Studie zu Lebenserwartung Arbeitslosigkeit kann Sterberisiko verdoppeln

Wer arm oder arbeitslos ist, lebt statistisch gesehen kürzer. Das ist das Ergebnis einer Studie des Max-Planck-Instituts. Eine Gruppe ist besonders betroffen.

Ein Flaschensammler in Berlin: Menschen ohne Job haben ein höheres Sterberisiko
Kay Nietfeld / DPA

Ein Flaschensammler in Berlin: Menschen ohne Job haben ein höheres Sterberisiko


In Deutschland geht die Zahl der Arbeitslosen zurück - aber Experten warnen, dass sich die schwächelnde Konjunktur bald auch auf den Arbeitsmarkt auswirken könnte. So oder so - wer seinen Job verliert, leidet darunter. Wie weitreichend die Folgen sind, zeigt eine neue Studie. Demnach gehen Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlte Arbeit auch mit einer verkürzten Lebenserwartung einher.

Bei Männern im Alter von 30 bis 59 Jahren liegt die Sterblichkeit des am schlechtesten verdienenden Fünftels um 150 Prozent über der des am besten verdienenden Fünftels, berichten Forscher des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR).

Arbeitslosigkeit verdoppelt bei Männern in dieser Altersgruppe das Sterberisiko, fanden die Wissenschaftler heraus. Schlechtere Bildung erhöhe es um etwa 30 Prozent, schreiben sie im Fachblatt "BMJ Open". Bei Frauen beeinflussen Bildung und Arbeitslosigkeit die Sterblichkeit ähnlich stark - das Einkommen ist aber weniger entscheidend als bei Männern.

Die Forscher werteten die anonymisierten Rentenversicherungsdaten von 27 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus, die im Jahr 2013 zwischen 30 und 59 Jahre alt waren. In dem Jahr starben mehr als 42.000 Menschen aus der Gruppe. Den Einfluss des Alters auf das Sterberisiko rechneten sie dabei heraus, damit nur Faktoren wie Arbeitslosigkeit und Einkommen als Erklärung für die Ergebnisse infrage kommen.

Ostdeutsche Männer besonders betroffen

Wie stark Einkommen und Arbeitsstatus die Lebenserwartung beeinflussen können, zeigen die Zahlen aus Ostdeutschland. Dort zählen den Forschern zufolge 14 Prozent der Männer zur untersten Einkommens- und Bildungsschicht. "Diese Gruppe hat im Vergleich zur höchsten Einkommens- und Bildungsschicht ein mehr als achtmal so hohes Sterberisiko", sagt der Wissenschaftler Pavel Grigoriev.

Zum Vergleich: Im Westen gehören nur rund elf Prozent aller Männer zur am stärksten benachteiligten Gruppe, mit einem gut fünfmal erhöhten Sterberisiko sind sie etwas weniger stark benachteiligt als die gleiche Gruppe in Ostdeutschland. Auch eine Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) vom März dieses Jahres hatte Menschen in Ostdeutschland ein höheres Sterberisiko bescheinigt.

Aus den vom Max-Planck-Institut ausgewerteten Daten geht nicht hervor, warum genau Arme und Arbeitslose ein höheres Sterberisiko haben. Dennis Nowak vom Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München, der nicht an der Studie beteiligt war, vermutet auch die Lebensweise dahinter: Arbeitslose rauchten im Schnitt mehr und ernährten sich ungesünder.

Häufig folgen laut Nowak auf Arbeitslosigkeit zudem psychische und körperliche Erkrankungen. "Ein nicht so ganz toller Arbeitsplatz ist oft immer noch besser als gar keiner", sagt Nowak. Gleichzeitig sei Bildung der Schlüssel für Arbeit und gutes Einkommen.

kko/dpa



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