Studie Kinder im Ruhrgebiet ärmer als in Ostdeutschland

Jedes siebte Kind unter 15 Jahren lebt von Hartz IV. Das ist das Ergebnis einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Während sich die Lage in Ostdeutschland zum Teil verbessert, sei die Entwicklung im Ruhrgebiet besorgniserregend.

Jugendliche: Kinderarmut im Ruhrgebiet
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Jugendliche: Kinderarmut im Ruhrgebiet


Berlin - Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat vor einer Verfestigung der Kinderarmut in Deutschland gewarnt. Zwar habe die absolute Zahl der armen Kinder in Deutschland seit 2006 um gut 15 Prozent auf 1,618 Millionen abgenommen. Die Armutsquote - die den Anteil von Kindern in Familien mit Hartz-IV-Anspruch misst - sei aber bundesweit kaum zurückgegangen.

Damit stehe fest: "Es gibt keinen Anlass zum Jubel. Wir haben nach wie vor eine skandalös hohe Kinderarmut. Die gute Arbeitsmarktentwicklung kommt bei Kindern in Hartz IV kaum an", sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider, bei der Vorlage einer Studie zur Kinderarmut.

Danach lebt in Deutschland jedes siebte Kind unter 15 Jahren von Hartz-IV-Leistungen, in Ostdeutschland ist es jedes vierte Kind. In Berlin - dem Länder-Schlusslicht - ist sogar jedes dritte Kind auf Hartz IV angewiesen.

Im Osten dagegen gibt es eine positive Entwicklung, die Armutsquote sank von 30,5 auf 24,1 Prozent. Am stärksten war dieser Trend in Thüringen, es folgen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Am bescheidensten fiel der Rückgang im Länder-Vergleich mit 9,4 Prozent in Berlin aus.

Besorgniserregend nannte Schneider die Entwicklung im Ruhrgebiet. Bei steigender Tendenz liege die Kinder-Armutsquote (25,6 Prozent) dort höher als in Ostdeutschland. Trauriger Spitzenreiter im Städtevergleich sei Gelsenkirchen mit einem Anteil von 34,4 Prozent armer Kinder. Die Entwicklung in Städten wie Mülheim oder Hamm mit Zuwächsen von bis zu 48 Prozent in fünf Jahren sei alarmierend.

Nach der Studie sind kinderreiche Familien und Alleinerziehende besonders armutsgefährdet. Schneider kritisierte deshalb erneut die Arbeitsmarkt- und Sparpolitik der Bundesregierung: Es greife zu kurz, wenn man vor allem auf den Ausbau der Kinderbetreuung setze, denn die Hälfte der Frauen habe keinen Berufsabschluss. "Ohne passgenaue Hilfen bei der Qualifizierung und ohne öffentlich geförderte Beschäftigungsangebote wird man den meisten Alleinerziehenden im Hartz-IV-Bezug nicht helfen können."

Schneider forderte eine Reform des Kinderzuschlags, da dieser zu wenig Niedrigverdiener vor dem Abrutschen in Hartz IV bewahre, sowie eine kräftige Erhöhung der Hartz-IV-Kinderregelsätze. Sein Fazit: "Hartz IV zerstört Kindheiten."

cte/dpa



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