Studie Greenpeace hält Atomausstieg bis 2015 für realistisch

Greenpeace kontert die Atomlobby: Der Turbo-Ausstieg aus der Atomkraft ist möglich,  behauptet die Umweltorganisation in einer neuen Studie. Demnach könne Deutschland auf die sieben Alt-Meiler ganz verzichten - und pro Jahr zwei weitere Kernkraftwerke vom Netz nehmen.
Atomkraftwerk Neckarwestheim: Stromversorgung auch ohne Kernkraft problemlos?

Atomkraftwerk Neckarwestheim: Stromversorgung auch ohne Kernkraft problemlos?

Foto: Patrick Seeger/ dpa

Hamburg - Wie schnell kann Deutschland aus der Atomkraft aussteigen? Nach der Katastrophe in Fukushima ist ein Schlagabtausch zwischen Atomlobby und Umweltverbänden entbrannt. Am Montag hatte der Energieverband BDEW vorgelegt - und gewarnt, Deutschland müsse nach der Abschaltung von sieben Alt-Meilern Atomstrom aus Frankreich importieren. Ein rascher Ausstieg würde zudem die Strompreise massiv in die Höhe treiben, im schlimmsten Fall drohe gar ein Blackout, sagte ein RWE-Manager.

Nun kontert die Umweltorganisation Greenpeace: Deren Energieexperten haben eine Studie vorgelegt, wonach Deutschland bereits 2015 komplett aus der Atomkraft aussteigen kann - ohne dass dadurch die Stromversorgung gefährdet sei oder höhere Energiekosten entstünden.

Die These von Greenpeace: Alle sieben Kraftwerke, die nach dem Moratorium der Bundesregierung vom Netz sind, können abgeschaltet bleiben. Auch Neckarwestheim 2 könne noch in diesem Jahr stillgelegt werden. Bis 2015 könnten dann pro Jahr zwei weitere Atomkraftwerke vom Netz genommen werden - als letzte dann in vier Jahren die AKW Isar 2 und Emsland (siehe Grafiken in der Fotostrecke).

Fotostrecke

Grafiken: Greenpeace-Zeitplan für den Atomausstieg

Foto: Greenpeace

Die Umweltorganisation beruft sich auf aktuelle Kraftwerksplanungen. Bereits jetzt gebe es in Deutschland Überkapazitäten, außerdem seien 51 weitere Kraftwerke im Bau, darunter knapp 20 Gaskraftwerke und zehn Offshore-Windparks. Für die 17 Atommeiler müssten Kapazitäten von 21.000 Megawatt ersetzt werden. Selbst wenn Windstille herrsche und kaum Energie aus Solaranlagen zur Verfügung stehe, sei die Versorgung gesichert.

Die Drohungen der Energielobby, Deutschland müsse Atomstrom aus Frankreich und Tschechien importieren, bezeichnet Greenpeace als künstliche Debatte. Das Problem sei, dass sich die Versorger immer mit dem günstigsten Strom versorgen würden - und der könne auch mal verstärkt von französischen Atomkraftwerken kommen. Es sei keineswegs so, dass die Kapazitäten in Deutschland nicht ausreichen würden.

Greenpeace setzt auf Erdgas, Wind und Sonne

Greenpeace setzt bei seinem Konzept für eine Energiewende sogar darauf, dass der zusätzliche Energiebedarf ohne einen massiven Neubau von Kohlekraftwerken zu bedienen sei. Der Strom könne von geplanten Gaskraftwerken, Wind- und Solaranlagen kommen. Laut Greenpeace würden weniger Kohlekraftwerke benötigt, als zurzeit gebaut werden.

Warum die Organisation diesen Punkt so betont, ist klar: Eine verstärkte Nutzung von Kohle würde die Klimaschutzforderungen von Greenpeace ad Absurdum führen. Deshalb sagt Andree Böhling, Energieexperte bei Greenpeace, zusätzliche Kohlekraftwerke seien nicht nötig und würden das Klimaproblem verschärfen.

Böhling fordert von der Bundesregierung nun, sich "am Machbaren zu orientieren". Und das sei ein Zeitplan bis 2015 "und nicht 2017, 2020 oder später. Alles andere wäre ein fauler Kompromiss, sagt Böhling, bei dem "die Interessen der Atomkonzerne über das Sicherheitsbedürfnis der Bürger gestellt würden".

cte