Staatsverschuldung Griechenland zahlt Mini-Zinsen

Griechenland ist hoch verschuldet, das oppositionelle Linksbündnis Syriza fordert einen zweiten Schuldenschnitt. Für seine Kredite muss das Land einem Zeitungsbericht zufolge aber niedrigere Zinsen zahlen als Deutschland.
Griechisches Parlament in Athen: Niedrigere Zinsen als Deutschland

Griechisches Parlament in Athen: Niedrigere Zinsen als Deutschland

Foto: ARIS MESSINIS/ AFP

Frankfurt am Main - Griechenland steckt wieder tief in einer wirtschafts- und finanzpolitischen Krise: Ende Januar wird ein neues Parlament gewählt, die Arbeitslosigkeit ist weiterhin auf Rekordstand, und der Staatshaushalt ächzt unter einem Schuldenberg von mehr als 175 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Land erwirtschaftet derzeit einfach nicht genug, um diesen Berg abzutragen.

Dabei sind die Zinsen, die die Regierung in Athen auf die Staatsschulden zahlen muss, äußerst moderat, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Sie beruft sich auf den jüngsten Bericht der Geldgeber-Troika aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). Demnach zahlt Griechenland auf seine gesamte Staatsschuld nur einen Zins von 2,4 Prozent. Das ist der Zeitung zufolge weniger als in Deutschland der Bund zahlen muss, dessen ausstehende Anleihen einen Zins von durchschnittlich 2,7 Prozent ausweisen.

Tatsächlich haben die europäischen Gläubiger ihre Hilfskredite zu sehr niedrigen Zinsen vergeben, im Durchschnitt sollen sie dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge bei 1,5 Prozent liegen, bei einer Laufzeit von mehr als 30 Jahren. Inzwischen liegen der "FAZ" zufolge mehr als drei Viertel der griechischen Schulden bei öffentlichen Geldgebern und damit vor allen bei den Steuerzahlern Europas.

Trotz der Erfolgsmeldungen aus Athen über einen Primärüberschuss, also ein Plus im Staatshaushalt vor Zinszahlungen, ist das Land in seiner derzeitigen Verfassung wohl kaum in der Lage die Kredite auch bei derart niedrigen Zinsen zurückzuzahlen. Der Anführer des linken Oppositionsbündnisses Syriza, Alexis Tsipras, fordert deshalb auch einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland. Die Chancen für einen Wahlsieg der radikalen Linken sind derzeit sehr hoch, ob eine neue Regierung unter Führung der Syriza wirklich einen Schuldenerlass aushandeln kann, ist allerdings umstritten. Die Märkte scheint eine neu aufflammende Krise in Athen jedenfalls kaltzulassen.

nck
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