Steuermoral Chinesen besitzen eine Billion Euro Schwarzgeld

Die Chinesen sind wohlhabender, als die offizielle Statistik der Regierung Glauben macht. Einer Studie zufolge verbergen die Bürger umgerechnet rund ein Billion Euro vor den Steuerbehörden. Das entspricht etwa einem Drittel des chinesischen Bruttoinlandsprodukts.
Chinesen beim Juweleneinkauf: Ausgaben auf das Vermögen hochgerechnet

Chinesen beim Juweleneinkauf: Ausgaben auf das Vermögen hochgerechnet

Foto: DAVID GRAY/ REUTERS

Peking - Chinas Reiche verbergen nach Schätzungen einer Wirtschaftsstiftung bis zu 9,3 Billionen Renminbi (eine Billion Euro) vor dem Fiskus. Diese Summe entspräche einem Drittel des chinesischen Bruttoinlandsprodukts.

Der von der Denkfabrik China Reform Foundation mit finanzieller Unterstützung der Bank Credit Suisse herausgegebene Bericht stützt sich auf Ausgabengewohnheiten aus rund 4000 Haushalten. Daraus zogen die Wissenschaftler Rückschlüsse auf das reale Einkommen im Land, wozu auch Einnahmen aus der Schattenwirtschaft zählen - Bestechungsgelder, Börsenmanipulationen, Landverkäufe, Boni und sogar Hochzeitsgeschenke.

Den Schätzungen des unter Leitung des Ökonomen Wang Xiaolu erstellten Berichts zufolge lag das Durchschnittseinkommen in Städten bei etwa 32.000 Yuan (3700 Euro), fast doppelt so hoch wie offiziell angegeben. Zugleich deutet die Studie darauf hin, dass die Einkommensschere zwischen Arm und Reich in China deutlich größer ist als aus den offiziellen Zahlen hervorgeht. Etwa 62 Prozent des gesamten verborgenen Einkommens befindet sich demnach in den Händen von zehn Prozent der chinesischen Gesellschaft.

Die oberen 20 Prozent der Gesellschaft verfügen über etwa 80 Prozent dieser häufig illegalen Einnahmen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der reichsten zehn Prozent war 65 Mal höher als das der ärmsten zehn Prozent. Die Regierung nannte in ihrem offiziellen Bericht zu Haushaltseinkommen dagegen den Faktor 23.

Die Forscher hatten für die Studie 4000 Haushalte in 64 Städten und 19 Provinzen befragt. Dabei bezogen sie Angaben von Familienmitgliedern des Hauptverdieners sowie von Freunden und Kollegen in ihre Berechnungen ein. Außerdem berücksichtigten sie Faktoren wie den Besitz eines Autos oder von Grundstücken.

mik/apn
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