Studie zur Stabilität Eurozone ist krisenfester geworden

Die griechische Schuldenkrise bedrohte die Eurozone. Die Rettung glückte - auch langfristig: Einer Studie zufolge ist der Währungsraum zuletzt deutlich stabiler geworden. Doch ein paar Risiken bleiben.
Graffito in Athen 2015: Teufelskreis zwischen Staatsschulden und Problemen der Banken

Graffito in Athen 2015: Teufelskreis zwischen Staatsschulden und Problemen der Banken

Foto: Socrates Baltagiannis/dpa

Dieses Ergebnis dürfte auch das Vermächtnis des am Montag verabschiedeten EZB-Präsidenten Mario Draghi sein: Die Eurozone hat laut einer Studie in den vergangenen Jahren deutlich an Stabilität gewonnen. Ein Auseinanderbrechen oder zumindest ein Ausscheiden von einzelnen hoch verschuldeten Staaten ist jedenfalls in weite Ferne gerückt. Das geht aus der Untersuchung von Christoph Kaserer von der Technischen Universität München hervor, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Mehrere Neuerungen hätten die Lage verbessert. Die Studie nennt etwa den Rettungsfonds ESM, die neue Praxis bei der Überwachung von Banken, die Möglichkeit einer Abwicklung maroder Geldhäuser sowie Maßnahmen der Europäischen Zentralbank. Die jüngste Debatte über höhere Haushaltsdefizite in Italien habe gezeigt, dass die Ansteckungsgefahren in der Eurozone mittlerweile eingedämmt seien.

Abhängigkeit von Staatsanleihen als Problem

Trotz der Beruhigung im Vergleich zu den Jahren 2010 bis 2012 bleibe das System an einigen Stellen aber anfällig. Es gebe aber noch immer einen Teufelskreis zwischen hohen Staatsschulden und Problemen der Banken in den jeweiligen Ländern. Hier empfiehlt Kaserer, Staatsanleihen in den Bilanzen von Finanzinstituten mit Eigenkapital zu unterlegen - und damit einen Sicherheitspuffer einzuziehen. "Diese Idee sollte man weiterverfolgen."

Zudem kann der Studie zufolge der hohe Bestand an heimischen Staatsanleihen in den Bank-Bilanzen, vor allem in Italien und Spanien, gefährlich sein. "Problematisch ist diese Abhängigkeit, weil sie krisenverschärfend wirkt", heißt es. Grund: Verschlechtert sich die Bonität eines Staates, bekommen auch die Banken Probleme. Die Institute müssen dann mehr Geld zahlen, um liquide zu bleiben. "Dies führt letztlich zu einer Verteuerung von Krediten, was sich wiederum negativ auf Investitionen und damit Wachstum auswirkt", sagte Kaserer. In dem Teufelskreis nehme der Staat dann weniger Steuern ein und laufe Gefahr, eine noch schlechtere Bonitätsnote zu bekommen.

Die Fortschritte in diesem Bereich seien seit der Eurokrise überschaubar, konstatiert Kaserer. Eine Unterlegung von Staatsanleihen mit Eigenkapital würde diese Wertpapiere weniger attraktiv machen und dazu führen, dass Klumpenrisiken zurückgehen dürften. Der Teufelskreis könne dadurch zumindest ein Stück durchbrochen werden.

In Auftrag gegeben hat die Studie die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Deren Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt sagte, es brauche politische Anreize für Länder mit hoher Verschuldung, in der Fiskalpolitik mehr Disziplin zu wahren.

apr/Reuters
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