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Streiks in Südeuropa: Demonstranten gegen Polizei

Foto: Manuel De Almeida/ dpa

Europaweite Spar-Proteste Dutzende Verletzte bei Streiktag-Krawallen

Bei europaweiten Anti-Spar-Protesten mit Millionen Demonstranten ist es am Abend zu schweren Krawallen gekommen. In Lissabon, Rom, Madrid und Barcelona gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei, Dutzende Menschen wurden verletzt.

Lissabon/Madrid/Rom - In Portugal war es bei den Anti-Spar-Protesten zunächst weitgehend friedlich geblieben. Am Abend allerdings eskalierte eine Kundgebung in der Hauptstadt Lissabon, nachdem Demonstranten mit Steinen, Flaschen, Böllern und Farbbeuteln nach Polizisten geworfen hatten. Die Beamten gingen danach massiv gegen die Demonstranten vor und setzten dabei Hunde, Schutzschilder und Schlagstöcke ein.

Laut der Nachrichtenagentur Lusa hätten Polizisten sogar Schüsse in die Luft gefeuert, um die Gruppe der Protestierenden auseinanderzutreiben. Im Zentrum der portugiesischen Hauptstadt sollen laut Medienberichten zudem mehrere Feuer gelegt worden sein.

74 Verletzte in Spanien

Der Chef der Mitte-Rechts-Regierung, Pedro Passos Coelho, sagte, er habe den Einsatz der Polizei nicht gesehen und wolle ihn deshalb vorerst nicht kommentieren. Polizeisprecher Jairo Campos rechtfertigte unterdessen den Einsatz: "Die Beamten wurden 45 Minuten lang provoziert", sie seien "in Gefahr" gewesen. Laut Behörden gab mehrere Festnahmen.

Auch in Madrid und Barcelona kam es im Anschluss an Kundgebungen zu gewaltsam Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. In Madrid versammelten sich rund 1000 Personen auf dem Neptun-Platz in der Nähe des Parlaments. Randalierer bewarfen Polizisten mit Gegenständen, die Beatmen gingen mehrfach mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor.

In Barcelona warfen Demonstranten laut Medienberichten Steine auf Polizisten, zudem seien zwei Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt worden. In Spanien wurden bei Demonstrationen während eines landesweiten Generalstreiks nach Angaben der Behörden insgesamt 74 Menschen verletzt, darunter 18 Polizeibeamte. Etwa 120 Streikende wurden nach Zusammenstößen mit der Polizei festgenommen. Insgesamt hatten laut Innenministerium 800.000 Menschen an den Kundgebungen in ganz Spanien teilgenommen. Die Gewerkschaften sprachen allein in Madrid und Barcelona von zwei Millionen.

Von Guerilla-ähnlichen Szenen sprachen Reporter in Rom. Schüler und Studenten warfen Steine, Flaschen und Sprengsätze auf die Polizei, die Sicherheitskräfte rückten mit gepanzerten Fahrzeugen vor. In Turin wurden drei Polizisten bei Krawallen verletzt, einer von ihnen schwer.

Die Gewerkschaften in ganz Europa hatten zu Streiks und Protesten gegen die strikte Sparpolitik in ihren Ländern aufgerufen. Millionen Beschäftigte legten in mehreren Euro-Krisenländern die Arbeit nieder. In Spanien und Portugal brachten 24-stündige Generalstreiks ganze Wirtschaftsbereiche zum Erliegen. Von den Aktionen waren auch der internationale Flug- und Bahnverkehr betroffen. Ein Verkehrschaos blieb jedoch weitgehend aus.

max/dpa
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