Hermann-Josef Tenhagen

Vor dem Jahresende Noch schnell Steuern sparen - so geht's

Putzhilfen, Handwerkerleistungen, Werbungskosten, Rürup-Rente: Nutzen Sie die letzten Wochen vor dem Jahreswechsel, um noch mal kräftig Steuern zu sparen. Wie das geht? Eine Checkliste.
Foto: Hans-Jürgen Wiedl/ DPA

Karnevalszeit ist Steuerzeit. Im November müssen Sie die Entscheidungen treffen, die Ihnen helfen, im laufenden Jahr noch Steuern zu sparen und Förderungen mitzunehmen. Im Februar, nach Aschermittwoch, sollten Sie dann die Unterlagen für die Steuererklärung zusammenstellen, mit denen Sie sich die zu viel bezahlte Steuer zurückholen.

Aber der Reihe nach: Jetzt geht es zunächst darum, die Ausgaben so zu steuern, dass Sie sie klug auf dieses und kommendes Jahr aufteilen - und auch mögliche Förderungen in diesem Jahr noch mitnehmen  können.

Als Erstes sind da die Aufträge, die Sie schon veranlasst haben oder ohnehin veranlassen wollen, die Sie aber besser noch in diesem Jahr bezahlen, um dadurch jetzt Steuern zu sparen.

  • Dazu gehören zum Beispiel Rechnungen für Handwerker, die bei Ihnen im Haus und Garten gearbeitet haben. Bis 6000 Euro Kosten für Arbeitsstunden und Anfahrt können Sie in der Steuererklärung jedes Jahr geltend machen - pro Haushalt. So können Sie sich bis zu 1200 Euro Steuerermäßigung sichern. Wichtig: Die Rechnung muss Arbeitslöhne und Wegekosten einzeln ausweisen, weil die Materialkosten nicht absetzbar sind. Und Sie müssen das Geld noch in diesem Jahr überweisen.

  • Ähnlich verfahren Sie mit den sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen. In diese Kategorie gehören auch Teile der Nebenkostenabrechnung Ihres Vermieters. Von den darin ausgewiesenen Kosten zum Beispiel für den Hausmeister, Gartenarbeiten, Putz- und Winterdienst können Sie sich 20 Prozent vom Finanzamt zurückholen.
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  • Weitere Posten fallen für Putzhilfen in Ihrem Haushalt an, die Ihnen eine Rechnung schreiben, und denen Sie das Geld überweisen. Oder für den Umzug - eine ordentliche Umzugsfirma weist die Kosten so aus, dass Sie die Arbeitslöhne für die Packer beim Finanzamt einreichen können. Oder für die Nachbarn, die im Herbst Ihren Garten auf Vordermann bringen, eine Rechnung schreiben und an die Sie das Geld überweisen. Insgesamt können Sie in jedem Jahr 20.000 Euro so ausgeben und bis zu 4000 Euro von der Steuer zurückholen.

  • Das richtige Timing ist auch bei dem Steuerposten "außergewöhnliche Belastungen" entscheidend, speziell bei der Frage der "zumutbaren Belastung". Alles, was noch zumutbar ist, bringt Ihnen keine steuerliche Erleichterung, jeder Euro darüber hinaus schon. Und was zumutbar ist, hängt vom Einkommen und Familienstand ab. Ihre jeweilige zumutbare Belastung können Sie mit einem Rechner der Bayrischen Finanzverwaltung  ermitteln. Weil das Finanzamt dabei inzwischen etwas anders rechnet, können Sie inzwischen diese "zumutbare Belastung" leichter überschreiten als früher.

