Stabilitätsbericht IWF warnt vor wachsenden Finanzrisiken

Die Experten mahnen die Politik zu schnellem Handeln. Der Internationale Währungsfonds sieht die Stabilität der Finanzmärkte wieder in Gefahr - die Regierungen der Industrieländer sollen konsolidieren und Regulierungslücken schließen.

Berlin/Washington - Der Internationale Währungsfonds ( IWF) beobachtet eine ungute Entwicklung: In den vergangenen Monaten hätten sich die Finanzrisiken in mehreren Ländern und Regionen wieder deutlich erhöht, schreiben die IWF-Experten in ihrem aktualisierten Bericht zur Finanzstabilität. Die großen Industrieländer vor allem in Europa sollten daher Mängel im Finanzsektor beheben.

Der IWF betont vor allem die Notwendigkeit, die Probleme rasch anzugehen: "Wegen dieser Risiken müssen die politischen Entscheider das Tempo erhöhen, um schon lange bestehende finanzielle Verwundbarkeiten (...) anzugehen, bevor sich das Fenster der Gelegenheit dafür wieder schließt", heißt es in dem Bericht.

Als Anzeichen für erhöhte Risiken nennt der Bericht fünf Punkte:

  • Die Sorgen an den Märkten über die nachhaltige Stabilität der Staatsfinanzen seien gestiegen.
  • Zudem schwinde die Unterstützung für den Reformprozess in einigen Problemländern der Euro-Zone.
  • Weiter Länder könnten von der Euro-Krise angesteckt werden.
  • Die Finanzlage der beiden großen Wirtschaftsnationen USA und Japan sei angespannt.
  • Die Niedrigzinspolitik in etlichen Ländern könnte Investoren wieder zu riskanten Anlagen verleiten.

Dem letzten Punkt widmen die Autoren besondere Aufmerksamkeit: Die Risikobereitschaft, die mit der Politik des billigen Geldes befeuert wird, könne dazu führen, dass finanzpolitische Ungleichgewichte sich verstärken, und zwar gerade in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Damit spielt der Fonds offenbar auf unerwünschte Kapitalzuflüsse in einigen Schwellenländern an, über die zum Beispiel Brasilien klagte. Von Europa fordert der Fonds, in der Euro-Krise schnell Klarheit mit Problemlösungen schaffen.

Auch in seinem aktuellen Konjunkturausblick kommt der IWF zu einer eher gemischten Aussicht: Für die Weltwirtschaft senkten die Experten ihre Wachstumsprognose im Vergleich zum April leicht um 0,1 Punkte auf 4,3 Prozent. Für die USA erwarten die Ökonomen sogar 0,3 Punkte weniger, die amerikanische Wirtschaft soll demnach in diesem Jahr nur noch um 2,5 Prozent wachsen.

Die deutsche Wirtschaft wächst dagegen fast unaufhaltsam: Der IWF erwartet eine Steigerung der Wirtschaftsleistung um 3,2 Prozent für das Jahr 2011. Damit korrigierte der IWF seine Schätzung vom April um 0,7 Prozentpunkte nach oben.

fdi/Reuters/dpa