Lebensqualität der 30- bis 59-Jährigen Die satte Generation

Was treibt die 30- bis 59-Jährigen? Nicht viel, zeigt eine neue Umfrage. Die "Generation Mitte" scheint zufrieden zu sein, ihr größter Wunsch sind niedrigere Steuern. Nur eine kleine Minderheit fühlt sich abgehängt.
Erfolgreich und zufrieden: Der wichtigste Wunsch sind niedrigere Steuern

Erfolgreich und zufrieden: Der wichtigste Wunsch sind niedrigere Steuern

Foto: Corbis

Niedrige Löhne, teure Mieten, soziale Spaltung - es gibt vieles, was einem im Deutschland des Jahres 2015 die Stimmung vermiesen könnte. Doch die wichtigste Generation scheint davon weitgehend unberührt zu sein. Die 30- bis 59-Jährigen sind mit ihrer Lebensqualität offenbar hoch zufrieden.

Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Versicherungsverbands GDV bezeichnen 91 Prozent der Befragten die Lebensqualität in Deutschland als gut oder sehr gut. Ihre eigene Situation schätzen immerhin 76 Prozent positiv ein (siehe Grafik).

Für die Studie hat das Institut in einer repräsentativen Umfrage 1020 deutschsprachige Personen im Alter von 30 bis 59 Jahren befragt. Das Ergebnis zeichnet das Bild einer satten "Generation Mitte", die es sich in einem funktionierenden System bequem gemacht hat und deren Wunsch nach Veränderung eher schwach ausgeprägt ist. Man könnte sie auch "Generation Merkel" nennen.

Als wichtigste Voraussetzungen für ein gutes Leben nannten die Befragten eine gute Gesundheitsversorgung (86 Prozent). Auch die Meinungsfreiheit sowie ein gutes Bildungssystem sind rund drei Vierteln der Bürger wichtig. Rechtssicherheit und politische Stabilität (67 Prozent) stehen hoch im Kurs. In Deutschland sehen die meisten Bürger diese Kriterien erfüllt - nur beim Bildungssystem und der Rechtssicherheit ist die Mehrheit knapp.

Allerdings gibt es insgesamt eine unzufriedene Minderheit: Rund jeder Fünfte schätzt seine eigene Lebensqualität als weniger gut oder gar nicht gut ein. Deutlich werden die Unterschiede, wenn man die Befragten nach sozioökonomischen Status einteilt.

Dazu haben die Forscher anhand verschiedener Kriterien wie Einkommen, Schulbildung und Beruf drei Statusgruppen gebildet. Unter den Befragten mit hohem sozioökonomischem Status gaben 94 Prozent eine gute oder sehr gute Lebensqualität an. In der niedrigen Gruppe waren es nur 48 Prozent. In dieser Gruppe gaben zudem 40 Prozent an, dass sich ihre Lebensqualität in den vergangenen Jahren verschlechtert habe.

Nach ihren Wünschen für politische Veränderungen gefragt, antworteten die Bürger insgesamt widersprüchlich. Ganz oben auf der Liste stehen niedrigere Steuern und Abgaben. 71 Prozent fordern hier Entlastung vom Staat (siehe Grafik). Zugleich wollen aber auch 68 Prozent die Unterschiede zwischen Arm und Reich verringern und 51 Prozent das Bildungssystem verbessern. Beides dürfte mit weniger Steuereinnahmen schwierig werden.

Prägend für die "Generation Mitte" dürfte das Thema Erben werden. Es teilt die heute 30- bis 59-Jährigen in zwei nicht ganz gleich große Hälften. Während 41 Prozent schon geerbt haben oder noch ein Erbe erwarten, gehen 59 Prozent nach eigenen Angaben leer aus (siehe Grafik). Unter denjenigen, die ein Erbe erwarten, gaben wiederum 44 Prozent an, dass die Erbschaft für ihre eigene Altersvorsorge wichtig werde.

Eine Rolle spielt das Thema vor allem für jene, die ohnehin schon einen hohen sozioökonomischen Status haben. In dieser Gruppe gaben 57 Prozent an, geerbt zu haben oder noch ein Erbe zu erwarten. In der Gruppe mit niedrigem Status waren es nur 25 Prozent, also jeder Vierte (siehe Grafik).

Wer hat, dem wird also gegeben. Darüber könnte man sich aufregen - doch das ist in der "Generation Mitte" gerade nicht so angesagt.

Details zur Befragung

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.