Kapitalerträge Schäuble will Abgeltungssteuer abschaffen

Zinsen und Dividenden sollen künftig über den persönlichen Einkommensteuersatz abgegolten werden - statt wie bislang über die pauschale Abgeltungssteuer. Das käme in vielen Fällen einer Steuererhöhung gleich.
Finanzminister Schäuble: Neuerungen im Steuersystem

Finanzminister Schäuble: Neuerungen im Steuersystem

Foto: Olivier Hoslet/ dpa

Die deutsche Steuerpolitik steht offenbar vor einer Änderung, die Millionen Sparer und Anleger beträfe: Die Bundesregierung will die pauschale Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge abschaffen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet . In den Regierungsfraktionen von Union und SPD wachse die Bereitschaft, die pauschal erhobene Steuer von 25 Prozent zum Beispiel auf Zinsen von Sparbüchern oder auf Dividenden zu streichen. Stattdessen sollen Kapitalerträge demnach über den persönlichen Einkommensteuersatz abgegolten werden.

Ein Sprecher des Finanzministeriums bestätigte die Pläne gegenüber SPIEGEL ONLINE. Sie seien allerdings noch nicht ausgearbeitet und sollen nach dem Willen von Finanzminister Wolfgang Schäuble erst in der kommenden Legislaturperiode umgesetzt werden. Denn erst 2017 trete der vereinbarte automatische Informationsaustausch von Steuerdaten mit anderen Staaten in Kraft und erschwere die Hinterziehung von Abgaben auf Kapitalerträge, sagte der Sprecher.

Die neue Regelung würde faktisch für viele Betroffene Steuererhöhungen bedeuten - vor allem Wohlhabende wären betroffen: Je mehr Geld jemand durch Zinsen und Aktien verdient statt durch eigene Arbeit, desto mehr Steuern wären künftig fällig.

Derzeit wird die Steuer von den Banken einbehalten und anonym an die Finanzbehörden weitergeleitet. Das will Schäuble laut dem Bericht ändern: Er wolle "in der nächsten Legislaturperiode darüber nachdenken, ob wir die Steinbrücksche Steuerreform bei der Kapitalertragsteuer, die ja mit der Unvollkommenheit der Erfassung von Kapitaleinkünften begründet war, zur Disposition stellen", sagte der CDU-Politiker kürzlich.

Schäuble erwägt demnach, die von seinem Vorgänger Peer Steinbrück 2009 eingeführte Abgeltungssteuer zu kippen - und damit ein Steuerprivileg für Bezieher hoher Zinseinkünfte. Dass die Neuregelung frühestens 2017 in Kraft tritt, hat laut der "SZ" auch andere Gründe: Da die Koalition für diese Legislaturperiode Steuererhöhungen ausgeschlossen hat, beharren Politiker der Unionsfraktion demnach darauf, erst nach der Bundestagswahl das Steuerprivileg abzuschaffen.

mxw
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