Euro-Krise Rating-Agentur S&P stuft Spanien zwei Noten herunter

Neuer Schlag für Spanien: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des gebeutelten Landes um zwei Stufen herabgesetzt. Sie begründet den Schritt mit den hohen Staatsschulden - der Ausblick sei negativ. Damit wird der Kampf der Regierung gegen die Krise weiter erschwert.
Fallende Kurse in der Börse in Madrid: Bonität des Landes herabgestuft

Fallende Kurse in der Börse in Madrid: Bonität des Landes herabgestuft

Foto: ANDREA COMAS/ REUTERS

New York - Das hochverschuldete Spanien besitzt in den Augen der Rating-Agentur Standard & Poor's nur noch eine befriedigende Kreditwürdigkeit. S&P senkte die Bonität des Landes am späten Donnerstag gleich um zwei Stufen von "A" auf "BBB+". Zudem ist der Ausblick negativ, das heißt, es droht eine weitere Herabstufung.

Die US-Agentur begründete den Schritt mit Sorgen angesichts der hohen Staatsschulden des Landes. Die Haushaltslage dürfte sich vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme verschlechtern, hieß es bei S&P. Die Agentur rechne für dieses Jahr mit einem Einbruch der spanischen Wirtschaft um 1,5 Prozent.

Gleichzeitig steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung den Banken mit weiteren Hilfen unter die Arme greifen müsse. Das wiederum berge das Risiko, dass die Verschuldung weiter ansteigen könne, hieß es. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds haben die angeschlagenen Banken aber ausreichend Kapital, um die Rezession auszuhalten.

Trotz Beschwichtigungsversuchen der Regierung in Madrid war die Nervosität in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen. Die Investoren zweifelten zunehmend an der Fähigkeit des Landes, sein striktes Sparprogramm durchzuhalten. Spanien hat zugesichert, sein Haushaltsdefizit von 8,5 Prozent Ende 2011 auf 5,3 Prozent in diesem Jahr zu senken. 2013 soll dann die EU-Defizitgrenze von drei Prozent erreicht werden. Dabei ist das südeuropäische Land gerade erst erneut in die Rezession abgerutscht. Nach Angaben der Zentralbank schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, als das Minus bereits bei 0,3 Prozent gelegen hatte.

Absenkung des Rating verschärft den Druck auf Spanien

Das Börsenbarometer von Madrid verzeichnete seit Jahresbeginn Kursverluste von mehr als 19 Prozent und steht damit in Europa am schlechtesten da. Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen waren in Folge mehrfach bedenklich gestiegen.

Zuletzt keimte wieder etwas Hoffnung auf, als sich das angeschlagene Euro-Land am Anleihemarkt erfolgreich behauptete. Die Versteigerung von Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren habe insgesamt 2,54 Milliarden Euro in die Staatskasse gespült, teilte die spanische Finanzagentur noch in der vergangenen Woche mit. Vor allem die Geldhäuser benötigen dringend Finanzmittel, um Kredite an Unternehmen vergeben zu können.

Die Absenkung des Ratings durch S&P dürfte nun für zusätzlichen Druck auf Spanien sorgen, denn je schlechter eine Bonitätsnote, desto höhere Zinsen muss ein Land in der Regel für die Aufnahme neuer Schulden zahlen. Deutschland im Vergleich besitzt das Spitzen-Rating "AAA" und kann sich entsprechend günstig Geld am Kapitalmarkt borgen. Zuletzt hatte Standard & Poor's die spanische Bonität im Januar heruntergesetzt.

Gleichzeitig kursieren Meldungen, wonach der Euro-Rettungsfonds die Option für Bankhilfen prüfe - bislang ein Tabu. Laut "Süddeutscher Zeitung" ("SZ") suchen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Gruppe der Euro-Länder nach Strategien, wie Institute direkt an Mittel des permanenten Rettungsschirms ESM kommen können. Damit solle vermieden werden, dass ein ganzes Land den Fonds anzapfen muss, obwohl nur den Banken geholfen werden muss. Das Land, dessen Name nicht genannt wurde, ist ganz offensichtlich Spanien.

Die bisher vereinbarten Regeln sehen vor, dass nur Länder die Mittel abrufen und dann an notleidende Banken weiterreichen können. Sollte ein Land Geld abrufen, muss die Regierung im Gegenzug ein Spar- und Reformprogramm auflegen. Dies war eine wichtige Voraussetzung für die deutsche Zustimmung zu dem EU-Rettungsfonds. Sollte die Kreditvergabe direkt an Banken erfolgen, wäre dieses Prinzip ausgehebelt.

lgr/dpa/Reuters/dapd/AFP
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