Studie Boom geht an armen Kommunen vorbei

Seit Jahren wächst die Wirtschaft und damit die Steuereinnahmen. Doch davon profitieren einer neuen Studie zufolge nicht alle: Die Kluft zwischen armen und reichen Kommunen steigt.

Einkaufszentrum in Ludwigshafen
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Einkaufszentrum in Ludwigshafen


Vom Wirtschaftsboom in Deutschland profitieren einer Studie zufolge längst nicht alle deutschen Kommunen. Die gesamten Verbindlichkeiten der zehn Städte mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung nahmen 2017 um 0,7 Prozent zu, wie aus einer Untersuchung der Prüfungs- und Beraterfirma Ernst & Young (EY) hervorgeht.

Gerade Kommunen, die am dringendsten eine finanzielle Entlastung bräuchten, erzielten kaum oder gar keine Fortschritte. Die Kluft zwischen armen und reichen Städten sei größer geworden. So stieg die Pro-Kopf-Verschuldung beispielsweise in Mülheim an der Ruhr und Ludwigshafen.

Kommunen, denen es finanziell gutgehe, profitierten laut EY hingegen stark von der Konjunktur und den sprudelnden Steuereinnahmen. Rund 81 Prozent der Städte mit einem Schuldenstand von weniger als 1000 Euro pro Einwohner seien 2017 beim Schuldenabbau vorangekommen. Im Schnitt hätten diese ihre Verbindlichkeiten um zehn Prozent verringert.

Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter 300 Kommunen sowie einer Untersuchung aller 691 deutschen Städte mit mindestens 20.000 Einwohnern.

"Die Finanzkrise der Kommunen ist nicht vorüber - sie macht nur eine Pause", sagte EY-Partner Bernhard Lorentz. "Viele Kommunen in strukturschwachen Gegenden stehen nach wie vor finanziell mit dem Rücken zur Wand." Fast jede zweite Gemeinde erwartet laut der Studie, dass ihr Schuldenstand in den kommenden drei Jahren zunehmen wird. Dagegen rechneten immerhin 38 Prozent der Städte mit einem Abbau ihrer Verbindlichkeiten.

Im Video: Eine Frau kämpft um ihr Dorf

dab/Reuters



insgesamt 12 Beiträge
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KaraBenFasel 01.11.2018
1. Lu
Es will mir einfach nicht in den Kopf, wie eine Stadt, in der ein DAX-Schwergewicht seinen Sitz und 10000e Mitarbeiter hat, hochverschuldet sein kann.
hello_again 01.11.2018
2. Reiche Kommunen
Wie heißt es in der Bibel? "Wer hat, dem wird gegeben". Im Volksmund auch "der Teufel schei0t immer auf den gleichen Haufen" genannt. Jedenfalls hoffe ich, dass nicht wieder Kommunen und Städte auf die Idee kommen Marmor-Zebrastreifen zu verbauen oder das Geld sonstwie unnütz ausgeben. Beispiele gibt es leider genug. Viele Kommunen glauben, dass es die eigenen Grundlagen sind, warum sie so gut dastehen. Derweil hatten viele einfach nur Glück, weil ein erfolgreicher Unternehmer vor 150 Jahren in XY seine Idee hatte und dort ein Weltunternehmen aufbaute. Oder Pech, weil z.B. die Kohle im Pott nicht mehr abgebaut wird/ausgeht.
Braveheart Jr. 01.11.2018
3. Und wenn SPON ...
... noch einmal nachfragen würde, WARUM diese Kommunen finanzielle Sorgen haben? Mülheim a.d.Ruhr ist zwischen drei Großstädten eingeklemmt - Düsseldorf, Duisburg, Essen. Nett zum Wohnen, aber zum Shoppen geht's natürlich an die "Kö" ...!
Grünspahn 01.11.2018
4.
Es gibt genug Kommunen, die durch eine geschickte Industrieansiedelung nun finanziell gut da stehen und andere Kommunen, die es aus allen möglichen Gründen versäumt haben ihre Chancen zu nutzen. Wenn eine Kommune zB im Ruhrgebiet in den 1950igern und 1960iger Jahren die Ansiedelung anderer Industrien be- und verhindert hat um den ansäßigen Großkonzernen der Stahl- und Kohleindustrie einen Wettbewerb um Arbeitskräfte zu ersparen, dann hat diese Politik eben beim Niedergang der genannten Industrien zu erheblichen Schieflagen geführt. Andere Städte haben auf einen Industriemix gesetzt und sind damit besser gefahren. Bei uns auf dem Land ist der Unterschied von Gemeinde zu Gemeinde deutlich zu sehen. Die, die kleinere Firmen eine Ansiedlungsmöglichkeit boten stehen heute wesentlich besser da, als jene die ihre bäuerlichen Stukturen mit aller Gewalt zu erhalten versuchten.
Meingott Walter 01.11.2018
5. Also bitte! Ludwigshafen/Rhein...
liegt mitten in der Pampa und hat faktisch keinerlei Industrie. Das weiß doch jeder. Woher sollen die Steuereinnahmen denn kommen? Da ist rein gar nix zu holen. Ok. finde den Fehler. ;) Statt die unfassbar gut verdienende ansässige Industrie gerecht zu besteuern, vergreift sich der Stadtkämmerer stetig an den kleinen Leuten und zieht denen das Geld aus der Tasche. So läuft das in dieser Stadt. Ludwigshafen, das ist Parteienklüngel und Filz pur.
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