Strategien gegen die Krise Obama-Berater empfiehlt Deutschland als Vorbild

Amerika braucht den "Kulturbruch": Sich allein auf den Konsum zu verlassen, genügt nicht, um die Krise zu überwinden, sagt Präsidentenberater Paul Volcker dem SPIEGEL. Die USA sollten sich Deutschland zum Vorbild zu nehmen - und eine leistungsfähige Exportindustrie aufbauen.
Ex-Notenbanker Volcker, US-Präsident Obama: "Finanzmärkte am Tropf des Staates"

Ex-Notenbanker Volcker, US-Präsident Obama: "Finanzmärkte am Tropf des Staates"

Foto: Pablo Martinez Monsivais/ AP

Regierungsarbeit

Hamburg - Auch US-Präsident Barack Obama verlässt sich bei der auf den Rat von Wirtschaftsweisen - einen illustren Kreis von Wissenschaftlern und Konzernchefs. Economic Recovery Advisory Board heißt dieses Gremium, das Obama im Februar dieses Jahres geschaffen hat; den Vorsitz hat Paul Volcker, ehemaliger amerikanischer Notenbankchef.

Krise

Volcker widerspricht allerdings dem regierungsamtlichen Wachstumsoptimismus in den USA: "Ich glaube nicht, dass wir schon überm Berg sind. Einen Rückfall würde ich auf keinen Fall ausschließen. Wenn wir weitermachen wie bisher und einfach nur den Konsum wieder hochfahren, laufen wir geradewegs in die nächste hinein", sagte er im Gespräch mit dem SPIEGEL.

US-Notenbank-Chef Ben Bernanke

hatte die Rezession kürzlich für "beendet" erklärt. Von einem selbsttragenden Aufschwung könne keine Rede sein, meint dagegen Volcker: "Sowohl die Wirtschaft als auch die Finanzmärkte hängen am Tropf des Staates." Bei der wirtschaftlichen Talfahrt handele es sich "nicht um eine gewöhnliche Wachstumsdelle": "Amerika muss sich ändern, wenn sich die Lage nachhaltig verbessern soll."

Deutschland als Vorbild

Volcker empfiehlt dem US-Präsidenten, dem Beispiel Deutschlands zu folgen und wieder eine produzierende Industrie mit exportfähigen Produkten aufzubauen: "Ich finde es bewundernswert, wie es Deutschland trotz der höheren Lohnkosten schafft, immer noch eine so dominante Exportnation zu sein. Ich wünschte, wir hätten auch weniger Finanzingenieure und dafür mehr echte Ingenieure, zum Beispiel im Maschinenbau." Amerika brauche wieder "eine breitere Basis für eine produzierende Industrie". Ein "Kulturbruch" sei notwendig, so Volcker.

In der Finanzwirtschaft rät Volcker zur Entflechtung der großen Investmentbanken: "Die Banken sollen sich meiner Meinung nach weitgehend aus den Kapitalmärkten raushalten, dadurch werden sie automatisch kleiner und sind besser zu steuern, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Sie sollten die Finger lassen von Hedgefonds, von Equityfonds, vom Terminhandel und überhaupt vom sogenannten Eigenhandel, also dem Investieren und Spekulieren ohne Kundenauftrag."

Eine Beschneidung der Unabhängigkeit der US-Notenbank, wie sie derzeit vom US-Kongress diskutiert wird, lehnt Volcker entschieden ab: "Jeglicher Verlust an Unabhängigkeit oder Autorität der Fed wäre eine äußerst ernste Angelegenheit für die USA." Es gehe hierbei nicht nur um Geldpolitik, sondern um das weltweite Ansehen der USA.

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