Krise am Persischen Golf Deutsche Reeder klagen über höhere Versicherungsprämien

Die angespannte Lage an der Straße von Hormus belastet auch die deutsche Handelsschifffahrt - die Risiken der Durchfahrt steigen, das macht die Versicherung teurer. Reeder zeigen sich aufgeschlossen für eine europäische Beobachtermission.

Tanker "Stena Important" und die britische Fregatte "Montrose" in der Straße von Hormus am 25. Juli
MOD/BRITISH MINISTRY OF DEFENCE/HANDOUT/EPA-EFE/REX

Tanker "Stena Important" und die britische Fregatte "Montrose" in der Straße von Hormus am 25. Juli


Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge im Golf von Oman verschifft. Auch 20 bis 30 deutsche Handelsschiffe durchfahren dieses Nadelöhr dem Verband Deutscher Reeder (VDR) zufolge täglich - und der sorgt sich angesichts der politischen Spannungen in dem Gebiet.

"Das Risiko der Durchfahrt ist gestiegen, damit erhöhen sich auch die Versicherungsprämien", sagte VDR-Geschäftsführer Ralf Nagel dem "Handelsblatt". Da die Margen in der Schifffahrt gering sind, wirken sich Kostensteigerungen unmittelbar aus. Besonders betroffen ist laut dem Bericht die Linie Hapag-Lloyd, deren Containerschiffe regelmäßig den Hafen von Dubai ansteuern, als Zwischenstation zwischen Europa und Asien.

Europäische Beobachtungsmission "überlegenswert"

In der Straße von Hormus hatten iranische Revolutionsgarden Mitte Juli einen britischen Tanker beschlagnahmt. Zur Begründung hieß es, die "Stena Impero" habe internationale Regeln der Seefahrt nicht eingehalten, sein GPS-System ausgeschaltet und zudem umweltschädliche Materialien an Bord gehabt. Beide Seiten sprachen von "Piraterie". Zuvor hatte Großbritannien in Gibraltar den Tanker "Grace1" mit der Begründung festgesetzt, er habe iranisches Erdöl für Syrien an Bord und damit gegen EU-Sanktionen verstoßen, Iran bestreitet das.

Golfregion aus dem All: 20 bis 30 deutsche Handelsschiffe pro Tag
DPA/ NASA/The Visible Earth

Golfregion aus dem All: 20 bis 30 deutsche Handelsschiffe pro Tag

Seit dem Zwischenfall in der Straße von Hormus gibt es eine große Debatte über seine Beteiligung an einer von den USA forcierten Militärmission zum Schutz von Handelsschiffen in der Gegend. Das Land hat diverse Bündnispartner, darunter Deutschland, um eine Beteiligung gebeten, Außenminister Heiko Maas (SPD) lehnte eine deutsche Beteiligung zuletzt jedoch ab.

Lesen Sie zu Maas' Absage hier den Kommentar: Ende des Lavierens

Auch die deutschen Reeder stehen der US-Geleitschutz-Operation "Sentinel" laut "Handelsblatt" skeptisch gegenüber. "Die Handelsschifffahrt kann kein Interesse daran haben, dass Besatzungen und Schiffe in einen Konflikt zwischen den USA und Iran hineingezogen werden", sagt Verbandsgeschäftsführer Nagel der Zeitung.

Wie auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zeigten sich jedoch auch die Reeder offen, was einen möglichen eigenständigen europäischen Beobachtungseinsatz anbelangt. Solch eine Mission sei "überlegenswert, sofern sie zur Deeskalation beiträgt", sagte Geschäftsführer Nagel dem "Handelsblatt". Als gutes Zeichen wertet er demnach, dass es am Samstag Gespräche zwischen Iran und Oman geben soll: "Oman ist schon in der Vergangenheit als Vermittler aufgetreten."

Stefan Mair vom BDI hatte zuvor dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt, eine funktionierende Handelsschifffahrt sei für die Exportnation und das Industrieland Deutschland von herausragender Bedeutung: "Eine defensive, europäisch geführte Schutzmission wäre nach wie vor ein starkes und wichtiges Signal."

apr



insgesamt 32 Beiträge
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senkfuss 02.08.2019
1.
Zumindest deutsche Rüstungsgüter sollten ihr Ziel in der Kriesenregion sicher erreichen können.
frankfurtbeat 02.08.2019
2. man ...
man möchte wohl die Kosten sozialisieren indem der Steuerzahler für einen Militäreinsatz zahlen sollte damit die Taschen der Aktionäre nicht belastet werden ...
Ein_denkender_Querulant 02.08.2019
3. Kapitalismus
So funktioert unsere Welt. Es gibt im Kaputalismus zum Lenken Steuern, Subventionen und was viele vergessen VERSICHERUNGSKOSTEN. Viele Veränderungen werden noch teuer, z.B. der Klimawandel. Hochwasserversicherungen und andere werden empfindlich erhöht werden. Eine unsichere Welt mit zunehmender Piraterie und Kriegsgefahr ebenso.
sven2016 02.08.2019
4. Militärmissionen zur Wirtschaftshilfe
Neu wäre das nicht. Aber es gibt bisher keine konkrete Bedrohung der allgemeinen Handelsschiffahrt in diesem Raum. Heißt es sonst nicht gerne: Wir beobachten die Situation und werden gegebenenfalls Entscheidungen treffen? Eben.
norbertbrummer 02.08.2019
5. Klagen, jammern, fordern - so kennt man den deutschen Reeder...
Wieviele der 20 bis 30 Schiffe fahren denn unter deutscher Flagge und wieviele deutsche Seeleute arbeiten auf diesen Schiffen?
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