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  • In die Kategorie "außergewöhnliche Belastungen" gehören alle notwendigen Krankheitskosten: die 3000 Euro für das Implantat beim Zahnarzt, 500 Euro für die neue Gleitsichtbrille, die Zuzahlungen für den Krankengymnasten und die verschriebenen Medikamente. Liegen Sie mit den bisherigen Rechnungen schon oberhalb Ihrer individuellen zumutbaren Belastung, sollten Sie möglichst viele ohnehin anstehende Zahlungen noch vor dem Jahresende abwickeln. Liegen Sie weit darunter, ist es sinnvoll, mit dem Bezahlen bis ins kommende Jahr zu warten, um dann 2020 diese Grenze zu überschreiten .
  • Schließlich sollten Sie auch prüfen, ob Sie mit den Werbungskosten, also den Kosten, die direkt mit Ihrem Broterwerb zu tun haben, die 1000-Euro Arbeitnehmer-Pauschale  schon geknackt haben. Falls ja, bringt jeder Euro mehr eine weitere Steuererstattung. Dazu gehören die Fahrten zur Arbeit, Gewerkschafts- und Verbandsbeiträge, selbst getragene Kosten für Fortbildung, Fachbücher und beruflich genutzte Software. Womöglich Aufwendungen für den beruflich notwendigen zweiten Wohnsitz oder einen beruflich notwendigen Umzug. Auch private Gegenstände, die Sie beruflich mindestens zu zehn Prozent beruflich nutzen, helfen Ihnen beim Steuersparen: Den beruflichen Anteil für den Schreibtisch, das Smartphone oder den Computer dürfen Sie absetzen. Hat der Computer höchstens 800 Euro netto gekostet  (952 Euro inklusive Mehrwertsteuer), dürfen Sie ihn auf einen Schlag bei der Steuer geltend machen. Eine 50-prozentige berufliche Nutzung akzeptiert das Finanzamt, wenn sie plausibel ist. Eine Arbeitgeberbescheinigung kann bei Nachfragen helfen.

Als Zweites sollten Sie sich um alle Ausgaben kümmern, von deren Steuerspareffekt Sie gar nichts wussten, die es aber gibt, und die Sie deshalb noch für dieses Jahr dokumentieren sollten:

  • Die Liste der haushaltsnahen Dienst-  und Handwerkerleistungen , die Sie bei der Steuer angeben können, wird jedes Jahr länger und ist inzwischen mehr als 30 Seiten lang. Auch der rein private Umzug mit seinen Lohn- und Fahrtkosten oder der Einsatz des Nachbarjungen beim Grillfest im Garten kann dazu gehören. Bedingung immer: ordentliche Rechnung und Bezahlung per Überweisung.
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Drittens sollten Sie unbedingt Steuererklärungs- und Förderhausaufgaben erledigen, die Sie vor sich hergeschoben haben.

  • Was müssen Sie noch tun, um die Riester-Förderung für 2019 komplett mitzunehmen? Die Hälfte aller Riester-Sparer verschenkt an dieser Stelle Geld, weil sie zu wenig einzahlt. Denn für die volle Riester-Zulage müssen Sie mindestens vier Prozent Ihres rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens aus dem vergangenen Jahr einzahlen - abzüglich Ihres Anspruches an Sparzulagen. Insbesondere nach einer Gehaltserhöhung oder dem Wegfall einer Kinderzulage gibt es Handlungsbedarf, den Eigenbeitrag zu erhöhen. Für Besserverdienende zahlt sich der Sonderausgabenabzug aus. Sie können im Jahr bis zu 2100 Euro in der Steuererklärung geltend machen. Falls Sie es vergessen haben sollten: Die Riester-Zulagen für 2017 können Sie bis Ende 2019 noch beantragen.

  • Haben Sie sich um Ihre betriebliche Altersvorsorge  gekümmert? 3216 Euro können Sie selbst sozialversicherungsfrei einzahlen; zumindest steuerfrei bleiben sogar bis 6432 Euro, die Sie per Gehaltsumwandlung bis Jahresende einzahlen können. Und Ihr Chef muss 2019 bei neuen Verträgen erstmals mindestens 15 Prozent obendrauf legen, ab 2022 auch bei alten Verträgen. Sie haben das Recht auf eine betriebliche Altersvorsorge.

  • Wer einen Rürup- oder Basisrenten-Vertrag abgeschlossen hat, sollte unbedingt prüfen, welche Einzahlungen sich 2019 aus Steuergründen noch lohnen. Für Selbstständige sind hier insgesamt 24.305 Euro an Vorsorgeaufwendungen möglich, bei Verheirateten das Doppelte. Dazu zählen auch die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung.

