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Uno-Bericht: Weltweit steigt die Jugendarbeitslosigkeit

Foto: PANTELIS SAITAS/ picture alliance / dpa

Uno-Studie Jugendliche resignieren bei der Jobsuche

Die Wirtschaftskrise hat verheerende Folgen für junge Menschen. Laut einer Studie der Arbeitsorganisation ILO sinken weltweit die Chancen Jugendlicher, Stellen zu finden, viele resignieren und suchen gar nicht mehr. Die Forscher verlangen deshalb eine Jobgarantie für Schulabgänger.

Genf - Die Zahlen geben nur auf den ersten Blick Anlass zu Optimismus. Laut Uno-Experten wird die Jugendarbeitslosigkeit in den Industrieländern bis 2017 leicht zurückgehen - von derzeit 17,5 auf 15,6 Prozent. Das geht aus einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO  hervor, die am Dienstag vorgestellt wurde.

Im weltweiten Durchschnitt werde die Quote bei den 15- bis 24-Jährigen aber steigen. Und auch in den reichen Ländern ist die Entwicklung nicht so positiv, wie die Zahlen vermuten lassen. Denn erstens liegt die prognostizierte Quote immer noch deutlich über dem Niveau vor der Finanzkrise, sagt der Autor der Studie, Ekkehard Ernst. 2007 hatten demnach 12,5 Prozent der jungen Menschen in den Industrieländern keinen Job. Der zweite Punkt, den die Forscher hervorheben, ist noch entscheidender: Demnach sinkt die Quote auch deshalb, weil immer mehr junge Menschen gar nicht mehr in der offiziellen Arbeitsmarktstatistik auftauchen.

"Viele fallen ganz heraus", sagt Ernst, "weil sie nicht mehr aktiv einen Job suchen. Sie sehen für sich keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt und warten darauf, dass die Zeiten besser werden." Ein großes Problem in Industrieländern sei auch, dass viele Jugendliche für die freien Stellen nicht ausreichend qualifiziert seien. Ein Beispiel: Ein Bauarbeiter, der seinen Job wegen einer geplatzten Immobilienblase verloren hat, tut sich schwer, in boomenden Branchen Arbeit zu finden.

Unzählige erfolglose Bewerbungen führen dazu, dass die jungen Leute die Hoffnung verlieren, sagt Ernst. Seine Organisation verzeichne einen Anstieg der sogenannten Neet-Quote ("Neither in employment, education or training"). Sie beschreibt den Anteil junger Menschen, die weder arbeiten noch eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass die Euro-Krise weltweit die Jobsituation junger Menschen verschlechtert. Wegen sinkender Exporte in die Euro-Zone steige etwa in Ostasien die Jugendarbeitslosigkeit von derzeit 9,5 auf 10,4 Prozent im Jahr 2017. In Nordafrika und dem Mittleren Osten verharre die Quote deutlich über 25 Prozent - und drohe sogar weiter zu steigen.

Staaten sollen mehr Geld für Job-Programme ausgeben

Insgesamt haben weltweit inzwischen fast 75 Millionen junge Menschen keinen Job. Das sind vier Millionen mehr als noch 2007. In Europa gibt es krasse Unterschiede: In Spanien und Griechenland liegt die Jugendarbeitslosigkeit über 50 Prozent. In Deutschland und der Schweiz sind es weniger als zehn Prozent.

Die ILO fordert von Politik und Wirtschaft, Jugendarbeitslosigkeit entschiedener zu bekämpfen. Die Regierungen müssten Job-Programme für junge Menschen schaffen und intensivieren. Als vorbildlich bezeichnen die Forscher Jobgarantien, die etwa Österreich, Finnland und Norwegen eingeführt haben. In Schweden gibt es Steuererleichterungen für Unternehmen, die mehr Jugendliche einstellen.

Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat sich bereits für eine solche Jobgarantie ausgesprochen. Die Idee: Der Staat solle sicherstellen, dass alle jungen Menschen einen Job oder eine Ausbildung bekommen - und zwar innerhalb von vier Monaten nach dem Schulabschluss.

Die Kosten dafür seien gar nicht so hoch, rechnet die ILO vor. In europäischen Ländern würde solche Programme weniger als 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung kosten. Das möge angesichts der miserablen Haushaltslage vieler Euro-Länder immer noch viel erscheinen. Es sei aber letztlich billiger als die Zusatzkosten, die entstehen, wenn immer mehr Jugendliche den Anschluss an die Arbeitswelt verlieren.

cte/dpa
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