Studie über Fehlzeiten Welche Jobs krank machen

Müllmänner fehlen fast sechs Wochen pro Jahr wegen Krankheit, das ist deutscher Rekord. Auch in anderen Berufen steigt laut einer AOK-Studie die Zahl der stressbedingten Ausfälle. Nur Hochschullehrer und Ingenieure haben kaum Fehlzeiten - SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Jobs krank machen.

DDP

Hamburg - Die Deutschen haben Rücken. Das Leiden von Hape Kerkelings Kunstfigur Horst Schlämmer ist mit Abstand der Krankheitsgrund Nummer eins. In allen Berufsgruppen fehlen die Beschäftigten am häufigsten wegen Problemen mit Muskulatur und Skelett. Das hat eine Untersuchung der AOK ergeben, die Krankenkasse hat für ihren jährlichen Bericht die Fehlzeiten ihrer 9,7 Millionen Versicherten ausgewertet.

Zugenommen haben in den vergangenen Jahren aber vor allem die psychischen Erkrankungen, sagt Helmut Schröder, Herausgeber der Studie. Sie sind mittlerweile für 8,6 Prozent der Fehlzeiten verantwortlich - Platz vier der wichtigsten Krankheiten. Zudem fallen Arbeitnehmer bei stressbedingten Erkrankungen die längste Zeit am Stück aus: "Bei einer Atemwegserkrankung fehlt ein Beschäftigter im Schnitt 6,5 Tage, bei einer psychischen Erkrankung sind es fast 23 Tage", erläutert Schröder.

Fotostrecke

3  Bilder
Grafiken: Wo es die meisten Fehlzeiten gibt
Die "Zeit" widmet dem Thema Burn-out in dieser Woche ihre Titelgeschichte. Kopfschmerzen, Magen-Darm-Störungen, erhöhter Blutdruck, Herzrasen und Schweißausbrüche gehören demnach zu den ersten Warnzeichen. Typisch seien auch "erhöhter Konsum von Nikotin, Alkohol und Rauschmitteln, Missbrauch von Beruhigungs- und Aufputschmitteln". Wer die Symptome ignoriert, dem drohe der seelische Zusammenbruch, "die Kranken verlieren die Kontrolle über ihr Leben", schreibt die "Zeit".

Doch trotz zunehmender psychischer Erkrankungen - die meisten Krankheitstage fallen immer noch bei körperlich anstrengenden Berufen an. Straßenreiniger und Müllmänner fehlten laut AOK 2009 im Schnitt 28,8 Tage. Es folgen Waldarbeiter und Krankenpflegehelfer mit rund 25 Tagen. Auch Jobs im Baugewerbe liegen deutlich über dem AOK-Durchschnitt von 17,3 Tagen.

In dieser Branche wie auch in der Land- und Forstwirtschaft gibt es überdurchschnittlich viele Fehlzeiten wegen Verletzungen sowie Leiden an Muskulatur und Skelett. In der Dienstleistungs- und Verwaltungsbranche sind dagegen psychische Erkrankungen überrepräsentiert. Die wenigsten Fehlzeiten haben Hochschullehrer (4,9 Tage) und Ingenieure des Maschinen- und Fahrzeugbaus (6,3 Tage).

Ältere Arbeitnehmer sind laut AOK seltener krank, insgesamt aber länger. Frauen fehlen häufiger wegen Atemwegserkrankungen und Depressionen, Männer wegen Verletzungen und Leiden an Muskulatur und Skelett. Eine Übersicht der Fehlzeiten der einzelnen Berufe finden Sie in der Fotostrecke oben.

