Steuererklärung Auflagen für Anerkennung von Home-Office steigen

Seit kurzem ist das Arbeitszimmer zu Hause wieder für mehr Deutsche absetzbar. Doch die Auflagen dafür sind streng: Laut einen neuen Gerichtsurteil wird ein Home-Office nur dann steuerlich anerkannt, wenn das Zimmer in dem betreffenden Jahr auch als solches genutzt wurde.


Neustadt/Weinstraße - Wer als Arbeitnehmer plant, im Rentenalter selbstständig zu werden, kann das Arbeitszimmer erst dann ohne Beschränkungen absetzen, wenn die selbstständige Tätigkeit den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ausmacht. Das hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz entschieden.

Es kommt für die Anerkennung der Kosten nur darauf an, ob das Büro im jeweiligen Steuerjahr den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt. Wird aber hauptberuflich noch angestellt gearbeitet, ist das Büro nicht der Mittelpunkt, sodass die Kosten nur anteilig bis 1250 Euro im Jahr absetzbar sind.

Der Bundesfinanzhof wird sich jetzt in der Revision noch einmal mit dem Fall befassen. Wer in einem ähnlichen Fall seine Kosten nicht voll anerkannt bekommen hat, der kann jetzt unter Hinweis auf das Revisionsverfahren ein Ruhen seines Verfahrens beantragen.

