Fotoreportage über Steueroasen Ducati streicheln unter Palmen

32 Billionen Dollar lagern in den Steueroasen dieser Welt. Die Fotografen Paolo Woods und Gabriele Galimberti bereisten sie zwei Jahre lang - und dokumentierten seltsam freudlosen Überfluss. Eine Fotoreportage.

Es ist eine fremdartige Parallelwelt, die Paolo Woods und Gabriele Galimberti zwei Jahre lang bereist haben. Die Kaiman- und Jungferninseln in der Karibik, die Kanalinsel Jersey, Panama - aber auch Singapur, der US-Bundesstaat Delaware, Luxemburg oder die Niederlande. All diese Ziele haben eins gemein: Wer sein Geld vor dem Zugriff des Fiskus schützen möchte, ist hier richtig - in den Steueroasen dieser Welt.

Woods und Galimberti, preisgekrönte Reportage-Fotografen, sind bereits mehrfach den Spuren des globalisierten Kapitalismus gefolgt - Woods etwa dokumentierte die Expansion des rohstoffhungrigen China in Afrika . Nun nahmen sie sich jene Refugien des Geldes vor, über die inzwischen mehr als die Hälfte des Welthandels abgewickelt wird, von 2013 bis 2015 dauerte ihr Streifzug. Ergebnis ist ein Bildband im Stil des Jahresberichts einer jener Spezialfirmen, die sich ihrer Kompetenz in der Steuervermeidung rühmen - mitsamt einem ebenso fundierten wie nüchternen Textteil.

Schätzungsweise 32 Billionen Dollar werden in Steueroasen gehortet, eine unvorstellbar hohe Summe. Zum Vergleich: Das ist etwa das 50-Fache der Summe, die Bund, Länder und Gemeinden in Deutschland im Jahr 2012 an Steuern einnahmen.

Superreiche nehmen die Dienste der Steueroasen ebenso in Anspruch wie Konzerne. Das ist zumeist legal, aber selten legitim, implizieren die Aufnahmen: Der dekadente Überfluss unter Palmen wirkt auf ihnen seltsam freudlos und entseelt, fast steril. Als könne er nicht verbergen, Resultat einer gigantischen Umverteilung von unten nach oben zu sein - all die hier zur Schau gestellten Milliarden fehlen in jenen Staaten für Schulen und Krankenhäuser, in denen sie eigentlich erwirtschaftet wurden.

Und in den Steueroasen selbst? Ist zumindest dort alles in bester Ordnung? Die Aufnahmen von Woods und Galimberti widerlegen nicht das Klischee von Sandstrand, türkisblauem Wasser und schnellen Fahrzeugen - aber sie ergänzen es fundamental. Etwa, wenn sie eine alleinerziehende Mutter mit ihren drei Kindern vor ihrer armseligen Hütte auf den Cayman Islands zeigen, nicht weit von der Supervilla eines Spitzenmanagers aus Australien entfernt. Oder das Elend der Unterschicht in Singapur und Hongkong.

Sehen Sie hier eine Auswahl der Fotoreportage "The Heavens" - Mobilnutzer finden die Aufnahmen hier in einer Fotostrecke.

Die Fotos erschienen auch im Rahmen einer Reportage in der Juni-Ausgabe des Magazins "Mare". 

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Annual Report

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