Sommer-Zwischenbilanz Sonnen-, Wind- und Gasenergie verdrängen zunehmend Kohlestrom vom Markt

In diesem Sommer wurde besonders wenig Strom aus Kohle erzeugt. Stattdessen registrierten Experten einen hohen Anstieg bei Solarenergie und Windkraft - sowie bei Gas.
Windräder bei Husum: Der Ausbau der Windenergie stockt

Windräder bei Husum: Der Ausbau der Windenergie stockt

Foto: Frank Molter/DPA

Ein kräftiges Plus bei den erneuerbaren Energien und ein deutlicher Rückgang bei Strom aus Kohlekraftwerken - so lautet eine erste Sommer-Bilanz des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesystem ISE. Dessen Berechnungen zufolge speisten Windräder und Photovoltaikanlagen von Juni bis August zusammen 39,3 Terawattstunden Strom in das öffentliche Netz ein. Das waren gut zehn Prozent mehr als in den Sommermonaten des vergangenen Jahres.

Deutlich weniger Strom als im Sommer 2018 produzierten dagegen Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke, teilte das Institut mit. Die ins öffentliche Netz eingespeiste Menge an Braunkohlestrom war mit gut 21,6 Terawattstunden im Sommer 2019 um mehr als ein Drittel niedriger als im Vorjahr. Der Steinkohlestrom lag mit acht Terawattstunden sogar um 50 Prozent unter dem Wert des Sommers 2018. Dagegen stieg die Stromerzeugung aus Gas um fast 50 Prozent.

"Die Stromerzeugung in den letzten drei Monaten war sehr spannend: die Gaspreise und die Börsenstrompreise waren niedrig und die CO2-Zertifikatspreise waren hoch", sagte Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut. Das habe dazu geführt, dass Braun- und Steinkohlekraftwerke aus dem Markt gedrängt wurden und auch die Exportüberschüsse beim Strom zurückgingen. Wegen der niedrigeren CO2-Emissionen der Gaskraftwerke und der günstigen Gaspreise habe es einen Wechsel von der Kohle zum Gas gegeben.

Windkraftausbau in der Krise

Auch bei der Solarenergie gab es im Juni ein kräftiges Plus. Erstmals war Photovoltaik sogar die stärkste Energiequelle in einem einzelnen Monat. Insgesamt betrug die Solarstromerzeugung von Juni bis August 19,3 Terawattstunden, gut vier Prozent mehr als 2018. Windenergieanlagen lieferten in diesem Zeitraum den ISE-Berechnungen zufolge knapp 20 Terawattstunden Strom. Hier betrug das Plus sogar fast 20 Prozent, weil der Wind im Juli deutlich stärker wehte als im gleichen Monat des vergangenen Jahres.

Nach Angaben der Denkfabrik Agora ist der Anstieg der Solarstromerzeugung auch eine Folge des Zubaus neuer Solaranlagen im ersten Halbjahr 2019 mit einer Leistung von zwei Gigawatt. "Solarstrom ist inzwischen nicht nur eine der günstigen Arten, Strom zu erzeugen, er ist auch unbedingt nötig, um die Energiewende in Deutschland zu schaffen und die Klimakrise zu bekämpfen", sagte Agora-Direktor Patrick Graichen. Deshalb müsse der immer noch existierende Ausbaudeckel von 52 Gigawatt schnellstmöglich weg. "Diese Marke könnte schon nächstes Jahr erreicht werden, dann würde der Ausbau abrupt zum Stehen kommen", warnte Graichen.

Beim Ausbau der Windkraft gibt es bereits große Probleme. Von Anfang Januar bis Ende Juni kamen in ganz Deutschland unterm Strich nur 35 neue Windräder hinzu. Es war die niedrigste Neubaurate seit dem Jahr 2000.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien steht auch deshalb besonders im Fokus, weil Deutschland bis 2038 aus der Stromgewinnung aus Kohle aussteigen soll. In den Kohle-Regionen in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt hängen aber noch Tausende Jobs an der Kohle. Darum will das Bundeskabinett am Mittwoch einen Gesetzentwurf zu Milliardenhilfen für den Strukturwandel in den Kohle-Regionen beschließen.

In dem Entwurf geht es unter anderem um die Verteilung von bis zu 14 Milliarden Euro "für besonders bedeutsame Investitionen" in Braunkohleregionen. Damit bei anderen Vorhaben des Bundes nicht zugunsten der vom Kohleausstieg betroffenen Gebiete gespart werden muss, sehen die Pläne zusätzliche "Verstärkungsmittel" für die Ministerien vor.

Der Beschluss kommt kurz vor den Landtagswahlen im Osten, wo viele Menschen vom Kohleausstieg betroffen sind. So wird am Sonntag in Brandenburg und Sachsen ein neuer Landtag gewählt.

mmq/dpa
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