cte

insgesamt 76 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
entreotto 09.07.2010
1. Fehlzeiten und stressbedingte Ausfälle
Zitat von sysopMüllmänner fehlen fast sechs Wochen pro Jahr wegen Krankheit, das ist deutscher Rekord. Auch in anderen Berufen steigt laut einer AOK-Studie die Zahl der stressbedingten Ausfälle. Nur Hochschullehrer und Ingenieure haben kaum Fehlzeiten - SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Jobs krank machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,705576,00.html
DA bin ich wie immer sehr misstrauisch. Wer hat nicht die hohen Fehlzeiten seiner Lehrer in Erinnerung? Zudem hat ein Lehrer 3 Monate Urlaub im Jahr und viele gehen bekannterweise früh in Pension. Bei den Ingenieuren könnte es hinhauen, die haben oft gute Arbeitsbedingungen, hohe Gehälter, hoher Status; aber sind eben nicht verbeamtet und Ausfallzeiten sind für die Karriere nicht gerade förderlich.
xhess 09.07.2010
2. It
Ich glaub die haben die IT erst garnicht wahrgenommen, wie sollte es auch anders sein. Kennt man doch nur so. Und, ein Berufsstand gibt es immer noch nicht. Aber Prozentual glaube ich, die Bauarbeiter schon zu überflügeln.
einmaliger 09.07.2010
3. Weniger Fehlzeiten -> Gesünder?
Ich hätte mir zu der Statistik einen etwas kritischeren Artikel gewünscht. So mag der Beruf des Hochschullehrers nicht unbedingt der stressigste Job der Welt sein, aber aufgrund der äußerst flexiblen Arbeitszeiten schreibt man sich zumindest da wo ich arbeite so gut wie nie krank, sondern delegiert seine Arbeit und kuriert sich zuhause aus. Eine Krankschreibung ist meist nicht nötig, weil bei vielen Universitäten gar keine Anwesenheit erforderlich ist und die Arbeit relativ frei eingeteilt werden kann. Ebenso überraschend finde ich die geringen Fehlzeiten bei Unternehmensberater, sind doch gerade diese dafür bekannt, "verheizt" zu werden und oft schon nach zwei Jahren stressbedingt den Beruf wechseln zu lassen. Und wie ist das zu bewerten, dass Ärzte selten Fehlzeiten haben?
Klartext007 09.07.2010
4. Lehrer haben auch Gefühle
Zitat von entreottoDA bin ich wie immer sehr misstrauisch. Wer hat nicht die hohen Fehlzeiten seiner Lehrer in Erinnerung? Zudem hat ein Lehrer 3 Monate Urlaub im Jahr und viele gehen bekannterweise früh in Pension. Bei den Ingenieuren könnte es hinhauen, die haben oft gute Arbeitsbedingungen, hohe Gehälter, hoher Status; aber sind eben nicht verbeamtet und Ausfallzeiten sind für die Karriere nicht gerade förderlich.
Ich seh´s in der Schule unserer Kinder. Regelmäßige Ausfälle durch Krankheit, selbst in der Grundschule, sind die Normalität. Irgendwie muss es da eine Gesetzmäßigkeit geben. Meist sind die Lehrer im Anschluss an die Ferien (entschuldigung, ich meine natürlich unterrichtsfreie Zeit)noch mal ein zwei Wochen dienstunfähig. Wahrscheinlich sind 12 Wochen doch ziemlich hart. Alles natürlich ohne Folgen. Manche gehen auch mit 45 in Früpension. Wer badets aus? Raten Sie mal.
Maynemeinung 09.07.2010
5. Skepsis ist angesagt
Man sollte schon genauer hinschauen, als SPON es hier getan hat. Auf Basis der (bei gesetztlichen Kassen) erfassten Krankheitstage ein Ranking der am meisten gesundheitsgefährenden Jobs aufstellen zu wollen, greift zu kurz. Ist es nicht auffällig, dass in vielen der vermeinlich wenig gesundheitsgefährenden Branchen diejenigen zu finden sind, die privat oder anderweitig Versichert sind (auf jeden Fall nicht bei der AOK)? Die ach so gesunden Hochschullehrer müssen/werden sich viel seltener krank melden, weil es ihnen eh frei steht, wann und wo sie ihre Arbeit verrichten. Wie so oft bei SPON: Was die Überschrift verspricht, geben die Fakten des Artikels nicht her.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.