Standard & Poor's US-Regierung knöpft sich Rating-Riesen vor

In der Kritik stehen die großen Rating-Agenturen schon lange, nun könnte es für sie eng werden: Das US-Justizministerium prüft die Rolle von Standard & Poor's in der Immobilienkrise. S&P hatte die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft, seitdem liegen beide Seiten im Streit.

New Yorker Börse: Die Rating-Agenturen haben große Macht über die Märkte
AFP

New Yorker Börse: Die Rating-Agenturen haben große Macht über die Märkte


New York/Hamburg - Die größte Wirtschaftsmacht der Welt gegen die größte Rating-Agentur der Welt: Seit die Bonitätswächter von Standard & Poor's (S&P) vor knapp zwei Wochen die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft haben, lässt die US-Regierung kein gutes Haar an der Rating-Firma. "Egal was eine Rating-Agentur meint, wir waren immer und werden immer ein AAA-Land sein", kraftmeierte Präsident Barack Obama. Sein Wirtschaftsberater Gene Sperling nannte das S&P-Urteil eine "krasse Fehlentscheidung".

Dieser Streit dürfte nun weiter angeheizt werden. Denn das US-Justizministerium hat Ermittlungen gegen Standard & Poor's eingeleitet. Wie die "New York Times" berichtet, untersucht das Ministerium, ob S&P in den Jahren vor der Finanzkrise unzählige Immobilienkredite falsch bewertet hat. Die Zeitung beruft sich auf Insider, die mit den Untersuchungen vertraut seien.

Demnach überprüfe das Ministerium bereits seit längerer Zeit Hinweise, laut denen die S&P-Analysten kreditbesicherte Wertpapiere niedriger bewerten wollten, aber von ranghöheren Managern der Agentur überstimmt worden seien. Sollte sich dieser Verdacht bewahrheiten, würde er die Selbstdarstellung der Rating-Agenturen konterkarieren. Die Firmen behaupten stets, ihre Rating-Einschätzungen seien unabhängig von eigenen geschäftlichen Interessen.

Ein S&P-Sprecher schrieb in einer E-Mail an die "New York Times", das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren mehrere Anfragen von unterschiedlichen Regierungsstellen erhalten und werde sich weiter kooperativ verhalten. Unklar ist laut der Zeitung, ob das Justizministerium auch die Praktiken der beiden anderen großen Rating-Agenturen Moody's und Fitch untersucht.

Auch die Deutsche Bank steht in der Kritik

Erst vor wenigen Tagen hatte das "Wall Street Journal" berichtet, die US-Börsenaufsicht SEC habe Untersuchungen gegen S&P eingeleitet. Dabei soll es um mögliche Insidergeschäfte im Zusammenhang mit der Herabstufung der USA vor zwei Wochen gehen. Die Börsenaufsicht will demnach herausfinden, welche S&P-Mitarbeiter schon vor der offiziellen Ankündigung von der geplanten Herabstufung wussten.

Die Rating-Agenturen stehen seit langem in der Kritik. In der aktuellen Staatschuldenkrise wird ihnen vorgeworfen, die Lage der verschuldeten Länder durch Bonitätsherabstufungen zu verschlimmern. Und im Vorfeld der US-Immobilienkrise in den Jahren 2007 und 2008 sollen sie kreditbesicherte Wertpapiere zu lange mit der Bestnote AAA bewertet haben. Als viele der dahinter stehenden US-Immobilienkredite ausfielen, sanken die Preise für diese Wertpapiere dramatisch, was die Banken in den USA und Europa zu gigantischen Abschreibungen zwang. Zahlreiche Institute mussten vom Staat gerettet werden.

