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01. November 2018, 14:16 Uhr

Studie

Boom geht an armen Kommunen vorbei

Seit Jahren wächst die Wirtschaft und damit die Steuereinnahmen. Doch davon profitieren einer neuen Studie zufolge nicht alle: Die Kluft zwischen armen und reichen Kommunen steigt.

Vom Wirtschaftsboom in Deutschland profitieren einer Studie zufolge längst nicht alle deutschen Kommunen. Die gesamten Verbindlichkeiten der zehn Städte mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung nahmen 2017 um 0,7 Prozent zu, wie aus einer Untersuchung der Prüfungs- und Beraterfirma Ernst & Young (EY) hervorgeht.

Gerade Kommunen, die am dringendsten eine finanzielle Entlastung bräuchten, erzielten kaum oder gar keine Fortschritte. Die Kluft zwischen armen und reichen Städten sei größer geworden. So stieg die Pro-Kopf-Verschuldung beispielsweise in Mülheim an der Ruhr und Ludwigshafen.

Kommunen, denen es finanziell gutgehe, profitierten laut EY hingegen stark von der Konjunktur und den sprudelnden Steuereinnahmen. Rund 81 Prozent der Städte mit einem Schuldenstand von weniger als 1000 Euro pro Einwohner seien 2017 beim Schuldenabbau vorangekommen. Im Schnitt hätten diese ihre Verbindlichkeiten um zehn Prozent verringert.

Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter 300 Kommunen sowie einer Untersuchung aller 691 deutschen Städte mit mindestens 20.000 Einwohnern.

"Die Finanzkrise der Kommunen ist nicht vorüber - sie macht nur eine Pause", sagte EY-Partner Bernhard Lorentz. "Viele Kommunen in strukturschwachen Gegenden stehen nach wie vor finanziell mit dem Rücken zur Wand." Fast jede zweite Gemeinde erwartet laut der Studie, dass ihr Schuldenstand in den kommenden drei Jahren zunehmen wird. Dagegen rechneten immerhin 38 Prozent der Städte mit einem Abbau ihrer Verbindlichkeiten.

Im Video: Eine Frau kämpft um ihr Dorf

dab/Reuters

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