Statistisches Bundesamt Löhne der Deutschen sinken spürbar

Die Löhne der Deutschen sind im vergangenen Jahr dramatisch gesunken. Mit 0,5 Prozent gingen sie so stark zurück wie seit der Wiedervereinigung nicht. Grund für die Entwicklung sind Einbußen durch Kurzarbeit und niedrigere Gehälter.
Konsum: Sparquote bleibt trotz sinkender Entgelte konstant hoch

Konsum: Sparquote bleibt trotz sinkender Entgelte konstant hoch

Foto: Peter Kneffel/ picture-alliance/ dpa

Wiesbaden/Berlin - Die Deutschen spüren die Krise nun auch in ihrem Geldbeutel: In der schärfsten Rezession der Nachkriegszeit sind die Löhne der Deutschen so stark gesunken wie seit der Wiedervereinigung nicht. Die Bruttogehälter schrumpften im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent auf knapp 991 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Grund dafür waren vor allem die Einbußen wegen der Kurzarbeit und geringere Vergütungen. Zusammen mit den Einkünften aus anderen Quellen legten die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte um 0,4 Prozent zu und damit so wenig wie seit Anfang der neunziger Jahre nicht mehr. Die Sparquote - der Einkommensteil, den die Menschen nicht ausgeben - blieb mit 11,2 Prozent auf dem hohen Niveau von 2008.

Das Volkseinkommen sank erstmals seit der Wiedervereinigung um vier Prozent auf 1,811 Billionen Euro. Nach der Rezession 2003 hatten sich die Firmengewinne wegen Sparprogrammen und moderater Lohnpolitik deutlich besser entwickelt als die Gehälter. "Die Schere hat sich in den letzten zwei Jahren wieder etwas geschlossen", sagte der Präsident des Statistikamtes, Roderich Egeler, in Wiesbaden. Damit erhöhte sich auch der Anteil der Arbeitnehmerbezüge am Volkseinkommen: Die sogenannte Lohnquote stieg auf 67,5 Prozent.

Im laufenden Jahr dürfte den Verbrauchern trotz Konjunkturerholung und Steuerentlastungen dennoch kaum mehr im Geldbeutel bleiben. "Die real verfügbaren Einkommen werden 2010 wohl schrumpfen", sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank und begründete dies mit anziehender Inflation und geringeren Lohnabschlüssen. Die Sparquote werde - auch wegen zunehmender Angst vor dem Jobverlust - auf 11,6 Prozent klettern.

fro/Reuters