Standard & Poor's Rating-Panne empört Frankreich

Es ist ein peinlicher Patzer zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat mitten in der Schuldenkrise irrtümlich Frankreichs Kreditwürdigkeit herabgestuft. Kurz darauf korrigierten die Bonitätswächter sich - der französische Finanzminister ist entsetzt.
Pariser Finanzdistrikt La Defense: "Wir sind stinksauer auf S&P"

Pariser Finanzdistrikt La Defense: "Wir sind stinksauer auf S&P"

Foto: Thibault Camus/ AP

New York - Die Nervosität ist in der europäischen Schuldenkrise allen Akteuren anzumerken. Dennoch erscheint es fast unglaublich, was nun der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) passiert ist. Das US-Unternehmen hat irrtümlich eine Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit verkündet - und damit Ängste vor einer Verschärfung der Schuldenmisere geschürt. Erst zwei Stunden nach dem Vorfall räumte die Agentur am Donnerstag ein, dass es sich um eine Panne handelte, Frankreich also seine Bestnote "AAA" behält.

Man habe versehentlich eine Mitteilung an einige Abonnenten der Internetseite verschickt, teilte die Rating-Agentur mit. Ursache sei ein technischer Defekt gewesen. In New York gaben die Aktienkurse in Folge der Mitteilung vorübergehend nach, französische Staatsanleihen verloren deutlich an Wert.

Angesichts der schwierigen Lage der Euro-Zone hätte der Fehler zu keinem unpassenderen Zeitpunkt kommen können. Immer wieder wurde in den vergangenen Wochen spekuliert, ob Frankreich seine Top-Bonität noch lange verteidigen könne. Mitte Oktober hatte der S&P-Konkurrent Moody's damit für Aufregung gesorgt, dass er die Bestnote auf den Prüfstand stellen will. Sollte Frankreich sein "AAA" verlieren, dürften dem Staat deutlich höhere Kosten für seinen Schuldendienst drohen - vor allem wäre aber die Euro-Rettung als Ganze in Gefahr, da Paris nach Deutschland die größte Last trägt.

"Ziemlich schockierend"

Kaum verwundern kann daher die heftige Reaktion der Franzosen: Finanzminister François Baroin nannte den Fehler am Rande einer Wirtschaftskonferenz in Lyon "ziemlich schockierend". Er forderte die Börsenaufsicht AMF auf, die Gründe und Konsequenzen des Vorgangs zu klären. Die AMF leitete umgehend eine Untersuchung ein.

Aus der französischen Regierung kamen aber noch deutlichere Worte: "Kann man so etwas glauben?", sagte ein namentlich nicht genannter Beamter der "Financial Times".  "So etwas trägt nicht dazu bei, die Leute zu beruhigen. Sie sagen, es sei ein Fehler, aber in der jetzigen Situation kann man doch nicht solche Spiele spielen."

Ein Händler in London bezeichnete die Panne gegenüber der Zeitung als "extrem unverantwortlich". Viele Anleger würden derzeit versuchen, ihre französischen Anleihen loszuwerden. "Wir sind stinksauer auf S&P. Wie kann man in der jetzigen Situation einen solchen Fehler machen?"

Die Rating-Agentur bemüht sich nun um Schadensbegrenzung: Man werde ebenfalls untersuchen, warum die Mitteilung automatisch versendet worden sei. "Wenn die Empfänger auf den Link in dem Alert geklickt hätten, dann hätten sie gesehen, dass Frankreichs Rating unverändert war", sagte ein S&P-Sprecher. Weiter wollte er sich nicht äußern. Unklar war zunächst, wie viele Abonnenten die Mitteilung über die Herabstufung erhalten hatten.

Klar ist aber, dass die Panne das Image der Rating-Agenturen weiter verschlechtern dürfte. In der Schuldenkrise haben viele Politiker und Experten den Unternehmen zuletzt vorgeworfen, die Krise zu verschärfen, weil sie die Kreditwürdigkeit bereits angeschlagener Staaten immer weiter herabstufen.

cte/Reuters
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