AZ: 6 K 2314/07 und VI R 47/10

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ssu/dapd



insgesamt 4 Beiträge
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_unwissender 22.02.2011
1. ich verstehe das anders
1. Das Arbeitszimmer war schon immer absezbar. Das Finanzamt hat gezickt, weil der Finazminister Gesetze machte, ohne sich an die Verfassung zu halten. 2. Ich verstehe zu diesem Urteil hier nur, dass manche Gerichte noch immer gewillt sind, sich nicht an die steuerlichen Grundsätze zu halten. Denn ein Arbeitszimmer ist ein Arbeitszimmer. Und wenn es beruflich genutzt wird, dann gehört es auf die Kostenseite.
deppvomdienst 22.02.2011
2. Hoffentlich steigen die Anforderungen ...
Zitat von sysopSeit kurzem ist das Arbeitszimmer zu Hause wieder für mehr Deutsche absetzbar. Doch die Auflagen dafür sind streng: Laut einen neuen Gerichtsurteil wird ein Home-Office nur dann steuerlich anerkannt, wenn das Zimmer in dem betreffenden Jahr auch als solches genutzt wurde. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,746901,00.html
Kosten der privaten Lebensführung sind nicht steuerlich absetzbar, sondern sollten mit dem Grundfreibetrag abgegolten sein. Der regelmäßige, angemessene Mehraufwand für Erwerbstätigkeit sollte mit einem ordentlichen Arbeitnehmerfreibetrag berücksichtigt werden. Darüber hinaus gehende Kosten sollten regelmäßig NICHT anerkannt werden – sowohl bei den Fahrtkosten, als auch beim häuslichen Arbeitszimmer, bei der Dienstkleidung und auch beim PC, dem Aktenkoffer, ... Ich wäre für die Streichung aller Werbungskosten bei "unselbständiger Tätigkeit" zu Gunsten einer eventuellen Anrechnung bei den "außergewöhnlichen Belastungen". Dort steigt mit dem Einkommen der zumutbare Eigenanteil, bevor die Steuerabzugswirkung greift. Muss das häusliche Arbeitszimmer tatsächlich 23 qm der 140 qm-Wohnung ausmachen, oder würden nicht auch 8 qm reichen? Handelt es sich tatsächlich um einen Raum mit nur untergeordneter privater Mitbenutzung? Zu prüfen ist das nicht – also stellt es ein Schlupfloch dar, das nur diejenigen nutzen können, die über hohe Einkommen verfügen. Die Absetzbarkeit ist damit auch wieder unsozial. Der ledige Lehrer bekommt aus seiner 4-Zimmer-Wohnung einen Raum mit 25 qm als Arbeitszimmer anerkannt (das verheiratete Lehrerehepaar soar 2 Räume des 160-qm-Hauses). Aufgrund des hohen Spitzensteuersatzes mindert das die Steuerlast um 1.000 Euro jährlich. Der Kollege Alleinverdiener mit kleinen Kindern, der vielleicht die Ruhe des abgeschlossenen Raumes noch mehr braucht, kann aber nicht so viel absetzen. Generell sollte man bei Arbeitnehmern darüber reden, ob die Absetzbarkeit in der heutigen Form noch zeitgemäß ist, oder ob nicht der Weg über eine anteilige Kostenerstattung – unabhängig vom persönlichen Steuersatz – der richtigere Weg wäre.
_unwissender 22.02.2011
3. wie ist es denn heute?
Zitat von deppvomdienstKosten der privaten Lebensführung sind nicht steuerlich absetzbar, sondern sollten mit dem Grundfreibetrag abgegolten sein. Der regelmäßige, angemessene Mehraufwand für Erwerbstätigkeit sollte mit einem ordentlichen Arbeitnehmerfreibetrag berücksichtigt werden. Darüber hinaus gehende Kosten sollten regelmäßig NICHT anerkannt werden – sowohl bei den Fahrtkosten, als auch beim häuslichen Arbeitszimmer, bei der Dienstkleidung und auch beim PC, dem Aktenkoffer, ... Ich wäre für die Streichung aller Werbungskosten bei "unselbständiger Tätigkeit" zu Gunsten einer eventuellen Anrechnung bei den "außergewöhnlichen Belastungen". Dort steigt mit dem Einkommen der zumutbare Eigenanteil, bevor die Steuerabzugswirkung greift. Muss das häusliche Arbeitszimmer tatsächlich 23 qm der 140 qm-Wohnung ausmachen, oder würden nicht auch 8 qm reichen? Handelt es sich tatsächlich um einen Raum mit nur untergeordneter privater Mitbenutzung? Zu prüfen ist das nicht – also stellt es ein Schlupfloch dar, das nur diejenigen nutzen können, die über hohe Einkommen verfügen. Die Absetzbarkeit ist damit auch wieder unsozial. Der ledige Lehrer bekommt aus seiner 4-Zimmer-Wohnung einen Raum mit 25 qm als Arbeitszimmer anerkannt (das verheiratete Lehrerehepaar soar 2 Räume des 160-qm-Hauses). Aufgrund des hohen Spitzensteuersatzes mindert das die Steuerlast um 1.000 Euro jährlich. Der Kollege Alleinverdiener mit kleinen Kindern, der vielleicht die Ruhe des abgeschlossenen Raumes noch mehr braucht, kann aber nicht so viel absetzen. Generell sollte man bei Arbeitnehmern darüber reden, ob die Absetzbarkeit in der heutigen Form noch zeitgemäß ist, oder ob nicht der Weg über eine anteilige Kostenerstattung – unabhängig vom persönlichen Steuersatz – der richtigere Weg wäre.
wieviele Arbeitsverhältnisse bestehen denn noch, die so klar zwischen Arbeit und daheim unterscheiden? Die Firmen lagern immer größere Mengen an Arbeit aus. Doch diese strukturellen Änderungen versucht das Finanzministerium mit nicht verfassungskonformen Festlegungen zu negieren. Da hat ein Servicetechniker Bereitschaft - natürlich ist das kein steuerlicher Aufwand; ein Außendienstler hat ein Vorführmaterial daheim, Telefon, Prospekte - auch nicht relevant. Wer teilzeit eine selbständige Arbeit macht - natürlich nur gegen Arbeitnehmer-Pauschale. Fazit: die Menschen haben massenhaft Aufwand daheim, der steuerlich als Privatvergnügen gilt. Ausnahme sind die Politiker, die pauschal mehrere Tausend Euros einkassieren (natürlich steuerfrei), denn sie haben ja immer etwas zu tun....
deppvomdienst 22.02.2011
4. Die Nachfrage schafft das Angebot ...
Zitat von _unwissenderwieviele Arbeitsverhältnisse bestehen denn noch, die so klar zwischen Arbeit und daheim unterscheiden? Die Firmen lagern immer größere Mengen an Arbeit aus. Doch diese strukturellen Änderungen versucht das Finanzministerium mit nicht verfassungskonformen Festlegungen zu negieren. Da hat ein Servicetechniker Bereitschaft - natürlich ist das kein steuerlicher Aufwand; ein Außendienstler hat ein Vorführmaterial daheim, Telefon, Prospekte - auch nicht relevant. Wer teilzeit eine selbständige Arbeit macht - natürlich nur gegen Arbeitnehmer-Pauschale. Fazit: die Menschen haben massenhaft Aufwand daheim, der steuerlich als Privatvergnügen gilt. Ausnahme sind die Politiker, die pauschal mehrere Tausend Euros einkassieren (natürlich steuerfrei), denn sie haben ja immer etwas zu tun....
nicht wenige Menschen nehmen derartige Angebote an, weil es sich für sie lohnt, suchen selbst aktiv danach - weil es sich - nicht zuletzt steuerlich - rechnet. Home-office ist eine win-win-Situation, zu Lasten des Sterzahlers: die Firma bescheinigt weiterhin 5 Tage Arbeit / Woche, also werden die entsprechenden Entfernungskilometer bei der Steuererklärung eingetragen ("ups - habe ich übersehen") und zusätzlich das Zimmer abgesetzt. Außendienstler sind regelmäßig keine Arbeitnehmer (mehr) - deren Absetzungsmöglichkeiten sind nun mal anders. Dass auch das Unternehmenssteuerrecht dringend überarbeitungsbedürftig ist, bestreite ich auch nicht. Aber das ist eine andere Geschichte ...
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