Hohe Strompreise Altmaier verspricht Gratis-Energieberatung für alle

Die hohen Strompreise werden für viele zum Problem, doch Sozialtarife lehnt Umweltminister Altmaier ab. Nun legt der CDU-Politiker einen anderen Plan vor - eine kostenlose Energieberatung für alle. So sollen die Bürger lernen, ihren Verbrauch zu reduzieren.
Umweltminister Altmaier: "Soziale Gerechtigkeit im Blick behalten"

Umweltminister Altmaier: "Soziale Gerechtigkeit im Blick behalten"

Foto: dapd

Berlin - Was kostet die Energiewende den Verbraucher? Diese Frage dürfte im anstehenden Bundestagswahlkampf eine entscheidende Rolle spielen. Und offenbar herrscht in der Regierung Sorge, dass die Bürger sich wegen steigender Strompreise von Union und FDP abwenden. An diesem Donnerstag will Umweltminister Peter Altmaier (CDU) nun sein Programm für die kommenden zwölf Monate vorstellen.

Fest steht, dass Altmaier Sozialtarife für Hartz-IV-Empfänger ablehnt. Dafür stellt er jetzt jedoch etwas anderes in Aussicht: eine kostenlose Energieberatung für alle Bürger. Das würde auch Menschen mit einem geringen Einkommen helfen, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der WAZ-Gruppe. "Wir müssen die Frage der sozialen Gerechtigkeit bei der Energiewende im Blick behalten." Wie die Gratis-Energieberatung konkret aussehen könnte, sagte der Umweltminister nicht.

Professionelle Energieberater geben Privatleuten Tipps, wo und wie sie in ihrem Haushalt Energie sparen können. Sie raten beispielsweise zur Anschaffung energiesparender Geräte oder zum Abschalten des Stand-by-Modus. Auch Gebäudedämmung ist ein wichtiges Betätigungsfeld von Energieberatern. Ihre Dienste kosten je nach Fall mehrere hundert oder gar tausend Euro. Im Idealfall holen die Verbraucher diese Summe wieder herein, wenn sie ordentlich Energie und damit Geld sparen.

Bislang ist Strom wegen der Energiewende kaum teurer geworden. Obwohl acht von 17 Atomkraftwerken abgeschaltet wurden, sind die Kosten für Verbraucher nicht stärker gestiegen als in den Jahren davor. Das könnte sich allerdings bald ändern. Im Herbst dürfte die EEG-Umlage, die alle Haushalte bezahlen, von derzeit 3,5 Cent auf rund fünf Cent steigen. Die Umlage dient dazu, Betreibern von Wind-, Solar- und Biogasanlagen einen fixen Preis für die Energie zu garantieren, die sie produzieren.

Im Mittelpunkt von Altmaiers Zehn-Punkte-Programm steht neben der Eindämmung der Kosten eine bessere Koordination der Energiewende. Zudem strebt er mit Bund und Ländern eine neue, bundesweite Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll an. Das Recycling von Abfällen will er durch die Einführung einer bundesweit einheitlichen Wertstofftonne stärken.

Altmaier ist erst seit Mai Umweltminister. Er übernahm das Amt von Norbert Röttgen, der als CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ein Debakel erlebt hatte. Daraufhin hatte Kanzlerin Angela Merkel ihn entlassen.

Greenpeace fordert Kohleausstieg

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace stellte vor Altmaiers Auftritt an diesem Donnerstag ein eigenes Zehn-Punkte-Programm auf - mit Forderungen an den Minister. So solle die stromintensive Industrie stärker an der Finanzierung der Energiewende beteiligt werden, um nicht einseitig Bürger und kleinere Unternehmen mit den Kosten zur Förderung von Solar- und Windenergie zu belasten.

Zudem müsse mehr für Energieeinsparungen getan werden, und der Stromnetzausbau könne weit geringer ausfallen als bisher geplant. Ferner fordert Greenpeace ein Ende der Braunkohleverstromung bis 2030 und einen Steinkohleausstieg bis 2040.

Stattdessen solle die Regierung auf Gaskraftwerke setzen, um die je nach Wetter schwankende Wind- und Solarstromproduktion auszugleichen. Zudem müsse Altmaier die Energiewende auch im Verkehr voranbringen und bei einer neuen Endlagersuche den bisher favorisierten Standort Gorleben von vornherein ausschließen, so Greenpeace.

cte/dpa
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