnell wächst wie im Schnitt der vergangenen sechs Jahre und dass die Bundesregierung die Vorgabe des Grundgesetzes einhält, höchstens 0,35 Prozent des BIP an neuen Schulden aufzunehmen.

Ökonomen warnen vor einem zu radikalen Abbau der Staatsverschuldung, weil dem Finanzsektor dann sichere Anlagen ausgehen, die er für seine Geschäfte braucht, was sich negativ auf die Wachstumsrate der Wirtschaft auswirken könnte.

"Eine sehr niedrige Schuldenquote von zehn Prozent oder gar ein absoluter Schuldenabbau, wie er langfristig aus der schwarzen Null folgt, ist nach allen Studien kein erstrebenswertes Ziel der Fiskalpolitik", sagt Christian Kastrop, Direktor bei der Bertelsmann-Stiftung. Empirische Untersuchungen sprächen dafür, dass eine Schuldenquote zwischen 50 und 80 Prozent wachstumsfördernd sei.