Standort Deutschland Südstaaten hängen den Norden ab

Wird Deutschland zur Zweiklassengesellschaft? In einer Studie attestiert das Prognos-Institut dem Großraum München enorme wirtschaftliche Potenz, auch andere Standorte im Süden der Republik hätten gute Perspektiven. Dem Norden und Nordwesten drohe dagegen der wirtschaftliche Abstieg.

Park in München: Enorme wirtschaftliche Potenz
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Park in München: Enorme wirtschaftliche Potenz


München - Die stärksten Regionen Bayerns und Baden-Württembergs ziehen bei den wirtschaftlichen Aussichten immer weiter davon. Das geht aus dem "Zukunftsatlas 2010" hervor, den das Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos für das "Handelsblatt" erstellt hat. Darin werden dem Landkreis und der Stadt München die besten Perspektiven bescheinigt: "Keine andere Region in Deutschland hat eine solche wirtschaftliche Potenz wie der Großraum München", sagte Prognos-Geschäftsführer Christian Böllhoff der Zeitung. Die andere Seite der Medaille: Den Forschern zufolge entwickelt sich Deutschland ökonomisch "immer mehr zu einer Zweiklassengesellschaft".

Auf den Plätzen Drei und Vier folgen laut Prognos die Stadt Erlangen und der Landkreis Starnberg vor dem Kreis Böblingen auf Rang fünf und Ingolstadt auf dem sechsten Platz. Damit liegen sechs der sieben Städte und Regionen, denen Prognos "Top-Zukunftschancen" attestiert, in Bayern und Baden-Württemberg. Den siebten Platz belegt die Banken-Metropole Frankfurt am Main. "Insgesamt sind die starken Regionen erstaunlich gut durch die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre gekommen", sagte Böllhoff. "Die tiefste Rezession seit Jahrzehnten hat die wirtschaftlichen Strukturen in den Boom-Regionen offenbar nicht dauerhaft beschädigt."

Das Wirtschaftsforschungsinstitut hatte zum dritten Mal seit 2004 die Zukunftsfähigkeit aller Städte und Kreise in Deutschland untersucht. Basis waren dabei 29 Indikatoren zur wirtschaftlichen, demografischen und sozialen Lage der Regionen. Unter anderem wurden Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten wie das Bruttoinlandsprodukt und die Arbeitsplatzdichte berücksichtigt.

Im Norden und Nordwesten der Republik sind die Zukunftsaussichten demnach weniger günstig. Nur eine einzige Stadt aus Nordrhein- Westfalen, nämlich die Landeshauptstadt Düsseldorf, schaffte es in die zweitbeste Gruppe der 30 Standorte mit "sehr hohen Zukunftschancen". Auch aus Niedersachsen sind nur zwei Städte in dieser Spitzengruppe vertreten: Wolfsburg auf Platz 8 und Braunschweig auf Platz 22. Immer mehr Regionen im Norden und Nordwesten drohe in den kommenden Jahren der wirtschaftliche Abstieg, hieß es.

In Ostdeutschland ist die Entwicklung Prognos zufolge unterschiedlich: Einige wenige Spitzenstandorte hätten sich so gut entwickelt, dass sie inzwischen mit westdeutschen Metropolen auf Augenhöhe lägen, darunter vor allem Jena (Platz 15) und Dresden (32), hieß es. Sie schnitten auch besser ab als eine Reihe von westdeutschen Städten wie Karlsruhe (37), Mainz (47) und Köln (56). Für den Rest der neuen Länder sehe es dagegen düster aus, hieß es. Von den 53 Regionen, für die Prognos hohe oder sehr hohe Zukunftsrisiken sehe, liegen 48 in Ostdeutschland. Schlusslicht des Rankings unter allen 412 Städten und Kreisen in Deutschland ist der Landkreis Demmin in Mecklenburg-Vorpommern.

Laut der Prognos-Studie gibt es aber auch im Westen immer mehr Orte, in denen es wirtschaftlich bergab geht. Demnach gibt es derzeit in 38 Städten und Kreisen in den alten Ländern mehr Risiken als Chancen - 2004 sei dies nur in halb so vielen der Fall gewesen. Abgerutscht sind laut Prognos unter anderem die Eifel und die Südwest-Pfalz. "Die wirtschaftliche Landkarte ist nicht mehr in erster Linie durch den Ost-West-Gegensatz geprägt, sondern durch einen Stadt-Land-Gegensatz", wurde Prognos-Regionalexperte Peter Kaiser im "Handelsblatt" zitiert.

Zur Nagelprobe werde zunehmend die demografische Entwicklung: Wirtschaftlich schwache Regionen erlebten große Bevölkerungsverluste, und in starken Regionen würden die Arbeitskräfte knapp. "Die Perspektiven einer Region stehen und fallen damit, wie gut sie den demografischen Wandel meistert", erklärte Böllhoff.

ssu/dpa-AFX



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 15.11.2010
1. Ist das was Neues?
Zitat von sysopWird Deutschland*zur Zweiklassengesellschaft?*In einer Studie attestiert das Prognos-Institut dem Großraum München enorme wirtschaftliche Potenz, auch andere Standorte im Süden der Republik hätten gute Perspektiven. Dem Norden und Nordwesten drohe dagegen der wirtschaftliche Abstieg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729283,00.html
Das sehe ich jedesmal, wenn ich von meinem Wohnort Berlin in meine badische Heimat fahre. Seit 10 Jahren mittlerweile. Ostdeutschland offenbart sich dabei als Möbel- und Baumarktparadies, soweit von der Autobahn ersichtlich...
Koltschak 15.11.2010
2. Oh welch weltbewegende Erkenntnis!
Als deutscher Bürger wäre ich nie auf diese Erkenntnis gekommen! Danke für den sachdienlichen Hinweis.
mulledinger 15.11.2010
3. Cdu
Zitat von sysopWird Deutschland*zur Zweiklassengesellschaft?*In einer Studie attestiert das Prognos-Institut dem Großraum München enorme wirtschaftliche Potenz, auch andere Standorte im Süden der Republik hätten gute Perspektiven. Dem Norden und Nordwesten drohe dagegen der wirtschaftliche Abstieg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729283,00.html
Tja, was soll man sagen? Die schwarz-regierten Länder nehmen einfach eine bessere Entwicklung als wenn sie von den "Gutmenschen" der roten regiert werden. :)
stanis laus 15.11.2010
4. Aijaijaijaijai,, Berlin an 250-er Stelle
Und Bremen noch dahinter. Bremerhaven wird zum Krisengebiet. Dagegen hat das Emsland und Ostfriesland gute Aussichten. Irgendwie falsch gelaufen, Wowi unnd Scherf.
biobanane 15.11.2010
5. Titel
Zitat von mulledingerTja, was soll man sagen? Die schwarz-regierten Länder nehmen einfach eine bessere Entwicklung als wenn sie von den "Gutmenschen" der roten regiert werden. :)
Wenn das mal nur so einfach wäre. Es gibt aber genug Gegenbeispiele, wo trotz jahrzehntelager schwarzer Dominanz die Regionen in dem Bericht nicht auftauchen. So beispielsweise Rheinland-Pfalz, das ja erst seit Schaping/Beck rot ist. Ne andersrum kann man das vielleicht sehen, do wo es den Leuten gut geht, da sind sie konservativer. Die Entwicklung hat weniger mit der alktuellen Politik zu tun, als mit der Indusriegeschichte Deutschlands.
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