Studie Frauen übernehmen einen Großteil der Kinderbetreuung in der Coronakrise

Weniger Stunden im Job, mehr für die Kinder: Alltag für viele Mütter während der Coronakrise. Väter reduzieren ihre Arbeitszeit seltener zugunsten der Familie, bestätigt eine Studie.
Mutter mit Kind im Homeoffice (Symbolbild)

Mutter mit Kind im Homeoffice (Symbolbild)

Foto: Steve Brookland/ imago images/Westend61

Viele Mütter dürfte das wenig überraschen: Die in der Coronakrise zusätzlich anfallende Betreuung von Kindern wird hauptsächlich von Frauen geleistet. So lautet das zentrale Ergebnis einer Studie , die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte.

"Die Pandemie legt nicht nur problematische Ungleichheiten in den wirtschaftlichen und sozialen Möglichkeiten offen, sie verschärft sie oft noch", sagte WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch. Die Forscherinnen ließen für die Auswertung im April mehr als 7600 Erwerbstätige online befragen.

Gut ein Viertel der Mütter arbeitet weniger

Weil Kitas und Schulen wochenlang geschlossen waren und der Regelbetrieb noch in weiter Ferne liegt, müssen etliche Kinder zu Hause betreut und unterrichtet werden. Es sind der Studie zufolge vor allem Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, um dieser Aufgabe nachzukommen - nämlich 27 Prozent der befragten Mütter mit Kindern unter 14 Jahren, aber nur 16 Prozent der Väter. Bei Haushalten mit kleinen oder mittleren Einkommen ist dieser Effekt den Forscherinnen zufolge besonders stark ausgeprägt.

Die Autorinnen mutmaßen, dass Familien mit wenig Geld es sich häufig nicht leisten können, auf das - meist höhere - Gehalt des Mannes zu verzichten. "Paare, die sich so verhalten, handeln individuell unter dem Druck der Krisensituation kurzfristig oft rational. Sie sehen ja derzeit keine Alternative", sagte Kohlrausch.

Die Forscherinnen fürchten, dass sich die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern auch langfristig vergrößern könnte - falls die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise noch länger spürbar bleiben und Frauen deshalb möglicherweise nicht zu ihren vorherigen Arbeitszeiten zurückkehren können.

Weniger Gleichberechtigung bei der Kinderbetreuung

Auch die Gleichberechtigung bei der Kinderbetreuung hat durch Corona der Studie zufolge spürbar gelitten: Von Paaren, die vor der Krise die Betreuung fair geteilt hatten, gaben nur noch rund 60 Prozent an, das weiterhin zu tun. Bei 30 Prozent übernahmen hingegen die Frauen häufiger die Kinderbetreuung und nur bei zehn Prozent die Männer. Auch hier ist die Ungleichheit bei Haushalten, die netto weniger als 2000 Euro monatlich zur Verfügung haben, noch stärker ausgeprägt.

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Zumindest für die unteren Einkommensgruppen sei mehr finanzielle Unterstützung nötig, wenn wegen der Kinderbetreuung in der Coronakrise Arbeitszeit reduziert werden muss, forderten die Forscherinnen. Sonst drohe eine wachsende Ungleichheit zwischen Frauen und Männern.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte, die Politik müsse nun dringend gegensteuern, indem sie Hilfen für Eltern verlängere und aufstocke. Ansonsten drohten sich alte Rollenmuster wieder zu verfestigen.

kfr/dpa/AFP
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