Auch der Umgang der Banken mit Immobilienkrediten wird von den US-Behörden untersucht. Im Mai hatte das US-Justizministerium eine Klage gegen die Deutsche Bank und ihre US-Tochter MortgageIT eingeleitet. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück.

stk

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juharms, 18.08.2011
1. wozu
Da Gong, die Rating Spezies aus China, haben die Amis nur noch bei einem einfachen A mit negativem Ausblick. Wozu also über AA+ aufregen.
etablierter1984 18.08.2011
2. Ratingagenturen
Wenn man das Spiel der Großen mitspielt, bekommt man keinen Ärger. Wenn man aber genau das Gegenteil macht, bekommt man ganz großen Ärger. Obama und Bush haben nur einen Unterschied: Der eine ist ein Demokrat und der andere ein Republikaner! Aber da erzähle ich nichts neues!
Niko27 18.08.2011
3. Lachhaft
Die Investoren werden sich davon nicht beeindrucken lassen, die haben doch schon längst Lunte gerochen. Die Probleme in den USA sind die viel zu niedrigen Steuern und die zu hohen Sozialausgaben(Gesundheitsreform von Obama), in Europa wurden die Sozialausgaben noch in viel höherer Form durch Schulden finanziert....
Rodelkoenig 18.08.2011
4. Quält keine Tiere!
Zitat von sysopIn der Kritik stehen die großen Rating-Agenturen schon lange, nun könnte es für sie eng werden: Das US-Justizministerium prüft die Rolle von Standard & Poor's in der Immobilienkrise.*S&P hatte die*Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft, seitdem liegen beide Seiten im Streit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,780889,00.html
Aha. Wird denn selbiges im Zusammenhang mit der Herabstufung europäischer Staaten in den letzten Monaten auch untersucht? Bei einigen europäischen Staaten, wie vorallem Griechenland oder Irland, mag eine Herabstufung gerechtfertigt gewesen sein, aber wie sieht es mit Ländern wie Italien, Spanien und Portugal aus, die zwar zu viele Schulden haben, aber bisher noch keinerlei Rückzahlungsprobleme hatten, ja sogar gewaltige Sanierungsprogramme für die Staatshaushalte in die Wege leiteten? Als Reaktion auf die Sanierungsanstrengungen kam dann die Herabstufung durch die Rating-Agenturen. Dieses Vorgehen der Rating-Agenturen macht keinen Sinn, es sei denn es stecken da noch andere finanzmarktwirtschaftliche Interessen dahinter. Aber ich bin froh, dass die Amis da wenigstens jetzt, wo sie auch selbst betroffen sind, mal etwas genauer hinschauen, wer dan in den Agenturen wann, was und warum entscheidet, auch wenn die minimale Herabstufung der USA in meinen Augen absolut gerechtfertigt war. Viele Grüße
wika 18.08.2011
5. Augen aushacken …
… köstlich, jetzt werden die Unpatrioten an die Wand gestellt, als Nestbeschmutzer, nuer weil sie mal ehrlich waren. Beginnt jetzt die Hatz auf Kritiker, dass es so nicht weitergehen kann? Wenn die USA schon zur Bananenrepublik werden, dann möchte man es wenigstens nicht von den eigenen Leuten mitgeteilt bekommen. So stelle ich mir echte Freiheit vor. Erinnert zugleich an die Kommunistenhatz der 70er Jahre. Fehlt nur noch das "Miese-Bonitäts-Leugungsgesetz", um gegen Kritiker in den eigenen Reihen auch gesetzlich vorgehen zu können. Feine Posse. Aber S&P hat da wohl schon vorgesorgt wie man hört und ist dabei sich ein neues Geschäftsfeld aufzubauen. Demnach wird jetzt *das Humankapital als Extra-Sparte mit in die Geschäftsaktivitäten einbezogen* … Link (kleine Posse am Rande) (http://qpress.de/2011/07/31/rating-agenturen-erweitern-geschaftsfeld-um-humankapital/). War ja auch schon längst überfällig, weil diese Posten am Ende die einzig gefährlichen für das große Geld sind. (°!°)
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