  • Selbstständige können für das Jahr 2019 nämlich tatsächlich bis zu 14.952 Euro freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und so Rentenpunkte erwerben.

  • Insbesondere Arbeitnehmer sollten überprüfen, ob sie die letzte Chance für die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung  für das Jahr 2015 nutzen sollten. Wenn Sie diese bis Silvester beim Finanzamt abgeben, können Sie sich die Steuererstattung samt Zinszahlung von 0,5 Prozent monatlich  sichern. Danach geht nichts mehr.

Viertens kommen wir zum einfacheren Part: das Aufschieben.

  • Prüfen Sie, welche Ausgaben Sie ins kommende Jahr verlegen sollten, um dort einen Steuerspareffekt zu erreichen. In jedem Jahr gewährt das Finanzamt Frei- und Pauschbeträge. Erst wenn Sie beispielsweise über den Arbeitnehmer-Pauschbetrag hinauskommen, führen weitere Zahlungen zu Steuerersparnissen. Sind die Aussichten schlecht, die Freibetragsgrenze 2019 noch zu erreichen, investieren Sie in Ihre Weiterbildung erst 2020. Oder bezahlen Sie den Zahnarzt lieber im kommenden Jahr, um dann die zumutbare Belastungsgrenze zu überschreiten.

  • Auch Investitionen in Ihr Haus, beispielsweise zum Energiesparen, zum Austauschen Ihrer alten Heizung oder zur Wärmedämmung sollten Sie 2019 gar nicht erst anfangen. Die Bundesregierung arbeitet aktuell daran, Eigenheimbesitzern hohe Steuerermäßigungen zu gewähren - für ab 2020 begonnene Maßnahmen. Warten Sie ganz entspannt auf die Fördergelder.

Und schließlich der fünfte Tipp: Ein Tipp, der sehr schnell Ihre Liquidität verbessern kann. Sie können sich bis zum 30. November beim Finanzamt einen individuellen Freibetrag auf Ihre elektronische Lohnsteuerkarte eintragen lassen und profitieren dann bereits von einem höheren Dezember-Gehalt - das tut gut in der Weihnachtszeit. Das geht, wenn Sie dauerhaft höhere, steuerlich absetzbare Kosten nachweisen können. Dann müssen Sie nicht warten, bis Sie im nächsten Jahr vom Finanzamt eine Steuererstattung bekommen . Allerdings müssen Sie dann auf jeden Fall bis zum 31. Juli 2020 eine Steuererklärung 2019 abgeben.

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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Zu guter Letzt hier noch drei gute Nachrichten für Steuerzahler:

  • Viele wissen: Wer heiratet, profitiert oft vom Ehegattensplittung  - vor allem, wenn das Paar sehr unterschiedlich verdient. Besonders wichtig ist das bis Silvester für schwule und lesbische Paare. Wer seine Lebenspartnerschaft noch 2019 in eine Ehe umwandeln lässt, kann rückwirkend bis maximal 2001 die Zusammenveranlagung beantragen und bei entsprechenden Anträgen bis Ende 2020 möglicherweise viele Tausend Euro vom Finanzamt zurückholen - plus Zinsen .
  • Wer bald befördert wird, verdient 2020 mehr Geld. Und spart bei jeder steuerlich absetzbaren Ausgabe mehr Steuern, also lieber jede terminierbare Rechnung erst 2020 bezahlen.
  • Wer kommendes Jahr in Rente geht, wird danach in der Regel weniger steuerpflichtige Einkünfte haben. Angehende Rentner sparen also Steuern, indem sie ohnehin anfallende Rechnungen noch 2019 bezahlen.

Wenn Sie dann alles richtig gemacht haben, können Sie sich bis zum Aschermittwoch ausruhen und anschließend mit einer Steuererklärung 2019 den symbolischen Geldkoffer vom Finanzamt abholen. Viel Erfolg.

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