Stresstest EZB überprüft 24 deutsche Banken

Die großen Geldhäuser der Euro-Zone müssen zum Bilanz-TÜV: Die Europäische Zentralbank prüft ab November 124 Banken intensiv, 24 davon aus Deutschland. Unter anderem müssen die Institute ein hartes Kernkapital von acht Prozent vorweisen.
Finanzzentrum Frankfurt am Main: So viele Kandidaten wie nirgends sonst

Finanzzentrum Frankfurt am Main: So viele Kandidaten wie nirgends sonst

Foto: © Kai Pfaffenbach / Reuters/ REUTERS

Frankfurt am Main - Für 124 Banken in der Euro-Zone wird es nun ernst: Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Institute in den nächsten zwölf Monaten einer strengen Bilanzprüfung und einem Stresstest unterziehen. Darunter sind 24 deutsche Banken, so viele wie aus keinem anderen Land, wie die EZB mitteilte. So sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Notenbank im November 2014 die Aufsicht über die wichtigsten Banken der Euro-Zone übernehmen kann. Mit Ergebnissen der Testreihe ist in einem Jahr zu rechnen.

Die Deutsche Bank   und die Commerzbank  , die DZ Bank und die sechs großen Landesbanken waren ohnehin gesetzt. Doch auch die IKB  , 2007 das erste Opfer der Finanzkrise in Deutschland, sowie die Volkswagen Bank und die Muttergesellschaft der Bausparkasse Wüstenrot müssen sich der Prüfung unterziehen. Die Förderbank KfW untersteht zwar nicht der Bankenaufsicht, ihr Exportfinanzierer KfW-IPEX hingegen schon. Als einzige Sparkasse ist die Hamburger Haspa betroffen.

Die EZB gab auch Details zu den Kriterien bekannt. So müssen die Geldhäuser ein Eigenkapitalpolster von acht Prozent vorweisen - bezogen auf ihre risikogewichteten Anlagen. In dem dreistufigen Test nimmt die Notenbank alle Banken unter die Lupe, die in einem Jahr von ihr beaufsichtigt werden könnten - also auch Grenzfälle, die knapp unter der dafür festgelegten Schwelle von 30 Milliarden Euro Bilanzsumme liegen.

Die Entscheidung, wer tatsächlich künftig von der EZB beaufsichtigt wird, fällt erst im kommenden Jahr. Entscheidend sind dann die Jahresabschlüsse für das Jahr 2013. Die 24 deutschen Teilnehmer decken nach Angaben der Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin 65 Prozent des Bankensektors ab. Für die Euro-Zone und alle Prüfkandidaten insgesamt liegt dieser Wert bei 85 Prozent.

Kernkapitalquote liegt bei zwölf Prozent

"Transparenz ist das vorrangige Ziel", sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Die Banken in Europa hätten zwar in den fünf Jahren seit der Finanzkrise schon viel getan, um ihre Bilanzen aufzuräumen und ihre Geschäftsmodelle umzubauen. Unter anderem hätten sie 225 Milliarden Euro Kapital eingesammelt und weitere 275 Milliarden Euro an Staatshilfen erhalten.

Trotzdem herrsche an den Finanzmärkten der Eindruck, die Bilanzen seien nicht transparent genug und in ihnen schlummerten noch unerkannte Risiken. "Wir erwarten, dass diese Überprüfung das Vertrauen des privaten Sektors in die Banken der Euro-Zone und in die Qualität von deren Bilanzen stärken wird", sagte Draghi.

Die meisten Großbanken Europas haben die Acht-Prozent-Hürde in den vergangenen Jahren locker genommen. Sie entspricht dem Wert, den Banken weltweit eigentlich erst Anfang 2019 erreichen müssten, zuzüglich eines Puffers von einem Prozentpunkt. Laut EZB liegt die Kapitalausstattung im Mittel bei fast zwölf Prozent. Allerdings erkennt die Notenbank für den anstehenden Stresstest noch Staatshilfen teilweise an - bei den ab 2019 geltenden Basel-III-Vorschriften wird das nicht mehr der Fall sein.

Dennoch erwarten Experten, dass einige der teilnehmenden Banken durch den Test fallen werden. Denn die EZB prüft auch genau, ob die Risiken in den Bilanzen richtig bewertet wurden.

fdi/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.