Handelsstreit US-Strafzölle auf EU-Produkte in Kraft getreten

Deutscher Wein, italienischer Käse und irische Butter werden in den USA künftig wohl teurer. Von diesem Freitag an gelten die Strafzölle der US-Regierung auf diese und weitere Waren aus Europa.

Trauben der Rebsorte Spätburgunder in Weimar: Auch auf deutschen Wein erheben die USA nun einen Strafzoll in Höhe von 25 Prozent
Bodo Schackow/zb/DPA

Trauben der Rebsorte Spätburgunder in Weimar: Auch auf deutschen Wein erheben die USA nun einen Strafzoll in Höhe von 25 Prozent


Die geplanten Strafzölle der USA in Höhe von 25 Prozent auf zahlreiche Produkte aus Europa sind an diesem Freitag in Kraft getreten. Betroffen sind zum Beispiel Wein aus Deutschland und Frankreich, Parmesan und anderer Käse aus Italien, Olivenöl aus Spanien sowie Butter aus Irland (lesen Sie hier mehr Details). Beim Import von Flugzeugen wird eine zusätzliche Abgabe von 10 Prozent fällig.

Die Strafzölle verteuern die Einfuhr europäischer Produkte in die USA. Weichen Verbraucher dort auf günstigere Alternativen aus, könnten die EU-Exporte sinken.

Die USA hatten die Zölle Anfang Oktober als Vergeltung für rechtswidrige EU-Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus angekündigt. Schlichter der Welthandelsorganisation (WTO) hatten der US-Regierung das Recht zugesprochen, Strafzölle von bis zu 100 Prozent auf Waren im Wert von 7,5 Milliarden Dollar zu erheben.

Die Bundesregierung hat die Einführung der Importzölle bedauert. Das machte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) deutlich. Die Zölle schadeten auch US-Verbrauchern, sagte sie. Zu den genauen Auswirkungen der Zölle auf Deutschland könne das Ministerium noch nichts sagen, dies werde nun aufmerksam beobachtet.

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Die Europäische Union hatte sich bis zuletzt darum bemüht, die Strafzölle abzuwenden und eine Lösung auf dem Verhandlungsweg zu erzielen. Brüssel droht nun mit Vergeltung, denn die EU hatte in einem ähnlichen Verfahren um Subventionen für den US-Luftfahrtkonzern Boeing Recht bekommen. Die EU könnte daher im kommenden Jahr ebenfalls Strafzölle in ähnlicher Höhe erheben - die WTO-Entscheidung dazu wird aber erst 2020 fallen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die USA Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU eingeführt. Brüssel verhängte daraufhin Importabgaben für US-Produkte in etwa gleicher Höhe. Mitte November will die US-Regierung über die Einführung von Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU entscheiden. Sollte es dazu kommen, würde die EU wohl ebenfalls Zölle verhängen, der Handelsstreit könnte dann eskalieren.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

kko/dpa



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Seite 1
carranza 18.10.2019
1. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
"Die Strafzölle verteuern die Einfuhr europäischer Produkte in die USA. Weichen Verbraucher dort auf günstigere Alternativen aus, könnten die EU-Exporte sinken." Weichen Verbraucher dort aber nicht auf günstigere Alternativen aus, dürften durch die "Strafzölle" dem US-Fiskus Mehreinnahmen von zunächst bis zu einer knappen Milliarde beschert werden.
alohawave 18.10.2019
2. Pure Propaganda
Genaugenomen haben diese Strafzölle auf Lebens- und Genussmittel doch eher Symbolcharakter als Wirkung. Wer in den USA regelmäßig europäische Lebensmittel kauft und konsumiert gehört ohnehin zu den Besserverdienern. Da werden paar Prozent Preiserhöhung nicht unbedingt vom Kauf abhalten, zumal es ja bei vielen Dingen keine wirklichen Alternativen aus US-Produktion gibt. Die gemeine Wählerschaft kann man da als POTUS schon beeindrucken und gleichzeitig, wie im vorherigen Beitrag schon bemerkt, ein bisschen mehr Geld ins Steuersäckel bringen.
Freidenker10 18.10.2019
3.
Was ist denn hier los? Diese Nachricht läuft unter ferner liefen und nur 2 Kommentare? Na wenn Strafzölle auf Autos kommen wird wohl mehr los sein...;-)
theuwe 18.10.2019
4. Mein Amerikabild hat sich (leider) gewandelt
Seit Trump Präsident ist und ua seinen Wirtschaftskrieg angezettelt hat, sind mir die USA unsympathisch geworden. Früher war ich den USA (auch von zig Besuchen her) eher positiv zugetan, das hat sich leider gewandelt. Vor allem wenn ich daran denke, dass dieser Kerl nach wie vor noch 40% Gefolgschaft hinter sich hat. Schade, dass sich mein Amerikabild so gewandelt hat und ich werde wohl nicht der einzige sein, dem es in den letzten 3 Jahren so ging. Persönlich meide ich inzwischen amerikanische Waren, wo immer es geht...
Korken 18.10.2019
5.
Zitat von theuweSeit Trump Präsident ist und ua seinen Wirtschaftskrieg angezettelt hat, sind mir die USA unsympathisch geworden. Früher war ich den USA (auch von zig Besuchen her) eher positiv zugetan, das hat sich leider gewandelt. Vor allem wenn ich daran denke, dass dieser Kerl nach wie vor noch 40% Gefolgschaft hinter sich hat. Schade, dass sich mein Amerikabild so gewandelt hat und ich werde wohl nicht der einzige sein, dem es in den letzten 3 Jahren so ging. Persönlich meide ich inzwischen amerikanische Waren, wo immer es geht...
Sie sind nicht allein. Erkenne mich da auch wieder. Und das ganze in dem Wissen, dass Boeing ebenso gepimpt wurde und die EU leider etwas später erst die gleichen Strafzölle einrichten darf. Normalerweise wäre das per Verhandlungen ad acta gelegt worden aber Trump ist halt leider etwas zurückgeblieben.
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